Eine Frage der Entfernung

Werkrealschul-Zusammenführung kommt voran – Diskussion um Schülerbeförderung

Balingen, 30.06.2010 von Klaus Irion

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Die Zusammenführung von vier Hauptschulen zu zwei Werkrealschulen geht in Balingen Schritt für Schritt voran. Diskutiert wird derweil noch über die möglichen Zuschüsse bei der Schülerbeförderung.

Margaretha Pehlke ist erleichtert. Die Rektorin der Balinger Sichelschule, die künftig als Hauptstandort der Balinger Werkrealschule Nord firmiert, hat die Klassenaufteilung zwischen der Zentrale und der Außenstelle im Schulzentrum Längenfeld letztlich doch problemlos über die Bühne gebracht. „Wir konnten alle Wünsche von Seiten der Eltern und Schüler erfüllen.“ Soll heißen: Jeder Werkrealschüler, der Klassen fünf bis sieben werde am bevorzugten Standort unterrichtet.

Ab Klasse acht wechseln die Schüler dann alle auf die Sichelschule. So also erstmals auch die jetzigen Siebtklässler der Längenfeldschule. „Vergangene Woche hatten wir bereits einen Kennenlerntag mit der Siebtklässler beider Schulen“, berichtet Pehlke. Schließlich würden die Klassen spätestens beim Belegen der Wahlpflichtfächer bunt durcheinander gewürfelt.

Noch nicht definitiv geklärt ist laut Pehlke die Frage der Lehrerzuteilung. Schließlich gilt es auch hier, bisherige zwei Kollegien zu einem an zwei Standorten zusammenzuführen. Nicht zu vergessen die Lehrer, die weiterhin an der künftigen autonomen Grundschule im Längenfeld unterrichten werden.

Und dann sind da auch noch die verbleibenden unterschiedlichen Ganztageskonzeptionen – geschlossen verpflichtende Ganztagesschule an der Zentrale, freiwillig offene Ganztagesbetreuung an der Außenstelle. „Die allermeisten Eltern hatten damit kein Problem“, so Pehlke. Einige wenige hätten jedoch von ihrer freien Wahl der Schule Gebrauch gemacht und ihre Kinder an der Werkrealschule Süd angemeldet.

Dort ist wie bekannt die Frommerner Werkrealschule künftig das Zentrum, die Werkrealschule Weilstetten die Außenstelle. Und beide agieren mit offener Ganztagesbetreuung. So einfach, wie im Stadtzentrum gestaltet sich dort die Verteilung der Schüler dann aber noch nicht. „Wir sind noch mitten in der Diskussion“, sagt Schulleiter Klaus Flockerzie. Schließlich werde nicht nach Gesichtspunkten wie „hat eine Fahrkarte, hat keine Fahrkarte“ agiert. Des Rektors vorderstes Anliegen: Egal ob als Schüler in Frommern oder in Weilstetten, jeder müsse genau die gleichen Möglichkeiten erhalten, an den Ganztagesangeboten teilzunehmen. Dazu zählt auch ein warmes Essen in der Mittagspause. „Ziel sind aber auch gleiche Lern- und Unterrichtsbedingungen an beide Standorten.“

Inzwischen hat sich eine Arbeitsgruppe von Eltern beider Ortsteile gebildet, die die Schulenzusammenführung unterstützend begleitet. Für einen ihrer Sprecher, Markus Wafa, liegen die Probleme auf der Hand: „Wie kommen die Kinder zu den Sportangeboten, zur Mensa, zur Hausaufgabenbetreuung?“ Wafa wünscht sich dabei noch etwas mehr Unterstützung von Elternseite. Die einen hoffen, dass ihre Kinder in Frommern bleiben, die anderen, dass ihnen ein Teil der möglichen Fahrtkosten übernommen wird.

Doch das mit der Fahrtkostenunterstützung ist höchst kompliziert. Unstrittig sind Wegstrecken über drei Kilometer. Hier subventioniert der Landkreis die Schülerfahrten. Alles, was darunter liegt, obliegt dem Schulträger, in diesem Fall der Stadt Balingen, ob sie – auf Beschluss des Gemeinderats – eine finanzielle Unterstützung einrichtet. Fakt ist, die Entfernung zwischen der Werkrealschul-Zentrale in Frommern und der Außenstelle in Weilstetten liegt unter drei Kilometern. Das heißt für einen etwaigen Ganztagesbetreuungs-Pendelverkehr ist nicht der Landkreis zuständig.

 

KOMMENTAR

„Man kann nicht die Schulbezirke abschaffen und sich dann ärgern, dass Eltern davon Gebrauch machen“, sagt Frommerns Werkrealschulleiter Klaus Flockerzie. Hintergrund ist die Diskussion um künftige zusätzliche Schulbusfahrten, die durch die neue Balinger Werkrealschul-Struktur entstehen werden. Verwaltung und Gemeinderat haben willentlich die Bezirke aufgehoben, und den Wettstreit der Schulen um die verbleibenden Werkrealschüler geradezu forciert und – Beispiel: verpflichtende Ganztagesschule versus freiwillige Ganztagesbetreuung – ideologisiert. Wer A sagt muss nun – auch im Angesicht leerer Kassen – finanziell B sagen und die Schülerbeförderung mittragen. Es schickt sich für die Stadt Balingen nicht, einen neuen Schultyp – auf freiwilliger Basis wohlgemerkt – einzuführen, dann aber auf halber Strecke stehen zu bleiben.

Werden Schüler nach Balingen gemobbt?

Um das Chaos zu komplettieren, sollen offenbar Schüler umligender Gemeinden nach Balingen gemobbt werden. So jedenfalls muss man es verstehen, wenn ein offensichtlich überforderter Schömberger Rektor Eltern nahelegt, ihre Kinder doch in Balingen oder anderswo unterzubringen. Dazu wird alles Erdenkliche getan, um das Eltern- Schule Verhältnis als zerüttet ansehen zu können. Etliche Schömberger Eltern mussten bereits Anwälte einschalten, um die haltlosen Anschuldigungen von Polizei und Schule anzufechten. Man gewinnt den Eindruck, dass der "Reiserektor" von der Landesschulbehörde als "eiserner Besen" eingesetzt wird oder an einer Profilneurose leidet. Jedenfalls hat er als Rektor bereits eine stattliche Anzahl von Schulen durchwandert, mit welcher Intuition auch immer.
Was die Schulspeisung- zumindest in Schömberg- anbelangt, so könnte man sagen: "jede Schule bekommt die Speisung, die sie verdient" oder anders herum gesehen: "wie der Herr, so's Gscherr".
Roland Späth am 02.07.2010 11:05:12
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