Silos als Stolperstein
Dotternhausen marschiert in die Erneuerbare-Energie-Zukunft
Dotternhausen, 29.07.2010 von Klaus Irion
Einige Meter im Boden versenkt, ein größerer Durchmesser und dafür niedriger, eventuell eckig statt rund und vielleicht ein gefälliger Anstrich: Vorschläge wie die beiden geplanten gewaltigen Silos (23 Meter Höhe) im Dotternhausener Gewerbegebiet „Großer Acker“ aussehen könnten, gab es in der Sitzung des Gemeinderats am Dienstagabend einige. Die Doppellagerstätte für Holzpellets – „das erste, was man von Dotternhausen sehen würde, wenn man von Balingen her kommt“ (Bürgermeisterin Monique Adrian) – ist bislang noch der Knackpunkt bei der 15-Millionen-Euro-Investition der Firma „Juwi“. Sie hat kürzlich die beiden großen Hallen und das Biomassekraftwerk gekauft, die 2008 vom Unternehmen gebaut, aber vom Vorbesitzer aus Insolvenzgründen dann nie genutzt worden waren (der ZAK berichtete). „Juwi“ möchte an Ort und Stelle im großen Stil Holzpellets produzieren.
Für Insolvenzverwalter Martin Wesner war der Kauf durch „Juwi“ ein „Glücksfall“, wie er unserer Zeitung gegenüber erklärte. Es sei das nachhaltigste und schlüssigste aller Nachnutzungskonzepte gewesen. „Ich habe dabei ein absolut gutes Gefühl.“ Das hat nun auch der Dotternhausener Gemeinderat. Vielfach wurden die Pläne „begrüßt“, zumal sich laut dem Juwi-Mitarbeiter Thomas Feiert der zusätzliche LKW-Verkehr wohl in Grenzen halten wird. Bleibt eben noch die ästhetische Frage der Silos. Diese Möglichkeiten abzuklären, wurde Feiert mit auf den Weg ins pfälzische Wörrstadt, dem Sitz von „Juwi“, gegeben. Nach der Sommerpause dann soll die Silo-Frage gleich entschieden werden. Denn „Juwi“ möchte seinen Dotternhausener „Bioenergiehof“ möglichst noch in diesem und im nächsten Jahr schrittweise auf den Weg bringen.
Die Großanlage passt den Dotternhausenern auch deshalb so gut ins Konzept, weil sie über kurz oder lang eine komplette Abdeckung der Gemeinde mit erneuerbarer Energie anstreben. Wie dies geschehen könnte, dass wurde den Räten in der Sitzung anhand der Ergebnisses eines Energiewettbewerbs, den sie vor einigen Monaten selbst auf den Weg gebracht hatten, erläutert. Acht Fachbüros hatten sich der Aufgabe gestellt, drei waren durch das Votum einer Fachjury in die Endauswahl gekommen. Nach dem kurzfristigen Rückzug eines Finalisten war es noch ein Duell, das letztlich die Arge IB Schuler/IB Eppler aus Bietigheim-Bissingen mit ihrem Modell eines „Nahwärmenetzes in fünf Realisierungsstufen“ für sich entschieden hat. Allerdings kam die Jury zu dem Ergebnis, dass kein 1. Preis vergeben wird, „da auch das Arge-Modell hier und da zwickt“, wie ein Mitarbeiter der wettbewerbsdurchführenden Stadtentwicklungs GmbH erläuterte. Beschluss der Gemeinderäte: Unter Hinzuziehung der Jurymitglieder soll das Nahwärmekonzept detaillierter beleuchtet werden. Und für Bürgermeisterin Monique Adrian „ist nun immerhin schon klar, was wir alles nicht machen sollten“.
