„Ganz Ostdorf hilft uns“

Familie Schäfer wird nach Großbrand nicht alleine gelassen

Balingen-Ostdorf, 19.06.2010 von Rosalinde Conzelmann

„Wir konnten unter drei Waschmaschinen auswählen“, sagt Karl-J. Schäfer. Die Solidarität, die er und seine Familie nach dem Brand erleben, berührt ihn sehr. Trotz Katastrophe „erlebe ich es auch als Chance.“

Eine Chance auf einen Neubeginn in dem Dorf, in dem die Familie jetzt so viel Hilfe erfährt nach dem für sie „rabenschwarzen Montag“ am 7. Juni. Wir berichteten über den Großbrand, bei dem die Familie ihr gesamtes Hab und Gut verloren hat. Schäfer und seine Lebenspartnerin hatten ihr Bauernhaus, in dem sie seit 1995 mit ihren beiden Söhnen leben, wie an jedem Werktag morgens zeitig verlassen, um zur Arbeit zu gehen. Die Familie hat das über 200 Jahre alte Fachwerk-Gebäude 1994 gekauft und liebevoll renoviert.

Wenig später erhielt der Sozialarbeiter am Telefon die Hiobsbotschaft, dass es bei ihm brennt. „Ich dachte, ich bin im falschen Film“, beschreibt er seine Gefühle, als er das Ausmaß der Brandkatastrophe mit eigenen Augen sieht. Seine Lebensgefährtin trifft es härter, denn sie konnte tagsüber nicht erreicht werden. Sie kam abends völlig unvorbereitet heim und hatte kein Zuhause mehr. Die beiden Söhne leben nicht mehr daheim.

Schon in den ersten Stunden kamen die ersten Hilfsangebote. „Diesen großen Zuspruch empfinden wir als großen Trost“, sagt der 54-Jährige, der einen Tag nach dem Brand zur Beerdigung eines jungen Verwandten fuhr – „da relativiert sich dann schon einiges“. Dass er in dieser außergewöhnlichen Situation die Ruhe bewahrt, schreibt der Wahl-Ostdorfer auch seiner Ausbildung als Kampfkunstlehrer zu. Außerdem findet er seit Jahren Entspannung im Zen-Buddhismus.

Schäfer und seine Lebenspartnerin wohnen jetzt nur wenige Meter von ihrem Grundstück entfernt in einer Drei-Zimmerwohnung in einem städtischen Gebäude, in dem früher auch eine Kindergruppe untergebracht war. „Wir wohnen jetzt in der Zwergengruppe“, sagt Schäfer. Das Paar hat sich wieder eingerichtet. „Wir müssen jetzt eher bremsen, weil so viele Angebote kommen“, sagt Schäfer. Der Verlust der persönlichen Dinge wie Familienalbum oder Dokumente schmerzt die Brandopfer. „Natürlich hätte ich meine 3000 Bücher nie freiwillig hergegeben.“ Trotzdem blickt Schäfer nach vorne und erzählt vom Aufschrift einer Karte, die ihm eine Arbeitskollegin einmal geschenkt hat: „Es gibt 1000 Dinge, die es nicht bedarf.“ An diese Worte denkt er derzeit oft. Oder er schaut mit Verwunderung auf die Bäume in seinem Garten, die die Flammen unbeschadet überstanden haben. Auch das Nachbarhaus, das nur drei Meter entfernt steht, blieb unbeschädigt. Hier spricht Schäfer der Feuerwehr ein großes Lob aus: „Die Männer haben auch noch meinen Anhänger und mein Motorrad gerettet.“ Dass er seine Kois nicht mehr rausholen konnte, „tut mir weh.“ Er freut sich aber, wenn er in der Brandruine Unbeschädigtes oder noch Brauchbares entdeckt.

Die Versicherung war bereits da und die Familie hofft nun auf eine schnelle Zusage der Schadensübernahme. Denn die Schäfers wollen dort neu starten, wo sie in den schlimmsten Stunden ihres Lebens eine unglaublich große Solidarität erfahren haben. Der Familienvater hat auch schon Pläne: „Ich werde den zugeschütteten Brunnen ausgraben und die Ammonitplatte im Flur frei legen.“ Für beide Maßnahmen war beim Umbau 1994 keine Zeit.

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