Textiles ist nicht nur zum Anziehen da
Neue Lautlinger Brücke animiert Erich Bizer zu außergewöhnlicher Ausstellung im Maschenmuseum
Albstadt-Tailfingen, 09.08.2010 von Horst Schweizer
Wer kannte schon vor Jahren eine Brücke aus Textilbeton? Seit eine solche in Lautlingen vor ihrer Fertigstellung steht, befassten sich viele Bürger mit dem Thema. Was kann man sich darunter vorstellen? Diese Frage bewegte auch den Tailfinger Erich Bizer, seit Jahren im Arbeitskreis Maschenmuseum aktiv, beim Lesen eines Artikels in der Zeitung.
Schnell sei bei ihm die Idee geboren worden, dies mit einer Sonderausstellung zu zeigen. Er ging bei der Eröffnung auf die Geschichte des Trikot ein, nannte als Beginn das Jahr 1730 durch die Hugenotten, nannte Handwerksstühle. Führte über die Arbeit der Strumpfweber weiter zu einem Jahrhundert, „in welchem unsere Region vom Trikot recht gut leben konnte“. Bis ins Jahr 1985, dann habe sich die Erfolgsgeschichte in die andere Richtung entwickelt.
Erich Bizer war es schließlich, welcher die Ausstellung initiierte. 17 Firmen, viele aus der Region, aber auch aus Dresden, gaben ihm die Zusage. Ohne deren Engagement wäre diese Ausstellung nicht zustande gekommen, hob er in seiner Rede hervor. „Um den Einstieg im Bereich Technische Textilien auf dem Markt zu finden, ist ein langer Atem, viel Geduld und gute Finanzierung erforderlich“.
Oberbürgermeister Dr. Jürgen Gneveckow unterstrich am Freitag Abend bei der Ausstellungseröffnung, dass erstmals in der langen Geschichte des Maschenmuseums eine Sonderausstellung gezeigt werde, die nicht unter den Oberbegriff Heimat- und Kulturgeschichte oder Textilkunst falle. Technische Textilien seien weit verbreitet, bei Matratzen, modernen Waschbecken, Autositzen oder dem Sofa. Bei diesen gehe es weniger um Mode und Ästhetik als um Funktionalität und Innovation. Die Welt drehe sich immer schneller, Funktionstextilien und technische Textilien seien der Wachstumsmarkt schlechthin, wie eine vierprozentige jährliche Steigerung zeige.
Aus Sicht von Museumsleiterin Susanne Goebel sei es noch nicht allzu lange her, als beim Stichwort Textil noch primär an Bekleidung, Heimtextilien oder hitzebeständige Spezialkleidung der Feuerwehr gedacht worden sei. Sie hätte in diesem Zusammenhang Windkraftwerke, Musikinstrumente, Sturzhelme für Motorradfahrer oder gar Brückenbau nicht assoziiert. So zeige die Ausstellung, deren Eröffnung das Duo „Goldrain“ umrahmte und durch große Resonanz nach gestuhlt werden musste, auch halb zerlegte Rotorflügel, welche an den Museumsaufbau mit großen ausladenden Maschinen erinnere.
Einigkeit herrsche darüber, dass Technische Textilien aus unserem modernen Leben nicht mehr wegzudenken seien und der Menschheit von großem Nutzen sein können. Das anspruchsvolle Studium Textiltechnologie – Textilmanagement biete auch die staatliche Fachholschule. Der Dank von Susanne Goebel galt dem engagierten Arbeitskreis Maschenmuseum, den Ausstellungsmacher Erich Bizer überraschte sie mit einem Weinpräsent.
