Käß hängt den ewigen Zweiten ab

16. Albstadt-LBS-Bike-Marathon: Sprintsieger gewinnt auch am Samstag – Genze geschlagen

Käß hängt den ewigen Zweiten ab

Albstadt-Ebingen, 12.07.2010 von Reinhard Linder

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Nach seinem Sieg im City-Sprint hat Jochen Käß (Multivan Merida Bike Team) auch den 16. Albstadt-LBS-Bike-Marathon gewonnen. Er nahm seinem Teamgefährten Hannes Genze 1,3 Sekunden ab.

Seine knappe Niederlage vom Vortag im City-Sprint hatte Genze noch locker weg gesteckt. Nach der Hitzeschlacht am Samstag brauchte er aber eine Minute, bis er seine tiefe Enttäuschung überwunden hatte. „Es sieht so aus, als ob ich hier nie gewinnen sollte“, sagte der ewige Zweite. Zumal er nicht weiß, ob er 2011 noch einmal einen Vertrag angeboten bekommt, der es ihm erlaubt in seinem Beruf kürzer zu treten. „Ich möchte wieder kommen, denn es macht hier riesigen Spaß. Das Rennen wächst von Jahr zu Jahr, so eine Atmosphäre findet man praktisch nirgends. Als ich in Onstmettingen zur Schanze hochgefahren bin, habe ich Gänsehaut bekommen.“

Überglücklich war Jochen Käß, der seit langer Zeit 'mal wieder bei einem der größten Radsport-Events Europas dabei war. „Doppelsieg in Albstadt. Das hört sich gut an“, lächelte der 29-Jährige, der als deutscher Marathon-Meister in den Nationalfarben an den Start gegangen war. Wenn es irgendwie gehe, werde er 2011 versuchen seinen Titel zu verteidigen.

Dritter wurde Vorjahressieger Albert Lakata. Enttäuscht war der Österreicher keineswegs. „Ich habe in letzter Zeit sehr hart trainiert und habe dafür heute die Rechnung präsentiert bekommen. Mir hat die Spritzigkeit gefehlt, um vorne mitzuhalten.“

Gleich nach dem Start setzte sich eine 25-köpfige Spitzengruppe vom Feld ab, zu der unter anderen auch der Meßstetter Marcel Reiser (Sparkasse Zollernalb) und Matthias Gärtner (Team Zwillingscraft) zählten, der im Vorjahr Albstadt-Meister geworden war und zu seinem Unverständnis nicht mehr um diese Trophäe mitfahren darf, weil er nur noch seinen zweiten Wohnsitz in Albstadt hat. „Beim Neuweiler haben wir uns beide angeschaut und waren uns einig, dass wir dieses Tempo nicht durchhalten können“, erzählte Reiser später. Sie warteten auf Routinier Carsten Bresser und den Schweizer Thomas Frischknecht, den Moderator Stephan Salscheider als „den erfolgreichsten Mountainbike-Fahrer aller Zeiten“ vorgestellt hatte. Mit dabei in dieser Gruppe, die zwischen Platz 15 und 22 ins Ziel kam, war unter anderen noch Mannie Heymans.

Bei der Onstmettinger Schanze war die Spitzengruppe auf neun Mann zusammengeschrumpft „und danach ging es wie bei den zehn kleinen Negerlein“, schilderte Genze. Einer nach dem anderen fiel zurück wegen eines Krampfes oder eines Plattfußes. Auf dem Lerchenfeld waren sie noch zu viert, auf dem Ochsenberg nur noch zu dritt, nachdem Lakata einen Spurt angezogen und Alexandre Moos (BMC Racing) endgültig abgeschüttelt hatte. „Ich dachte, jetzt kann ich kurz ausruhen“, schaltete er einen Gang zurück, „aber dann sind Genze und Käß vorbeigeprescht.“

Die Entscheidung fiel auf den letzten Metern, als Jochen Käß wie schon am Vortag seinen Stallkameraden Genze übersprintete und erstmals den Albstadt-LBS-Bike-Marathon gewann.

Vierter wurde Moos, als Fünfter kam ein total enttäuschter Torsten Marx vom SC Truchtelfingen (DS Rennsport) ins Ziel: „15 Kilometer vor dem Ziel habe ich Krämpfe bekommen, mir fehlen fünf Minuten zu meiner Bestzeit“, gab der Hechinger zu Protokoll.

 

Allerlei Buntes zum Albstädter Bike-Marathon – von Tandems, Teig, Topleuten und Testfahrern

Die Albstädter Radbekleidungsfirma Leverve Sportswear ist mit einem kleinen, aber illustren Team beim Albstadt-LBS-Bike-Marathon am Start gewesen. In der Einzelwertung belegte der mehrmalige Kunstradweltmeister Heiko Rauch Rang 440. Zum ersten Mal auf dem Tandem unterwegs war der ehemalige Albstadtmeister Stephan Wolfer zusammen mit seinem Bruder Andreas. Beide kamen mit der anspruchsvollen Strecke und der brutalen Hitze gut zurecht und gewannen locker die Tandemwertung.

Ein Geheimrezept hat dem Vorsitzenden der RSG Zollernalb, Rainer Schairer, geholfen, die 86 Kilometer ohne Krämpfe zu überstehen: Salzteig. Diesen rührt er vor jedem langen Rennen an, lässt ihn schön eintrocknen und schiebt sich unterwegs immer mal wieder ein Kügelchen in den Mund. „Das hilft“, schwört er auf seine Methode, „auch wenn es eklig schmeckt.“ Auch Stefan Schairer führte ein paar Salzteigklumpen seines Papas mit sich. Trotzdem musste er in Burgfelden aufgeben.

„Mr. African“, Mannie Heymans, hat sich schon vor zehn Jahren in der Siegerliste des Albstadt-LBS-Bike-Marathons verewigt. Bei der 16. Auflage belegte der Namibier Platz 20. Am Anfang sei er in der Spitzengruppe mitgefahren, „aber die waren mir dann zu schnell, das war über meinem Niveau, die Luft war raus“. Mit seinen 39 Jahren habe er nicht mehr die Form, um an den Top-Leuten dran zu bleiben. Umso mehr Respekt habe er inzwischen vor dem, „was ich so in der Vergangenheit erreicht habe“.

Der Schweizer Thomas Frischknecht hat sich von Stephan Salscheider für ein Rennen zum Rücktritt vom Rücktritt überreden lassen. Er kam als 16. ins Ziel und war total fertig. „Ich bin ein paar Mal gestorben“, keuchte er. Die Hitze sei brutal gewesen, auch die phantastische Stimmung habe ihm zu schaffen gemacht, „das war ja fast schon belastend.“ Unterwegs war er auf einem neuen 29-Zoll-Rad, das den Praxistest bestanden habe: „Das Chassis war schon optimal, nur der Motor nicht.