Wetterchaos im Schlichemtal
Feuerwehrmann entkommt knapp dem Tod – B 27 nach Erdrutsch unpassierbar – Brände
Zollernalbkreis / Schlichemtal, 05.07.2010
Vor allem die Gemeinden im Oberen Schlichemtal wurden in Mitleidenschaft gezogen. In Zimmern schwoll der Schwarzenbach zu einem bedrohlichen Strom an und trat über seine Ufer und verwüstete große Teile der Gemeinde. Die Alarmierung der Feuerwehr erfolgte gegen drei Uhr morgens. Neben der Zimmerner Wehr war auch die Balinger Feuerwehr mit vier Einsatzfahrzeugen im Einsatz. Da die B27 wegen eines Erdrutsches gesperrt war, musste sie über Dormettingen und Täbingen anrücken.
Besonders betroffen war der Bereich Winkelstraße und Schmiedstraße im Bereich des Bürgerhauses sowie die Ortsdurchfahrt Gößlinger Straße in der Ortsmitte. Das Tor des Feuerwehrhauses wurde mit dem Einsatzfahrzeug gesichert, da die Gefahr bestand, dass die Wassermassen das Tor eindrückten.
Während des Einsatzes wurde ein Zimmerner Feuerwehrmann von den plötzlich auftretenden Fluten mitgerissen. Glücklicherweise konnte er sich an einem Pfosten solange festklammern, bis er aus der lebensbedrohlichen Situation gerettet wurde. Der Feuerwehrmann wurde von einem Anwohner vor dem Ertrinken gerettet und in ein Krankenhaus eingeliefert. Nachdem das Wasser zurück gegangen war, zeigte sich das ganze Ausmaß der Zerstörungen: Durch starke Unterspülungen sind Teile der Winkelstraße und der Schmiedstraße unpassierbar geworden. Durch Schlamm und Geröll war am Sonntagmorgen auch in der Gößlinger Straße kein Durchkommen möglich. Die Einwohner sprechen von den schlimmsten Überschwemmungen seit vielen Jahrzehnten.
Die B 27 zwischen Dotternhausen und Schömberg wurde gesperrt da durch Überflutung und zwei Erdrutsche die Fahrbahn blockiert war. In Schömberg sind Heizöltanks in überfluteten Kellerräumen aufgeschwommen und leck geschlagen. Die Feuerwehr musste zum Schutz der Umwelt das ausgelaufene Heizöl aufnehmen. Über 50 Notrufe wegen voll gelaufener Keller gingen bei der Schömberger Wehr ein. In Weilen unter den Rinnen, Zimmern unter der Burg und in Schömberg, dort vor allem im Teilort Schörzingen, wurden Straßen meterhoch überflutet. Schachtabdeckungen der Kanalisation wurden durch das Wasser angehoben, mitgerissener Schlamm und Geröllmassen verwüsteten die Straßen. Der Stausee kam durch die sintflutartigen Regenfälle an den Rand seiner Aufnahmekapazität. Nur noch ein Meter Höhe fehlten bis zum Überlauf.
In einigen Gemeinden waren die Feuerwehren bereits im Einsatz, als in Dotternhausen der Brand eines Wohnhauses durch Blitzeinschlag gemeldet wurde. Eine fünfköpfige Familie wurde im Neubaugebiet Brühl-Kreuzwiesen jäh aus dem Schlaf gerissen. Ein aufmerksamer Nachbar bemerkte, wie der Blitz in das Einfamilienhaus einschlug und den Dachstuhl in Brand setzte. Er alarmierte sofort die Rettungskräfte und weckte die Familie, die noch nichts von dem Brand mitbekommen hatte. Durch sein besonnenes Handeln und das rasche Eingreifen der Feuerwehr konnte Schlimmeres verhindert werden. Weitere Brände durch Blitze gab es in Bisingen und Haigerloch.
In großen Teilen des Landkreises musste die Feuerwehr entwurzelte Bäume von Straßen beseitigen und überflutete Keller leer pumpen. Insgesamt mussten von der Einsatzleitung weit über hundert Einsätze koordiniert werden. Kreisbrandmeister Hermann wurde hierbei von der Leitungsgruppe des Deutschen Roten Kreuzes unterstützt. Die beiden stellvertretenden Kreisbrandmeister Rieber aus Winterlingen und Rebholz aus Balingen waren ebenfalls im Einsatz. Bei der Leitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst sind in den frühen Morgenstunden mehr als 300 Notrufe eingegangen.
Landrat Günther-Martin Pauli und der Erste Landesbeamte Matthias Frankenberg informierten sich noch in der Nacht bei der Einsatzleitung und den -stellen über die Lage.
