Mehr Stellen als Bewerber
Situation auf dem Ausbildungsmarkt „positiv wie lange nicht“
Zollernalbkreis, 09.07.2010 von Rosalinde Conzelmann
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) verzeichnet im Vergleich zu den Zahlen vor einem Jahr 3,3 Prozent weniger Ausbildungsverträge. „Wir sehen dieses moderate Minus aber positiv“, erklärt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Walter Herrmann. Den Spitzenplatz nimmt die Berufsgruppe „Bau und Ausbau“ mit einem Plus von 36 neuen Lehrstellen ein. In den technischen Berufen liegt der Rückgang bei neun Prozent: „Hier schlagen die aktuellen wirtschaftlichen Probleme im Maschinenbau nach wie vor durch.“ Generell aber zeichne sich eine Besserung ab. Der Trend in den Landkreisen ist unterschiedlich: der Zollernalbkreis verliert überdurchschnittlich.
Sorgenvoll blickt Walter auf die demografische Entwicklung, „die unseren Betrieben langfristig Probleme machen wird“. Bis ins Jahr 2020 würden die Schülerzahlen um ein Viertel zurückgehen – „dann werden die Bewerber heiß umworben“. Hermann spricht auch ein weiteres Problem an: „Für unsere Unternehmen wird es immer schwieriger, die Ausbildungsplätze mit qualifizierten Bewerbern zu besetzen.“ Stichwort: Mangelnde Ausbildungsreife. Auch die Handwerkskammer Reutlingen zieht eine optimistische Zwischenbilanz des Ausbildungsjahres. Dort waren bis 30. Juni 967 neue Lehrverträge eingetragen, was einem Minus von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. „Der gesamte Druck, der auf den Betrieben lastet, ist geringer“, betont der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Rainer Neth. Auch er blickt kritisch auf die demografische Entwicklung – „der Markt wird schärfer“, kann aber vermelden, dass die Handwerkskammer noch rund 640 freie Ausbildungsplätze anbieten kann. „Eine Bewerbung ist noch jederzeit möglich“, sagt er. Sein Fazit: „Die Ausbildungsbereitschaft des Handwerks ist nach wie vor ungebrochen.“
„Die Firmen melden wieder mehr Plätze, jede Woche kommen noch freie Stellen rein“, freut sich Pierre Keller, Leiter des Teams Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit. Er wertet die Lage als „so positiv wie schon lange nicht.“ 1710 Bewerber haben sich seit Oktober 2009 bei der Berufsberatung gemeldet. Dem stehen 1770 Ausbildungsstellen gegenüber.
Rein rechnerisch ein tolles Ergebnis. In der Realität aber gibt es natürlich Wunschberufe, die mit dem Angebot nicht immer deckungsgleich sind. Dieses Jahr gibt es eine Besonderheit: „Wir haben mehr Stellen als Bewerber“, so Keller.
Er rät allen, die noch auf der Suche nach einer Lehrstelle sind, sich bei der Berufsberatung zu melden – „610 Stellen sind noch unbesetzt“. Dieser Zahl stehen 805 Bewerber gegenüber. „Wir können jedem ausbildungswilligen Jugendlichen ein passendes Angebot machen“, verspricht Keller.
