Bittenfeld ärgert Bundesligisten
HBW verliert Finale beim Marktplatzturnier in Esslingen – Schweikardt-Truppe als Stolperstein
Esslingen/Balingen, 26.07.2010 von Marcus Arndt
Mit 13:12 setzte sich der ambitionierte Süd-Zweitligist gegen die Truppe von Trainer Dr. Rolf Brack durch, welche mit einer knappen 8:6-Führung in die Pause ging. Nach dem Seitenwechsel ließen die Balinger jedoch beste Möglichkeiten aus und fielen in der Schlussphase vorent-scheidend zurück. Florian Schöbinger vom Kreis und der überragende Alexander Heib trafen zum 12:10, während der Erstligist immer wieder an Bastian Rutschmann scheiterte. Wie im Vorjahr brachte TV-Keeper den HBW beinahe zur Verzweiflung. Dennoch: In den letzten 120 Sekunden hätte Balingen-Weilstetten das Spiel drehen können – drehen müssen. In doppelter Überzahl kam jedoch Baumgarten frei zum Wurf und ließ Nikola Marinovic keine Chance. 13:11 für den Außenseiter: die Entscheidung. Wie schon in der Gruppenphase vermisste Brack „Passqualität und individuelle Klasse“. Enttäuscht fügte der Sportwissenschaftler hinzu: „Es sollte schon ein Unterschied zwischen einem Erst- und Zweitliga-Spieler erkennbar sein!“
Von einem Klassenunterschied war auch im Balinger Auftaktspiel gegen den TV Neuhausen/Filder nichts zu sehen. Bis zum 5:5 spielte der Regionalliga-Absteiger auf Augenhöhe mit dem HBW. Der sorgte mit sechs Toren in Folge (Temel-kov/2, Strobel/2, Ettwein, Sauer) dann für klare Verhältnisse. Doch der „zweite Block“ des Favoriten tat sich sehr, sehr schwer. Die 5:1- und 4:2-Abwehr funktionierte ganz und gar nicht – und auch Ivan Zoubkoff bekam kaum einen Ball zu fassen. Mit 7:6 gewann der Viertligist die zweite Spielhälfte – und Brack hatte vor dem Duell mit dem TV Neu-hausen/Erms „ein ungutes Gefühl gegen einen ambitionierten Gegner“. Doch beim Ermstäler zeigte die Formation um Neuzugang „Jo“ Boisedu die beste Turnierleistung. Der Franzose egalisierte die Gut-brod-Führung und sorgte nach sechs Minuten für den ersten Zwei-Tore-Vorteil des Bundesligisten (5:3). Auch in der Folgezeit blieb der HBW am Drücker und baute den Vorsprung zur Pause auf 9:5 aus. Wieder wechselte Brack en bloque. Wieder ohne Erfolg. Die Gauggisch-Truppe glich zum 10:10 und hatte sogar die Chance zur Führung. Glück für Strobel & Co.: Völlig frei jagte Jeremias Rose das Spielgerät am Balinger Kasten vorbei. Neuzugang Roland Schlinger und Vladimir Temelkov legten wieder zwei Treffer vor (12:10). Am Ende brachte der HBW den knappen Vorsprung über die Zeit (Endstand: 13:12) und bekam noch Schützenhilfe von den Fildern: Neuhausen trotzte dem Namensvetter aus dem Ermstal einen Zähler (13:13) ab, so dass den Balingern im dritten und letzten Gruppenspiel gegen den HSC Suhr Aarau bereits ein Punkt zum Finaleinzug reichte.
Gegen den Schweizer A-Ligisten begann Brack mit dem „ersten Block“. Die Sieben um Regisseur Benjamin Herth sorgte bereits in den ersten zwölfeinhalb Minuten für die Entscheidung auf dem Esslinger Marktplatz. Mit 11:4 führte der Bundesliga-15. der Saison 2009/10. Der Sportwissenschaftler ließ erneut rotieren – und erneut wurde es eng für den HBW. Die Eidgenossen verkürzten mit einem 5:0-Lauf auf 10:12. Die Balinger konterten durch Jens Bürkle, Schlinger und Wilke zum 15:10. Am Ende siegten die Schwaben mit 17:12 und erreichten ohne Punktverlust das Finale. Zufrieden war Brack nur bedingt. „Das einzig Konstante ist die Inkonstanz“, bilanzierte der Balinger Coach, welcher bei den Neuzugängen noch große Abstimmungsprobleme ausmachte. „Ich habe gehofft, dass es nicht so zäh losgeht“, räumte der 56-Jährige unumwunden ein, der neun intensive Trainingseinheiten in der vergangenen Woche nicht als Entschuldigung für die schwankenden Leistungen gelten lassen wollte: „Alle Teams stecken mitten in der Vorbereitung. . .“
Bittere Niederlage beim Handball-Cup in Backnang gegen Ligarivalen Wetzlar
In Backnang verpasste der Balinger Bundesligist gestern den erhofften Turniersieg. Nach dem Auftaktsieg über Vortagesgegner TV Neuhausen/ Erms (Endstand: 22:19) revanchierte sich die Truppe von Trainer Dr. Rolf Brack für die Finalniederlage in Esslingen. Knapp mit 21:20 setzte sich der Bundesligist gegen den klassentieferen TV Bittenfeld durch. Zum Turniersieg reichte es dennoch nicht: Gegen den Ligarivalen HSG Wetzlar, der stark verteidigte, kassierte der HBW eine 13:19-Niederlage. Somit reichte es an Ende wieder nur zu Rang zwei, hinter den punktgleichen Lahnstädtern. Die ließen gegen Neuhausen zwei Zähler liegen (18:21).
Nach den Turnieren in Esslingen und Backnang geht es morgen ins Trainingslager nach Altensteig. Im Schwarzwald spielen die Schwaben den S-Cup. „Ich will ins Endspiel“, sagt Dr. Rolf Brack mit Nachdruck, „zumal wir eine machbare Gruppe haben.“ In der Gruppe 1 trifft der HBW auf Bern Muri, die SG Haslach/Herrenberg/Kuppingen (2. Bundesliga Süd) und den TV Willstätt (Baden-Württemberg-Oberliga).
Mehr Training – weniger Spiele. Nach dem S-Cup wird der HBW nur noch bei den Intersport Masters in Lenningen und Sindelfingen (13. bis 15. August) auf die Platte gehen. „Vielleicht machen wir noch das ein oder andere Testspiel“, verrät Brack und erklärt: „Wir haben Kontinuität im Kader und wollen in der Vorbereitung nicht überziehen.“ Vielmehr setzt der Sportwissenschaftler auf teambildende Maßnahmen. In der zweiten August-Woche geht es zum Bogenschießen. „Eine Biathlon ähnliche Geschichte“ haben die Balinger Verantwortlichen für die Truppe um Kapitän Wolfgang Strobel angedacht. Und läuft die Vorbereitung bis dahin rund – ist am 7. und 8. August trainingsfrei.
