Jede fünfte hatte Defekt
Studenten der Hochschule nehmen Photovoltaik-Anlagen unter die Lupe
Albstadt-Tailfingen, 29.07.2010 von Dagmar Stuhrmann
Die Hochschule kooperiert im Rahmen solcher Projekte bereits zum wiederholten Mal mit den Albstadtwerken und mit den Stadtwerken Balingen. Für die neueste Auflage der vergleichenden Untersuchung sind Fabian Duffner, Tom Digel, Daniel Amann und David Bätzner (alle Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen) verantwortlich. Betreut wurden sie von Prof. Franz-Josef Kuhn. „Photovoltaik ist aktueller denn je,“ sagt Martin Kurz, Abteilungsleiter Stromversorgung bei den Albstadtwerken. Der Trend geht nach oben, auch wenn jüngst die Vergütungssätze gekürzt wurden. Rund 600 PV-Anlagen sind im Bereich Albstadt inzwischen installiert, die in einem Jahr rund 6,5 MW einspeisen. Bei einer Höchstlast von 50 MW, so Kurz, sei dies „ganz ordentlich“. In Balingen sieht's ähnlich aus. Laut Harald Eppler, technischer Werkleiter der Stadtwerke Balingen, gibt es im Bereich Balingen 620 PV-Anlagen. Die installierte Leistung liegt wie in Albstadt bei etwa 6,5 MW und macht, bei einer Höchstlast von etwa 30 MW, einen „relativ hohen Anteil“ aus.
Das Studentenquartett machte sich im Rahmen des Projekts auf die Suche nach Mängeln und Schwächen, d.h. nach vom Durchschnitt abweichenden Einspeisezahlen. Sie verschickten Fragebögen an PV-Anlagen-Besitzer, machten Besichtigungen und Begehungen und fanden heraus: Jede fünfte Anlage hat schon einmal einen Defekt gehabt.
Weniger Einspeisung bedeutet für den Anlagenbesitzer weniger Geld im Geldbeutel. Der Tipp der Studenten lautet: „Immer den Zähler im Blick haben.“ Auf beste Ergebnisse hoffen kann man, wenn Grundlegendes beachtet wird. Ein Neigewinkel von 30 Grad gilt als perfekt und die Belüftung muss stimmen. Am wichtigsten: Die Anlage sollte nicht durch Bäume o.ä. beschattet sein. Der Zusammenhang ist nicht linear: „Eine zu zehn Prozent abgeschattete Modulfläche kann einen Ertragsverlust von 30 Prozent bewirken,“ machen die Studenten deutlich. Weitere „Problemfaktoren“ können u.a. unterdimensionierte Wechselrichter, fehlende Kabelbinder, überbaute Dehnfugen oder auch ein zu geringer Abstand zwischen Dach und Anlage sein.
Der häufigste Grund, in eine PV-Anlage zu investieren, ist finanzieller Art, gefolgt vom Umweltschutzgedanken und technischem Interesse. Der Großteil der von den Studenten befragten PV-Anlagenbesitzer erwartet eine Rendite zwischen sechs und zehn Prozent, was man offenbar auch noch mit der gekürzten Vergütung erreichen kann. 81 Prozent der Befragten geben an, bei ihren PV-Anlagen seien noch keine Defekte aufgetreten, bei 19 Prozent gab es schon einmal Probleme. 97 Prozent der PV-Besitzer sind mit ihren Anlagen zufrieden. Das spricht, so Prof. Kuhn, für die Installateure, die offensichtlich bei Mängeln stets schnell für Abhilfe sorgten. Die Erhebung zeigt auch: Wer viel Interesse am Thema Photovoltaik hat, hat auch die bessere Anlage auf dem Dach. „Weil er weiß: Qualität macht sich bezahlt.“
Im Anschluss an die Präsentation der Hochschul-Projektarbeit gab es gestern auch eine Ehrung: Die Albstädter Firma Elektro-Piske wurde für die „Installation der ertragreichsten PV-Anlage 2009 im Bereich der Albstadtwerke mit einem Ertrag von 1187 kwh/kWp“ ausgezeichnet.
