Spannendes Saisonfinale
Handball-Bundesliga: HBW erwartet heute Hamburg – HSV hofft noch
Balingen, 05.06.2010 von Marcus Arndt
Der 34. Spieltag birgt Brisanz in sich: Im Fernduell kämpfen Champions League-Sieger Kiel und Hamburg um den nationalen Titel. Aus eigener Kraft können die Hanseaten nicht mehr Meister werden, doch Kiel muss nach den kräftezehrenden Wochen in der europäischen Königsklasse und in der Liga noch beim TV Großwallstadt bestehen. „Keine leichte Aufgabe“, meint HBW-Coach Dr. Rolf Brack, welcher heute einen „total konzentrierten“ HSV in den Sparkassen-Arena erwartet (Beginn: 16.30 Uhr). „Ein bisschen hofft Hamburg noch“, weiß der Sportwissenschaftler, „dass Kiel müde wird und gegen Großwallstadt verliert.“
Gegen die Schwaben präsentierte sich der Rekordmeister allerdings in blendender Verfassung. Nach einer ausgeglichen Anfangsphase demontierte die Truppe von Trainer Alfred Gislason am Mittwochabend den Tabellen-15. Neben Daniel Narcisse avancierte einmal mehr Christian Zeitz zum Aktivposten in der Zebra-Herde, steckte viel ein, spielte aber sehr effizient mit guten Ideen. Nach seinem 14:9 versuchte Brack, die fehlende Durchschlagskraft seiner Mannschaft im Spiel sechs gegen sechs aufzulösen und brachte Benjamin Herth als siebten Feldspieler. Aber der THW war gut eingestellt, isolierte den Überzahlspieler und ließ die Balinger kontrolliert in die Wurffalle tappen. Resultat waren drei Treffer ins leere Tor hintereinander, am meisten bejubelt dabei: Der erste Saisontreffer von Torwart Thierry Omeyer. „Uns hat wieder einmal die Qualität im Rückraum gefehlt“, moniert der Balinger Kommandogeber, „hinzu kamen taktische Aussetzer.“
Die hat der Erfolgstrainer von den Fildern bereits im Donnerstagstraining mit der Mannschaft besprochen, „und verschiedene Abläufe wiederholt“. Das Rückzugsverhalten müsse besser werden, fordert der 56-Jährige, welcher gestern noch einmal an den Feinheiten gefeilt hat. „Wir wollen alles herausholen, was noch in unseren Knochen steckt“, verspricht Brack, „und können hoffentlich einen Abschluss feiern, der die Leistung meiner Mannschaft in dieser Saison adäquat widerspiegelt.“ Schließlich gelte es mit einer Maximalleistung auf das schwache Spiel gegen Lübbecke zu reagieren.
Die wird auch nötig sein, um gegen die Weltauswahl aus Hamburg zu bestehen. Dabei heißt es für den HBW als auch die Hamburger „Hop oder Top“: Nach 33 Begegnungen steht bei beiden Klubs noch kein Unentschieden zu Buche. Beim letzten Aufeinandertreffen in Balingen konnte es schlicht und ergreifend kein Remis geben. Zum Achtelfinale im DHB-Pokal haben die Hamburger in dieser Saison bereits eine Reise in die SparkassenArena absolviert und verbuchten im Dezember einen ungefährdeten 38:23-Erfolg. Keine zwei Wochen später stand in der HBL das Hinspiel in Hamburg auf dem Programm, das der HSV mit 31:26 für sich entschied. 16 Kontertore sah Brack – und genau die will er heute Nachmittag verhindern, „um das Spiel solange wie möglich offen zu halten.“ Ob er allerdings auf Felix Lobedank, welcher über Schmerzen in der Wade klagt, und Sascha Ilitsch (Prellung) zurückgreifen kann, ist fraglich. „Beide werden wohl auf die Zähne beißen“, so Brack weiter, „und spielen.“
Hinter den Kulissen basteln beide Klubs bereits am Kader für die kommende Saison. Während sich die Schwaben „sehr schwer tun, einen Spieler zu finden, der uns weiterhilft“, wie es Brack formuliert, stehen die Hanseaten vor der Verpflichtung von Michael Kraus vom Ligakonkurrenten TBV Lemgo. Der Weltmeister von 2007 erhält beim HSV einen Vierjahresvertrag, der ihm zwei Millionen Euro einbringt. Das Rückraum-Ass beteiligt sich allerdings selbst an der Ablöse. Insgesamt wird diese bei rund 400 000 Euro liegen, Kraus zahlt dem Vernehmen nach 100 000 Euro selbst. Lemgos Manager Volker Zerbe und HSV-Präsident Andreas Rudolf stehen in finalen Gesprächen. In den nächsten Tagen wollen die Norddeutschen Vollzug melden.
