Käß geht der Strom aus
Marathon-WM: Bietenhausener verpasst die Top-Zehn – Marx wird 22.
St. Wendel, 10.08.2010
Wendel. Bis etwa 20 Kilometer vor dem Ziel saß Jochen Käß noch in der ersten Reihe. Doch dann musste der 29-jährige Mountainbiker aus Rangendingen-Bietenhausen nach eigenen Angaben für drei Fehler büßen, die er zuvor gemacht hatte. Dreimal war Käß zu weit hinten in der großen Spitzengruppe in einen Singletrail hinein gefahren, dreimal musste er den verlorenen Boden wieder gut machen. „Das hat etwas zu viel Körner gekostet“, analysierte der Gewinner des diesjährigen Albstadt-LBS-Bike-Marathon.
Neun Fahrer waren übrig geblieben, als Käß in einem Aufstieg erneut den Anschluss an die Spitzengruppe verlor. Und so begann für ihn die Abwärtsspirale. Von hinten rückte Alban Lakata an – und Käß versuchte dran zu bleiben. „Alban war zu stark“, registrierte Käß, der den Österreicher ziehen lassen musste. Als es in den letzten Anstieg hinein ging, sei ihm dann „der Strom endgültig ausgegangen“, erzählte der Bietenhausener, der sich einen Top-Ten-Platz zum Ziel gesetzt hatte.
Käß fiel zurück auf Rang 13, während sich eben jener Lakata den WM-Titel sicherte und mit seiner Zeit von 3:49:55 Stunden exakt 2:06 Minuten vor dem 29-jährigen Bietenhausener die Ziellinie passierte. Lakata überraschte die sieben Konkurrenten in der Spitzengruppe mit einem Angriff aus der letzten Position heraus und gewann nach 107,93 Kilometern mit fünf Sekunden Vorsprung auf den Italiener Mirko Celestino und 5,6 Sekunden vor dem Südafrikaner Burry Stander. Bester Deutscher war derweil Karl Platt als Siebtplatzierter, der 25 Sekunden Rückstand auf den Sieger hatte.
Mit Platt hatte der Hechinger Torsten Marx bis zu Kilometer 45 in der zweiten Gruppe, die rund 30 Sekunden hinter den Spitzenfahrer lag, noch gut mithalten können. Doch dann hatte Marx Pech, als ein Fahrer unmittelbar vor ihm stürzte und er nicht mehr ausweichen konnte. „Ich bin mit dem Kopf gegen einen Baum geprallt“, berichtete Marx, der einige Zeit benötigte, um sich wieder zu berappeln. Der 34-Jährige verbesserte sich noch von Platz 31 auf 22, wo er mit 7:20 Minuten Rückstand auf Lakata notiert wurde. „Ich hätte schon gerne gewusst, wie es ohne den Sturz gewesen wäre, der Rückstand war ja nicht sehr groß. Die Top-20 hätte ich gerne erreicht“, meinte Marx. Der 22. Rang bei einer Weltmeisterschaft sei allerdings auch nicht zu verachten.
Mit diesem wäre wohl auch Volker Ordowski zufrieden gewesen. Der Ex-Straßenfahrer aus Weilen u.d.R. bestritt seine erste Marathon-WM – und wurde früh abgehängt. Ordowski stieg nach weniger als der Hälfte der Distanz aus. „Ich hatte schon nach wenigen Kilometern Laktat in den Armen, da wusste ich schon, das wird heute nichts“, sagte Ordowski. Warum er an diesem Tag nicht in Form war, darüber konnte auch Ordowski nur spekulieren. An der Sturzverletzung an der Schulter, die er sich vor rund fünf Wochen zugezogen hatte und die ihn lange behinderte, habe es eigentlich nicht mehr liegen können. Zumal Ordowski vor zwei Wochen auch die Transalp-Challenge bestreiten konnte.
Bei den Damen holte sich Sabine Spitz aus Murg-Niederhof – trotz eines Hinterrad-Defekts – die Silbermedaille. Spitz ging als Titelverteidigerin ins Rennen, musste sich am Ende aber hinter der Schweizerin Esther Süss, die nach dem Marathon-EM-Titel nun auch das Regenbogen-Jersey der Marathon-Weltmeisterin auf der Langdistanz ihr eigen nennt, einreihen. Dritte wurde die Dänin Annika Langvad vor Elisabeth Brandau aus Schönaich und der Nürnbergerin Birgit Söllner.
Marathon-WM: Erst ein Sturz bremst den Hechinger aus
Als viertbester Deutscher passierte Torsten Marx bei der Marathon-WM in Sankt Wendel die Ziellinie – und das obwohl der Hechinger über die Hälfte des Rennens zusammen mit den beiden Deutschen, Tim Böhme (12.) und Karl Platt (7.) in Schlagdistanz zur Spitzengruppe lag. Auch Jochen Käß (13.) platzierte sich am Ende vor Marx.
Ein wenig enttäuscht war der 34-Jährige im Ziel. „Ich hatte mir einen Platz unter den besten 20 vorgenommen und hätte sogar in den Top-15 landen können“, sagte Marx. Doch ein Sturz bremste ihn aus. „Schade, ohne Sturz wäre mehr drin gewesen für mich“, resümieren er, „aber wenn man die Umstände betrachtet, bin ich zufrieden.“
Am Wochenende startet Marx als Einzelstarter beim TransSchwarzwald. Sieben Etappen zwischen Sasbachwalden und dem Feldberg, mit einer Gesamtdistanz von 550 Kilometern (14 800 Höhenmeter), müssen die Mountainbiker dabei hinter sich bringen. Marx: „Dort peile ich einen vorderen Platz an, denn ich bin gut drauf.
