Ergebnis ist Nebensache
Handball-Bundesliga: HBW heute in Kiel – Brack fordert ordentlichen Auftritt
Balingen, 02.06.2010 von Reinhard Linder
„Was wir im Hinspiel geschafft haben, war das achte Weltwunder und es wird für die nächsten 100 Jahre einmalig bleiben“, gibt sich HBW-Coach Dr. Rolf Brack keinen Illusionen hin. Am 23. Dezember 2009 hatten seine Jungs die weltbeste Vereinsmannschaft mit 39:37 nieder gerannt. Die Zuschauer in der Balinger SparkassenArena flippten aus, ganz Handball-Deutschland stand einen Tag vor Heiligabend Kopf.
An eine Wiederholung dieser Sensation ist nicht zu denken, wenngleich die Voraussetzungen recht ähnlich sind. Kiel steckte damals noch das Spitzenspiel gegen den HSV Hamburg in den Knochen, das drei Tage zuvor mit einem enttäuschenden 29:29-Unentschieden in der Ostseehalle geendet hatte.
Auch jetzt dürften die „Zebras“ mit ihren Kräften am Ende sein nach zwei sehr intensiven Spielen im Final Four der Champions League. Am Samstag starteten sie im Halbfinale gegen Vorjahressieger Ciudad Real nach der Pause eine furiose Aufholjagd und bezwangen die Spanier dank eines überragenden Christian Zeitz mit 29:27. Im Endspiel am Sonntag trafen sie in der Kölner Lanxess-Arena auf den FC Barcelona, der sie in der CL-Gruppenphase in Kiel geschlagen hatte. Lange Zeit sah es nach einem Debakel für das Team von THW-Trainer Alfred Gislason aus. Purer Wille war es letztlich, der doch noch zu einem 36:34- Sieg führte. Überschwänglich feierten die „Zebras“ nach 2007 den zweiten Champions League-Triumph in der Vereinsgeschichte.
Die Siegessause währte mit Blick auf die heutige Begegnung nur eine Nacht. Schließlich wollen sich die Kieler nicht am zweitletzten Spieltag der Handball-Bundesliga um ihre Titelträume bringen. Vor eineinhalb Wochen gewannen sie das Quasi-Endspiel gegen die Hamburger mit 33:31 und setzten sich mit einem Punkt Vorsprung an die Tabellenspitze. Die Hanseaten zogen am vergangenen Freitag mit einem klaren 37:27-Heimsieg über Hannover-Burgdorf nach und hielten den Druck auf den 15-fachen deutschen Meister aufrecht.
Nach dem Sieg in Hamburg und dem Gewinn der Champions League befinde sich der THW im Aufwind, glaubt Brack. Selbst wenn neben dem verletzten Kim Anderson auch noch der angeschlagene Momir Ilic ausfallen sollte, sei die Truppe unheimlich stark: „Die haben genügend Leute und nur noch ein Ziel: Meister zu werden.“ Er gehe davon aus, dass die Kieler in ihrer Sparkassen-Arena mit hohem Tempo spielen werden, das es so gut wie möglich mitzuhalten gelte. „Im Hinspiel hatten wir 15:15 Konter“, bemüht der Sportwissenschaftler die Statistik. Auf eine ähnliche Quote zu kommen sei unrealistisch. Er wäre schon zufrieden, wenn die Differenz nicht mehr als zehn Gegenstoßtore betragen würde.
Überhaupt verlange er von seinen Jungs nur eines: Attraktiven Handball zu spielen, zumal die Partie ab 20.15 Uhr live auf Sport 1 übertragen werde: „Wir wollen uns im Fernsehen gut präsentieren.“ Das letzte Spiel vor laufender Kamera gegen den MT Melsungen im Februar ging mit 31:34 gründlich daneben, ebenso der letzte Auftritt vor heimischem Publikum gegen den TuS Nettelstedt-Lubbecke (29:36). Brack war alles andere als amüsiert über die laxe Einstellung seiner Spieler: „Wir müssen unsere fehlende Qualität über den Kampf kompensieren.“ Das habe er seinen Jungs während der Vorbereitung auf die Partie in Kiel noch einmal gründlich eingeschärft. Er hoffe, dass sie in der Ostseehalle wesentlich engagierter auftreten, obwohl es in Sachen Klassenerhalt um nichts mehr gehe: „Wir wollen einen guten Eindruck hinterlassen und im Rahmen unserer Möglichkeiten unser Bestes geben.“
Die beiden Torhüter und zwölf Feldspieler sind heute gen Norden geflogen und kehren morgen zurück. Mit dabei sind Keeper Nikola Marinovic, obwohl er sich leicht am Sprunggelenk verletzt hat, und auch Jens Bürkle wird trotz einer Wadenzerrung auflaufen können. „Wir fahren mit realistischen Erwartungen nach Kiel“, kalkuliert Brack eine Niederlage ein. Wenn beide Mannschaften ihr Optimum abliefern, dürfte der Unterschied bei 15 bis 20 Toren liegen. „Aber auf das Ergebnis kommt es nicht an“, beteuert der 56-Jährige, „sondern darauf, wie wir uns präsentieren.
