Das Wesen des Glücks

13.08.2010 von Daniel Seeburger

Die Frage nach dem Wesen des Glücks kann man gerade an einem Tag wie heute trefflich stellen. Denn für die abergläubischen Zeitgenossen ist ein Freitag, der auf den 13. Tag eines Monats fällt, Grund genug, die Haustüren verschlossen zu halten und das Bett zu hüten. Dabei ist es statistisch erwiesen, dass das Pech an diesen Freitagen nicht größer ist als an anderen Tagen. So ereignen sich an Freitagen, den 13., nicht mehr Verkehrsunfälle als an den darauf folgende Freitagen.

Wir bilden uns den vermeintliche Unglückszuwachs also nur ein. Es gibt sogar Menschen, die gerade an solchen Tagen besonders viel Glück haben. Mein Kollege beispielsweise. Der schrieb sein bestes Französisch-Diktat in der zehnten Klasse just an einem Freitag, dem 13.

Wenn wir Glück nicht als etwas Kurzfristiges, Zufälliges ansehen, sondern als einen langfristigen Prozess, ist die Diskussion um die vermaledeiten Freitage sowieso absurd. Denn wirklich glücklich ist nicht derjenige, der im Lotto gewinnt. Der ist nachher reich, aber damit noch lange nicht zufrieden. Das wahre Glück gründet tiefer, will erarbeitet, manchmal auch erkämpft werden. Und es erfordert Disziplin. Denn glücklich sind nur jene, die sich selbst genügen, nicht immer auf die Anderen blicken und permanent etwas fordern, was sie doch nie bekommen können. Nicht Unglück ist das Gegenteil von Glück, sondern Neid und Angst.

So gesehen, stehen viele vermeintliche Glückspilze am Abgrund. Andere aber, die verzichten, vergeben und tolerieren können, nennen sich glücklich.

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