Trendwende im Dezember

Bundesliga: Kritische Situation nach 2:22 Zählern – Sensationssieg über Kiel

Balingen, 08.06.2010 von Marcus Arndt

Erneut geschafft! Trotz drei Niederlage im Saisonendspurt beendet der Balinger Handball-Bundesligist die Runde auf einem Nichtabstiegsplatz (15./ 18:50 Punkte). Das war nicht unbedingt zu erwarten.

Der HBW spielt weiter erstklassig – keine Selbstverständlichkeit nach einem katastrophalen Start mit 2:22 Punkten und einem radikalen Umbruch. „Der goldene Dezember“, wie es Trainer Dr. Rolf Brack formuliert, brachte schließlich die Trendwende.

„Bereits in der Vorbereitung wurde uns vor Augen geführt, dass es eine ganz schwere Saison wird“, blickt der Balinger Kommandogeber zurück, „es sah düster aus, da wir erneut sehr viel Substanz im Angriff verloren haben.“ Auch die Integration der Neuzugänge funktionierte überhaupt nicht – und nach 0:8 Zählern nahm der Druck auf die Schwaben vor dem Kellerduell in Dormagen gewaltig zu. Mit 27:23 siegten die Süddeutschen beim früheren Werksklub, doch die dünne Personaldecke im Rückraum sowie Probleme im Torhüterbereich waren eine zu große Hypothek für den Aufsteiger von 2006, der sieben Spiele in Serie verlor und mit 2:22 Punkten ganz tief im Abstiegssumpf steckte. „Eine sehr kritische Situation“, räumt Brack unumwunden ein, der auch in der Krise nie zur Disposition stand. Die Sportliche Leitung um den 56-Jährigen reagierte und legte personell nach: mit der Verpflichtung von Keeper Ivan Zoubkoff, der beim Ligakonkurrenten HSG Düsseldorf ausgemustert wurde. Ein Glücksgriff für die Balinger, obwohl der Franzose zunächst keine Akzente setzte und die Abwehr weiterhin gewaltig wackelte. Gegen seinen Ex-Klub spielte Zoubkoff groß auf und hielt in der Modestadt die Punkte drei und vier fest (Endstand: 26:25). „In Düsseldorf hatten wir das Glück“, so der Sportwissenschaftler weiter, „das man einfach braucht.“ 28 Sekunden zeigte die Hallenuhr an, als HSG-Trainer Goran Suton beim Stande von 25:25 die grüne Karte zog. Der 41-Jährige gab letzte Anweisungen, doch Frantzisek Sulc rutschte weg und verlor das Spielgerät. Das schnappte sich Wolfgang Strobel, passte aus der Bodenlage auf Vladimir Temelkov, der nervenstark das Siegtor warf. „Ein ganz wichtiger Sieg“, betont Brack, welcher drei weitere Erfolge im Dezember verbuchte: gegen Wetzlar (31:21), Hannover-Burgdorf (29:23) und Meister Kiel (39:37). „Ein Sensationsspiel“, kategorisiert der Dozent der Universität Stuttgart den Heimerfolg über den Branchenriesen, „einmalig in meiner 25-jährigen Karriere.“

Abstiegskampf ist der Alltag des 56-Jährigen. Der bestimmte auch die zweite Halbserie des südlichsten Erstligisten. Es folgten vier Niederlagen in Serie nach der EM-Pause, darunter die Heimpleiten gegen Dormagen (28:30) und Melsungen (31:34). Zumindest den direkten Abstieg wollte Brack verhindern, doch nach Mare Hojc (Schulter-OP) fiel auch Alexander Oelze (Bruch des Schienbeinköpfchens im linken Knie) bis zum Saisonende aus. Blieb allein Neunationalspieler Benjamin Herth auf der Mitte – sowie seine Kollegen Philipp Müller und Felix Lobedank auf den Halbpositionen. „Damit war zumindest für Kontinuität gesorgt“, sagt Brack lapidar, „doch drei Rückraumspieler sind natürlich zu wenig.“ Dennoch sicherten sich die Schwaben mit einem 26:23-Sieg in Wetzlar (31. Spieltag) endgültig die Klasse.

„Unsere größte Leistung überhaupt“, bilanziert der Erfolgstrainer von den Fildern, obwohl seine Truppe fünf Punkte weniger als in der Vorsaison verbuchte. Wieso es dennoch gereicht hat? „Mit der Kontinuität in der Abwehr konnten wir vieles kompensieren“, analysiert Brack und fügt hinzu: „Zudem blieben wir im letzten Saisondrittel – im Gegensatz zu unseren Konkurrenten – von Verletzungen verschont.“

 

HBW = Handball braucht Wunder

Aufsteiger der Saison: Felix Lobedank spielte eine sensationelle Saison. Der Linkshänder habe sich unglaublich entwickelt, meint Rolf Brack und fügt hinzu: „Er ist unser wertvollster Angreifer.“ Neben dem Rückraumspieler hat Kapitän Wolfgang Strobel noch einmal einen Sprung nach vorne gemacht. In den Big Point-Spielen setzte der Kreisläufer entscheidende Akzente.

Absteiger der Saison: Sven Grathwohl, der seit fünf Jahren für die Schwaben spielte, hat den Durchbruch nicht geschafft. Nach dem Slaby-Abgang wurde der 21-Jährige hinter Nikola Marinovic die neue Nummer zwei im HBW-Kasten. Doch er erfüllte die Erwartungen nicht und spielt nach der Zoubkoff-Verpflichtung wieder in der Regionalliga. Fast logisch: sein Wechsel nach Pirna.

Der Saisonhöhepunkt: HBW = Handball braucht Wunder. Mit 39:37 besiegte der Aufsteiger von 2006 den Branchenriesen THW Kiel. „Ein Sensationsspiel“, sagt Brack, „einmalig in meiner 25-jährigen Karriere.“ Der Überraschungscoup wäre am Ende nichts wert gewesen, hätten die Schwaben nicht dreimal auswärts gewonnen: in Dormagen, Düsseldorf und Wetzlar.

HBW News auf´s Handy

Fußball

Anzeige

Meist gelesen