Falsche Hunderter frisch aus Italien
Drei Männer müssen sich seit gestern vor dem Landgericht Hechingen verantworten
Hechingen, 10.08.2010
Bandenmäßige Geldfälschung – so lautete der Vorwurf gegen drei Männer, die sich seit gestern vor dem Landgericht Hechingen verantworten müssen. Bis zu einer Million Euro Falschgeld – alles in gut gemachten Hunderter-Noten – wollten die drei, ein Deutscher und zwei Italiener, an den Mann oder auch die Frau bringen, zu einem Nennwert von 30 Prozent. Den Gewinn wollten sich die drei dann teilen. Die drei gerieten an einen verdeckten Ermittler, bei der geplanten Übergabe einer ersten Rate schnappten die Handschellen zu. Alle drei Angeklagten zeigten sich gestern geständig.
Alles begann, zumindest wenn man den Aussagen Glauben schenken will, im Dezember vergangenen Jahres. Alle drei hatten Schulden, steckten in fast schon verzweifelten Situationen.
Der Deutsche, 62 Jahre alt: Viele Jahre lang hatte er als Autoverkäufer „richtig viel Geld gemacht“, ein Haus gekauft, ein paar Grundstücke dazu. Dann wurde der Stress zu viel, Herzrhythmusstörungen setzten zu. Die Kündigung kam telefonisch, noch im Krankenhaus. Doch noch war ja Geld da, der Mann kein altes Eisen. Er machte sich selbstständig. Verlor Geld. Suchte sich einen anderen Unternehmenszweig. Es lief nicht mehr gut. Private Schwierigkeiten kamen hinzu. Längst waren alle Rücklagen aufgebraucht, alle Grundstücke veräußerst, gehörte das Haus der Bank. Dass das Haus zwangsversteigert werden sollte, traute er sich seiner Frau erst zwei Tage vor dem Vollstreckungstermin zu sagen. „5000 Euro hätte ich gebraucht, um die Kaution für eine neue Wohnung, eine Küche und den Umzug zu zahlen.“
Auch ein Versicherungsmakler, italienischer Staatsbürger, 1973 in Deutschland geboren, inzwischen mit Lebenspartnerin und zwei Kindern, konnte ihm nicht helfen. Doch bei einer Autofahrt „kam das Gespräch dann drauf, ob ich jemanden kenne, der Falschgeld abnehmen würde“, erinnert sich der Deutsche. Denn auch der Italiener brauchte dringend Geld. Der Vater war einst mit den Ersparnissen der Familie durchgebrannt, hatte lediglich Schulden hinterlassen. Der Sohn zahlte so gut es ging zurück, doch es reichte nicht, zumal berufliche Schwierigkeiten hinzukamen. Vor dem Landgericht ließ er seinen Anwalt gestern eine Erklärung verlesen, in der er alle Vorwürfe unumwunden zugab.
Ein Landsmann schließlich sollte das Geld in Italien besorgen, denn auch der war in Nöten. Mit 20 Jahren nach Deutschland gekommen, hatte auch er sich noch nie etwas zuschulden kommen lassen. Er führte eine gut gehende Gaststätte, jetzt mit 52 wollte er sich eigentlich langsam zur Ruhe setzen. Doch die Familie seiner Frau brauchte plötzlich Geld. Auch hier ging es wohl um keine kleinen Summen.
Dem Deutschen fiel erst einmal kein Abnehmer ein, dann doch noch „ein Berliner“, den rief er an. Der „Berliner“ wollte sehen, was er tun kann. 14 Tage später meldete sich tatsächlich ein potenzieller Käufer. „Robert“, ein V-Mann.
Robert wollte 700 000 Euro. 210 000 Euro war er bereit dafür zu zahlen. Doch Vorkasse sei nicht drin. Jetzt hatten die drei ein Problem. Selbst hatten sie ja kein Geld, doch in Italien, wo das Falschgeld hergestellt wurde, wollte man echtes Geld sehen – im voraus. Mühsam wurden ein paar Tausend Euro aufgetrieben, „Robert“ eine erste Rate von 45 000 Euro angeboten. Bei der Übergabe am 23. Februar in Hechingen griff die Polizei zu.
Die Staatsanwaltschaft würde es bei zwei Jahren auf Bewährung für den Deutschen belassen, forderte drei Jahre für den Versicherungsmakler, drei Jahre und sechs Monate für dessen älteren Landsmann.
Die Verteidiger sprachen „von armen Hunden, die in eine Situation hineingeraten seien“ und bescheinigten ihren Mandanten bei dem Versuch, Geld zu machen, um ihre Schulden abzubauen, eine „gehörige Portion Dilettantismus“.
Recht professionell waren dagegen die gefälschten Hundert-Euro-Noten gemacht, wie Experten bescheinigten. Das sei „gutes, verkehrsfähiges Falschgeld“, auf den ersten Blick für den Laien schwer zu erkennen.
