Heiße Nächte – gierige Mädels

04.08.2010 von Volker Bitzer

Auf der Alb ist es immer einen Kittel kälter. Als Albstädter weiß man das – nicht nur wegen der sagenumwobenen Wetterstation – natürlich nur zu gut. Nicht selten habe ich an schönen Tagen neidvoll gen Stuttgart oder Bodensee geblickt: Konnte man dort abends noch leger im Polohemd den Sommer-Rosé unter freiem Himmel genießen, war hier schon eher der leichte Pulli und der kräftigere Rote angesagt. Um so erfreuter war ich, als ich vor gut drei Wochen meinen Jahresurlaub antrat und schon auf der Fahrt nach Rügen das Außenthermometer des Autos an einer Stelle mollige 39,5 Grad anzeigte. Ja, ich geb's zu: Zu warm ist mir selten. Die Betonung liegt auf selten. Denn dass ich mir nur wenige Stunden später und all die darauf folgenden Tage tatsächlich den „kälteren Albstädter Kittel“ sehnlichst herbei wünschte, kaum zu glauben. Aber so war's. Vor allem nachts, als sich mein Hotelzimmer – dieses Mal leider nicht im klimatisierten Fünfsterne-Haus – auf unerträgliche und stickige 27 Grad aufheizte. Und weil draußen gar eine Armada gieriger Stechmücken-Mädels auf schwitzendes Männerfleisch lauerte, war ein Öffnen der Fenster auch nicht unbedingt ratsam. Eine Reise-Erfahrung, die doch wieder einmal spürbar zeigt: Alles ist relativ und zu Hause ist es halt doch am schönsten. Trotz zusätzlichen Kittels. Allerdings würde ich diesen gegenwärtig noch für 'ne Weile in den Schrank zurück hängen.

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