Ende einer glorreichen Ära

Für das Gros der Doster-Truppe beginnt nun endgültig die Aktivenzeit

Duisburg/Balingen, 23.06.2010 von Reinhard Linder

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Am Sonntag ist mit dem Final Four-Turnier in Rheinhausen die Handball-Lehrzeit für die meisten A-Jugendlichen der JSG Balingen-Weilstetten zu Ende gegangen. Fast alle wechseln zu den Aktiven.

„Der Jahrgang 1991 ist etwas ganz Besonderes“, hatte André Doster, der Sportliche Leiter der Jugendspielgemeinschaft, immer wieder betont. Mehr als sechs Jahre lang hat Doster gemeinsam mit Björn Kalenbach diese Jungs als Trainer betreut und mit ihnen riesige Erfolge gefeiert. Vier Spieler aus diesem Jahrgang haben in der B-Jugend den Stamm der württembergischen Jugendauswahl gebildet, die in Balingen den Länderpokal gewonnen hat. Und seit einem Jahr gehören sie sogar zu den Stützen des Regionalligisten HBW Balingen-Weilstetten 2, welchem trotz dieser Verjüngungskur der Klassenerhalt gelungen ist. „Diese Einsätze bei den Aktiven haben uns eher weitergebracht als gebremst“, lautet das Urteil von Christian Wahl, dem bisherigen A-Jugend-Mannschaftskapitän.

Ausgerechnet er durfte am Sonntag im allerletzten Spiel nur zuschauen. Am Vortag hatte er sich im Halbfinale der deutschen Meisterschaft, das mit 29:30 verloren ging, die Nase gebrochen. „Natürlich habe ich von außen versucht, die Mannschaft zu unterstützen, damit sie den dritten Platz belegt“, erzählt Wahl: „Aber ich habe aus den Gesichtern ablesen können, dass die Niederlage gegen Düsseldorf noch drinsteckt.“ Jedenfalls sei die Luft gegen GWD Minden raus gewesen, entsprechend deutlich ging die Partie mit 25:34 flöten.

„Das Final Four haben wir uns natürlich ganz anders erhofft. Das ist ganz unglücklich abgelaufen“, ist Wahl noch genauso deprimiert, wie die gesamte Mannschaft: „Ich glaube, wir haben noch gar nicht realisiert, wie knapp das überhaupt war.“ Beim 29:29 blieb wenige Sekunden vor der Schlusssirene die Pfeife der Schiedsrichter stumm, als Gregor Thomann beim Wurf behindert wurde. Stattdessen liefen die Düsseldorfer noch einmal einen Konter und versenkten den Ball im Tor. „Hätte es ein Rückspiel in der Längenfeldhalle gegeben, bin ich mir sicher, dass wir ins Finale eingezogen wären“, gibt sich der 19-Jährige trotzig.

Er sei aber unheimlich stolz auf das, was dieses Team alles erreicht habe. Platz drei beim Rookie-Cup in Berlin, den süddeutschen Meistertitel und eben die Endrunde der besten Vier um die deutsche Meisterschaft: „Dass wir so weit kommen, war nicht unbedingt abzusehen gewesen. Das Final Four war auf jeden Fall der emotionale Höhepunkt in dieser Saison.“ Die Stärke der Truppe sei ihre Ausgeglichenheit gewesen und die Tatsache, dass sie über Jahre hinweg fast unverändert geblieben sei: „So konstant wie in diesem Jahr, haben wir früher nicht gespielt.“

Aber es habe, so Wahl weiter, praktisch keine Vergleichsmöglichkeiten zu den Gleichaltrigen im Norden Deutschlands gegeben: „Die haben wir erstmals beim Rookie-Cup an Ostern gesehen.“ Deshalb begrüße er sehr die Pläne zur Einführung einer A-Jugend-Bundesliga, auch wenn er nun aus diesem Alter heraus sei.

Bevor die Truppe endgültig auseinander fällt und sich in die aktiven Mannschaften der Stammvereine HBW Balingen-Weilstetten und TV Weilstetten eingliedert, gebe es noch ein großes Abschlussfest, erzählt Wahl. Zudem sei er zuversichtlich, dass der Kontakt untereinander nicht abreißen werde: „Unsere Freundschaft wird weiter gepflegt, egal, wo einer spielt. Es war eine tolle Jugendspielzeit. Schade nur, dass der krönende Abschluss gefehlt hat.

 

Mit dem Handball-Gott im Rücken: Düsseldorf gewinnt die DM

Während der JSG der erste nationale Titel in der neunjährigen Geschichte versagt blieb, durfte sich bei der DM in Duisburg-Rheinhausen die HSG Art/ HSV Düsseldorf erstmals über die deutsche Meisterschaft freuen. Die Rheinländer bezwangen zunächst die Balinger mit 30:29 und ließen im Finale der TSG Friesenheim, die GWD Minden mit 27:23 besiegte, beim 38:34 keine Chance.

Düsseldorfs Trainer Jens Sieberger freute sich nach dem souveränen Finalsieg: „Das war eine absolut super Mannschaftsleistung. Die Mannschaft hat in den entscheidenden Situationen das Richtige gemacht.“ Doch der Weg ins Endspiel war für die Modestädter kein leichter. In einem denkwürdigen Halbfinale mit der JSG, hatte Düsseldorf am Ende das nötige Quäntchen Glück.

„Es hätten heute beide Mannschaften verdient gehabt, zu gewinnen“, so Sieberger nach dem Last-Minute-Halbfinal-Sieg: „Am Ende war der Handball-Gott auf unserer Seite.“Sein Pendant André Doster haderte: „Am Ende hatten wir eine klare Fehlentscheidung gegen uns.“ Trotzdem gratulierte er der HSG und der JSG: „Vor der Leistung meiner Truppe ziehe ich den Hut.

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