Heimat für die Stadttauben

Olaf Renaux reguliert mittels städtischem Taubenschlag die Population

Balingen, 14.08.2010 von Klaus Irion

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Zwei städtische Taubenschläge, ein Brieftaubenzüchter, der sich ehrenamtlich um die Schläge kümmert: Die Stadt Balingen hat sich erfolgreich der Stadttauben-Population angenommen.

Einmal am Tag betritt Olaf Renaux aus Endingen die Balinger Stadtbücherei durch den Hintereingang. Es sind dann nicht die Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, die sein Interesse wecken. Renaux steigt hinauf auf den Speicher des Hauses. Dort hat die Stadt Balingen Platz geschaffen für einen von zwei innerstädtischen Taubenschlägen. Der Zweite befindet sich unter dem Dach des „Bizerba“-Gebäudes beim „Hobbyland“.

Doch zurück in die Stadtbücherei. Der dortige Taubenschlag war vor einigen Jahren eingerichtet worden, um die Stadttauben-Population überschaubar zu halten. Als ein erster „Stadttauben-Vater“ die ehrenamtliche Tätigkeit, sich um den städtischen Taubenschlag zu kümmern, wieder aufgab, „hat ein Bauhof-Mitarbeiter, der mich kennt, den Vorschlag gemacht, bei mir als möglicher Nachfolger anzufragen“.

Renaux hat nicht lange überlegt, schließlich ist er quasi von Kindesbeinen an dem Hobby der Brieftaubenzucht verbunden. Aufgewachsen in Stuttgart-Weilimdorf zog es Renaux mit seiner Frau aufs Land, auch der Tauben wegen. In Endingen fanden sie ein zum Verkauf stehendes altes Bauernhaus, das sie umbauten und sanierten. Bereut hat der Rentner seinen Umzug nie. Genauso wenig wie seine Tätigkeit in Sachen Stadttauben.

Als wären es seine eigenen Vögel, lockt er sie mit frischem Futter in den Taubenschlag. Renaux' Auftrag: Die unkontrollierte Fortpflanzung der Stadttauben einzudämmen. Das Zauberwort lautet „Gipseier“. Erst beim genauen Hinsehen kann man sie von echten Taubeneiern unterscheiden. „Die Tauben selbst merken es nicht, dass ich ihre Eier im Nest austausche.“ Wobei Renaux von Zeit zu Zeit dann doch das eine oder andere echte Ei liegen lässt. Denn ob die gefiederten Tiere dauerhaft einen Standort akzeptieren würden, an dem kein Nachwuchs mehr schlüpft, wer weiß? Und so sind unter den bis zu 50 Tauben, die den Weg in den Speicher der Stadtbücherei finden auch derzeit zwei Jungtiere. Der Gesamtbilanz in Sachen Taubenpopulation tut dies keinen Abbruch. „Vor Jahren waren es wesentlich mehr Stadttauben.“ Doch neben dem Eieraustausch hat auch die Natur selbst, konkret: haben Wanderfalken und Habichte bei der Regulierung der Taubenzahl geholfen.

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