„Dieses Spiel hatte so etwas Endgültiges“
Bundesliga: HBW-Niederlage fällt zu hoch aus – Lobedank genießt Nominierung
Balingen, 07.06.2010
Gewinnen die Zebras, sind sie zum 16. Mal Meister. Das war angesichts des Kieler Ein-Punkt-Vorsprungs klar. Und selbst eine Unentschieden würde ihnen angesichts von mehr als 40 Toren Unterschied zum Titel reichen. Andererseits kann auch ein Champions League-Sieger in Großwallstadt verlieren – und eine Zeit lang sah es auch so aus.
Die erste Viertelstunde durften sich die Hanseaten wie der deutsche Meister fühlen. Sie führten mit 9:7, Kiel lag mit 5:7 hinten. „Das haben wir nicht gewusst“, beteuerte HSV-Linksaußen Torsten Jansen. Erst in der Halbzeitpause habe er den Zwischenstand aus Großwallstadt erfahren. Und der war nicht ermutigend: Kiel führte 14:9. Obwohl der Meisterschaftstraum augenscheinlich geplatzt war, zogen die Hamburger auch in den zweiten 30 Minuten alle Register und ließen dem HBW keine Chance. Was sie nicht wussten, sondern nur die Zuschauer bei der Konferenzschaltung von Sport 1: Es wurde noch einmal spannend im Frankenland, als Großwallstadt in der Schlussphase auf zwei Tore herankam. Erst Dominik Klein machte mit seinem Treffer zum 27:24 für den THW alles klar. Geknickt wirkten die Hamburger nicht: „Wir hatten ja genügend Zeit uns vorzubereiten. Das war nicht anders zu erwarten“, sagte Jansen. „Natürlich sind wir traurig, dass es mit der Meisterschaft nicht geklappt hat“, gab Nationaltorhüter Johannes Bitter zu, „aber wir dürfen uns trotzdem freuen. Wir haben hier ein gutes Spiel gemacht und haben die Saison mit einem Sieg abgeschlossen. Der HBW hat uns voll gefordert, wir mussten 100 Prozent geben.“
Trotz der 25:35-Niederlage war auch auf Seiten der Gastgeber keine Spur von Enttäuschung zu finden. Schließlich hatten sie entgegen aller Expertenmeinungen zum vierten Mal in Folge den Klassenerhalt geschafft und vor laufender Kamera einen guten Eindruck hinterlassen. „Ich hoffe, dass wir die Erwartungen der Zuschauer in der Halle und vor dem Fernsehschirm erfüllt haben“, meinte HBW-Urgestein Frank Ettwein. Gegen den TuS Nettelstedt-Lübbecke und auch zuletzt in Kiel, „haben wir uns nicht so präsentiert, wie wir sind. Heute haben wir auf dem höchsten Level gekämpft.“
Drei Spieler haben am vergangenen Samstag ihr Abschiedsspiel im HBW-Trikot gegeben. Einer von ihnen war der Österreicher Markus Wagesreiter, der zu A 1 Bregenz wechselt. Er bedauerte, dass es nicht gelungen sei das Spiel enger zu gestalten. Die zehn Tore Unterschied würden eben den Tabellenstand widerspiegeln. „Aber das war ein schönes Spiel für die Zuschauer, in dem wir alles gegeben haben. Die Kulisse war wie immer fantastisch. Jedes Heimspiel war schön. Auch das heutige, wenngleich etwas Wehmut dabei ist.“ Ähnliche Worte fand Philipp Müller, der zur HSG Wetzlar wechselt und sich mit einer guten Leistung verabschiedete: „Das Ergebnis ist etwas zu hoch ausgefallen, aber insgesamt war es ein ordentlicher Abschluss.“ Er habe in den zwei Jahren beim HBW sehr viel dazu gelernt und viele Freunde gewonnen, die Zeit wolle er nicht missen: „Ich bin etwas traurig. Dieses Spiel hatte so etwas Endgültiges.“
Während die Balinger Spieler anschließend mit ihren Fans in der Volksbank-Messe noch ausgiebig feiern und einigen Handball freien Tagen entgegenblicken durften, musste sich Felix Lobedank zurückhalten. Als einziger HBW-ler ist er für das All-Star-Game am gestrigen Sonntag in Berlin nominiert worden. „Das ist eine Auszeichnung, die umso schöner ist, weil ich damit nicht gerechnet hatte.“ Unmittelbar nach der Partie habe er sich kurz mit dem Hamburger Marcin Lijewski über das Spiel gegen die deutsche Nationalmannschaft unterhalten, weil sie ja beide dieselbe Position im halbrechten Rückraum bekleiden. „Ich werde jeden einzelnen Moment inhalieren“, freute sich „Lobo“ auf den nächsten Tag in der Hauptstadt „und ich kann jede Minute genießen, weil wir den Klassenerhalt geschafft haben.
