Schmerzhafte Abgänge für die Schwaben
Bundesliga: Feliho, Müller, Oelze und Wagesreiter verlassen die Brack-Truppe zum Saisonende
Balingen, 04.06.2010 von Reinhard Linder
Nur wenige Spiele hat Alexander Oelze im HBW-Trikot absolviert. Verletzungen bremsten ihn immer wieder aus. Geholt wurde er im vergangenen Dezember vom Zweitligisten Leichlingen als klar war, dass Mare Hojc für den Rest der Saison als Spielmacher ausfallen und Benjamin Herth auf dieser Position weitgehend auf sich alleine gestellt sein würde. Denn auch Sandro Catak und Felix König bestückten das Balinger Langzeitlazarett. Bei seinen wenigen Auftritten hat Oelze bewiesen, dass er weit mehr als ein Lückenbüßer ist. Gerne hätte der Verein den 26-Jährigen gehalten, aber aus privaten Gründen schließt er sich dem Zweitligisten Bergischer HC an, dessen Trikot er schon früher getragen hat. „Es ist sehr schade, dass uns Oelze verlässt“, bedauert Trainer Dr. Rolf Brack. Oelze habe sehr gut in die HBW-Philosophie vom Handball gepasst und sich schnell ins Team integriert: „Er wäre für die kommende Runde auf jeden Fall eine Verstärkung gewesen.“
Markus Wagesreiter kehrt nach zwei Jahren im Schwabenland in seine Heimat Österreich zurück. Kürzlich hat der Defensivspezialist einen Vertrag beim Serienmeister A 1 Bregenz unterzeichnet. Für Brack ein schwerer Schlag: Wagesreiter sei der „am meisten verkannte Spieler“. In der Abwehr habe er stets im Mittelpunkt gestanden, nur aufgrund seiner Qualitäten sei es möglich gewesen, pro Partie 20 bis 30 Minuten in einer 5:1-Formation zu decken. Und auch im Angriff sei er aufgrund seiner Flexibilität ein wichtiger Bestandteil des Systems gewesen. Einziges Manko des 28-Jährigen sei der gelegentlich fehlende Killerinstinkt gewesen, meint der HBW-Coach.
Als der Franzose Rock Feliho vor drei Jahren in Balingen anheuerte, avancierte er mit seiner lockeren Art sofort zum Publikumsliebling. „Dass er uns jetzt verlässt, ist ein herber Verlust“, beklagt Brack. Feliho sei im Angriff wie in der Abwehr variabel einsetzbar gewesen, ein echter Allrounder eben. Nur weil der Kader mit solchen Spielern wie ihm sehr breit aufgestellt sei, habe dem HBW zum vierten Mal der Klassenerhalt gelingen können. Feliho spielt künftig für den HBC Nantes in der ersten französischen Liga und möchte parallel dazu sein Studium fortsetzen.
Zum HBW-Konkurrenten HSG Wetzlar wechselt Philipp Müller, der im linken Rückraum von Roland Schlinger ersetzt wird. „Er ist unser wurfgewaltigster Spieler und hat in den zwei Jahren bei uns große Fortschritte gemacht“, so Brack. Deshalb sei es schade, dass er gehe. Seine Entscheidung hatte der 25- Jährige bereits im März getroffen und versprochen, dass er alles dafür tun werde, um mit dem HBW nicht abzusteigen. Er hielt Wort. Gegen seine künftigen Teamkameraden lieferte Müller einmal mehr eine starke Leistung ab und trug mit vier Treffern maßgeblich zum 26:23-Erfolg bei, der dem HBW vorzeitig den Klassenerhalt sicherte.
Vermutlich dürften auch die Tage von Sven Grathwohl (zu Lok Pirna?) bei den Schwaben gezählt sein. Bereits als 16-Jähriger stieß er zur JSG Balingen-Weilstetten, reifte zum Jugend-Nationaltorhüter heran und war einer der Garanten für den Regionalliga-Aufstieg des HBW-Perspektivteams. Nach dem Weggang des Torwartgespanns Gerrie Eijlers und Milos Slaby bekam er einen Vertrag für die erste Garde. „Wir hatten die Hoffnung, dass wir mit Nikola Marinovic und Grathwohl gut besetzt sind“, so Dr. Rolf Brack, „aber es hat sich rasch gezeigt, dass wir die Torhüter nicht bedenkenlos wechseln konnten. Für die erste Liga fehlt Sven noch ein bisschen.“ Wichtig sei für seine weitere Entwicklung, dass er bei einem Regional- oder Zweitligisten große Spielpraxis erhalte, „dann kann er einen großen Schritt nach vorne machen.“ Grathwohl, dessen Vertrag in Balingen noch ein Jahr läuft, wird am Samstag bei der Saisonabschlussparty in der Volksbank-Messe nicht offiziell verabschiedet. Dass er demnächst bei einem neuen Verein anheuert, scheint indes gewiss zu sein. „Eigentlich fehlt nur noch die Unterschrift“, sagt der 21-Jährige.
