Balingen/Hechingen, 15.07.2010

Der „Einbrecher“ weilt zur Tatzeit im Kosovo

Staatsanwaltschaft rudert zurück – Einmal Freispruch, einmal mildes Urteil für Brüderpaar

Den Angeklagten springt das Auto nicht an, ein Verteidiger verpasst das Taxi und die verspätete Verhandlung beginnt mit einer Unterbrechung. Der sinnbildhafte Auftakt eines Hehlerei- und Diebstahl-Prozesses.

Für den Vorsitzenden Richter Wührl, die Staatsanwälte Siegel und Dr. Müller sowie die Schöffen ist es gestern nicht nur ein heißer Tag im Sitzungssaal 181 des Hechinger Amtsgerichtes, es ist vor allem ein anstrengender Tag. Die Gerichtsordnung wird gelockert: Wührl verzichtet auf Robenpflicht, lässt „kurze Ärmel“ zu.

Der Prozessverlauf nach dem verspäteten Auftakt mit kurzer interner Besprechung aller Prozessbeteiligten hinter verschlossener Tür ist schleppend, schon bei der Befragung des ersten Angeklagten ergibt sich ein anderes Bild als von der Staatsanwaltschaft geschildert. Diese wirft dem Brüderpaar in der Anklageschrift gemeinschaftlichen Diebstahl und Hehlerei vor. Der Ältere, der als Filialleiter in der Balinger Niederlassung eines bundesweit agierenden Unternehmens arbeitete, soll in der Nacht vom 19. auf den 20. September 2008 mit einem nachgemachten Schlüssel mit seinem Bruder und einem weiteren Täter bei seinem Arbeitgeber eingebrochen sein und das gesamte Firmeninventar im Wert von annähernd 30 000 Euro mitgenommen und weiterverkauft haben. Aus der Kasse und dem Wandtresor wurden insgesamt 1160 Euro entwendet. Das Diebesgut, Gerätschaften, Maschinen und Werkzeug aus dem Kfz-Bereich, seien mit einem Laster abtransportiert und in die Autowerkstatt seines jüngeren Bruders gebracht worden. Auch hier wird eine Beteiligung weiterer noch unbekannter Täter nicht ausgeschlossen.

Der ehemalige Filialleiter hat eine andere Version parat: Stockend erzählt er seine tragische Geschichte, denn er ist nach einem Betriebsunfall behindert und hat Schwierigkeiten sich flüssig zu artikulieren. Seine Vernehmung gestaltet sich als sehr schwierig, zumal auch sein jüngerer Bruder immer wieder die Geduld verliert und dazwischen redet. „Sie bringen ihn durcheinander, ich bin für ihn wie sein Vater“, herrscht er die Staatsanwältin an, die ihn mehrfach zur Räson aufruft. Auch Richter Wührl wird energisch: „Sie dürfen nicht für ihn reden“.

Im Zuge der Befragung ergibt sich folgendes Bild: Der Angeklagte hat eineinhalb Jahre bis Juli 2008 in der Balinger Niederlassung gearbeitet und dann die Stelle gewechselt. Auch nach seinem Weggang pflegt er weiter gute Kontakte zu einem ehemaligen Arbeitskollegen, der ihn auch an der neuen Stelle besucht. Nach dem Betriebsunfall im Oktober 2008 übernimmt er am 1. April 2009 die Autowerkstatt seines jüngeren Bruders in Freudenstadt, weil dieser die Meisterschule besucht. Nun taucht sein ehemaliger Arbeitskollege wieder auf und kündigt an, „ihm etwas Gutes zu tun“. Wenige Tage später fährt er nach einem kurzen Anruf mit einem Laster vor und bietet ihm das Diebesgut zum Verkauf an. Für 5000 Euro gehen die Teile über den Tisch. Ein paar Tage später steht die Polizei vor der Tür und nimmt die Werkstatt auseinander.

Bei der Befragung des zweiten Angeklagten stellt sich heraus, dass er während der Tatzeit im Kosovo weilte. Die Einträge in seinem Pass bestätigen dies. „Ich bin komplett unschuldig“, sagt er völlig aufgeregt. Er habe seinen Bruder vor dieser Freundschaft gewarnt: „Ich war immer dagegen, aber er hat ja nicht auf mich gehört“. Er liebe seine Bruder, dessen Verhalten aber habe ihn nun in diese unmögliche Situation gebracht – „das sind nicht unsere Methoden, ich arbeite hart und viel, um mein Geld zu verdienen“.

Nach diesen emotionalen Auftritten endet der Prozess mit einem Paukenschlag in Form einer Nachtragsanklage. „Und das passiert nicht oft“, räumt die Staatsanwältin ein. Der Filialleiter wird wegen Hehlerei zu einer neunmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Der Vorwurf des Diebstahls wird fallen gelassen. Sein jüngerer Bruder geht als freier Mann aus dem Gerichtssaal.

Der beschuldigte Arbeitskollege wartet vor der Tür und sollte eigentlich als Zeuge vernommen werden. Er wird heim geschickt – ob er bald auf der Anklagebank sitzen wird, bleibt an diesem heißen Prozesstag offen.

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Kommentare unserer Leser


Albanerfeindlichkeit

Es ist immer wieder mit entsetzen festzustellen wie Anti-albanisch die Gerichte in diesem Land arbeiten. Aus diesem Artikel geht eindeutig hervor, dass die beiden Männer zur Tatzeit nicht im Land waren. Obwohl bewiesen wurde, das beide unschuldig sind, wird einer davon wegen "Hehlerei" angeklagt. Wenn man einem ehrlichen, stolzen Albaner schon keinen Diebstahl in die Schuhe schieben kann, dann HEHLEREI. Ungeheuerlich! Rassismus! Nazismus!
von Albaner am 15.07.2010 15:41:42

Antwort auf Albanerfeindlichkeit

Es ist doch immer wieder dasselbe. Wenn die Deutschen schon nicht so ticken, wie es unsere Mitbürger "mit Migrationshintergrund" gerne hätten, dann holt man gaaaanz schnell die Rassisten- und Nazikeule raus. Wird doch wohl nicht so schwer sein, die "Schland'ner" wieder auf gehorsamen Kurs zu bringen.
von Tarzoon am 08.08.2010 03:18:59

Antwort auf Antwort auf Albanerfeindlichkeit

Beschreiben Sie mir doch bitte Ihr Bild eines Albaner! Mich würde es gerne interessieren, was Sie über mich und meine Landsleute denken. Weil Menschen aus einem Kriegsgebiet stammen sind diese gleich Kriminell? Kein Albaner auf deutschem Boden ist freiwillig hier. Krieg, Vertreibung, Mord, Vergewaltigung, etc haben uns in die Diaspora getrieben und nicht der freie Wille. Rassisten mit Nazikeule finden wir auch heute noch auf deutschem Boden. Niemand verlangt etwas. Wenn, dann nur "GLEICHBERECHTIGUNG" und KEINE "DISKRIMINIERUNG"!!!!!!!!
von Albaner am 10.08.2010 23:20:51

Antwort auf Albanerfeindlichkeit

Vielleicht ist der junge Mann ja auch Deutscher und hat Urlaub im Kosovo gemacht - soll ja nicht selten vorkommen.
Aber ich denke eher das alte Sprichwort stimmt: Getroffene Hunde bellen !
von Der Schwabe am 04.08.2010 04:56:53

Antwort auf Albanerfeindlichkeit

lol
von lol am 15.07.2010 22:57:06

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