Jagdszenen vor der Stadthalle

10.08.2010 von Thomas Godawa

Beobachtet man Menschen und ihr Verhalten kann man einiges erleben, beispielweise Verhaltensweisen, die bereits vor zehntausend Jahren in uns angelegt waren als Jäger und Sammler. So erging es mir neulich abends kurz vor Schließung der Klimt Ausstellung in der Stadthalle. Ein Paar, also Männlein und Weiblein, so Mitte fünfzig, beide machten deutlich den Eindruck dem deutschen Bildungsbürgertum anzugehören, verließen die heiligen Hallen und strebten dem unteren Parkplatz zu. Doch auf halber Strecke entdeckte die Sammlerin, nichts dokumentiere den Besuch der Ausstellung, keine Tasche, kein Katalog. Daraufhin entspann sich ein kurzer, aber lebhafter Dialog, der darin mündete, dass beide ihre Geldbörse zogen und nachprüften, ob denn noch genügend Bares für einen „Beutezug“ vorhanden ist. Sprechenderweise wurde dann der Mann, sprich Jäger, von der Frau zurück geschickt, um Beute zu machen. Sie folgte ihm nicht, sondern „tigerte“ auf dem Vorplatz der Halle hin und her, bis er wieder mit einer Papiertüte und beschwerendem Inhalt, also wohl doch ein Katalog, wieder auftauchte. Dann wurde von ihr vorsichtshalber der Inhalt der Tüte kontrolliert und es folgte eine kurze verbale Bestätigungsrunde, das beide nun ihr Ziel erreicht haben und gemeinsam zufrieden nach Hause gehen können. Die Sammlerin hat ihr Dokument und Nachweis, den sie vorweisen kann, und der Jäger hat seinen Job gemacht und Beute erlegt.

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