Der Weidenweg weicht
Edeka kauft Verbindungsstraße – Hesselbergzufahrt wird gesperrt
Endingen/Frommern, 02.06.2010 von Zora Bombach
Edeka will den Weidenweg nach dem Erwerb ins Werkgelände integrieren. Schon bald ist dann diese Durchfahrt nach Frommern für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Dass es so kommen würde, wissen die betroffenen Anlieger seit sechs Jahren. Im Februar 2004 erfuhren sie aus dem ZOLLERN-ALB-KURIER, dass die Frommerner Ortschaftsverwaltung grünes Licht für die so genannte Entwidmung des Weidenwegs gegeben hatte. Einen Monat später stimmten auch der Endinger Ortschaftsrat, auf dessen Gemarkung die Straße liegt, sowie der Balinger Gemeinderat dafür.
Das Stadtgremium stellte einen Bebauungsplan auf, der es Edeka ermöglichen sollte, den Weidenweg als Betriebsgelände zu übernehmen. Alle sechs Gemeinderatsfraktionen waren sich damals einig, dass die 650 Arbeitsplätze bei Edeka stärker ins Gewicht fielen als die direkte Anbindung des Frommerner Wohngebiets Hesselberg an Gehrn. Im November 2004 war die Privatisierung des Weidenwegs dann beschlossene Sache.
Seit Februar dieses Jahres ist das Verbindungssträßchen keine „öffentliche Verkehrsfläche“ mehr. Stadteigentum bleibt es – bis zum Abschluss des Kaufvertrags zwischen Edeka und der Stadt Balingen. Und eben dieser steht nun kurz bevor. Jürgen Luppold, Pressesprecher der Stadt Balingen, erklärte gestern auf Nachfrage unserer Zeitung, dass der Weidenweg „nächste oder übernächste Woche“ den Besitzer wechsle. Über den Kaufpreis könne er jedoch keine Auskunft geben, erläuterte Luppold.
Dass die Zufahrt zum Hesselberg irgendwann gekappt werden würde, sei absehbar gewesen, betont Tiefbauamtsleiter Ernst Köhler. „Spätestens der zweite Bauabschnitt des B 463-Ausbaus hätte zur Sperrung des Weidenwegs geführt“, erläutert er. Fakt ist: bisher nutzen immer noch rund 1 500 Fahrzeuge täglich diese Verbindung, darunter auch Lkw, die die Firmen in der Ohnrastraße beliefern. „Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge“, erklärt Armin Narr, Geschäftsführer von Narr Isoliersysteme. Seine Firma ist Anlieger der Ohnrastraße. Dass die direkte Verbindung nach Balingen bald fehle, sei vor allem für die eigenen Mitarbeiter von Nachteil. „Eine Aufschleifung auf die B 463 wäre die elegantere Lösung gewesen“, findet er. Die Sperrung habe aber auch Vorteile: „Bisher war die Ohnrastraße eine Rennstrecke; die Raser waren eine Gefahr für unsere Staplerfahrer“, erklärt Narr. Diese Gefahr ist mit einer Sperrung des Weidenwegs gebannt.
„Der Weg über den Hesselberg zu uns ist mittlerweile besser ausgeschildert“, lobt Rolf Hömann, Geschäftsführer des Werkzeugbauers Paul und ebenfalls Anlieger. „Für die Anwohner ist die ganze Sache jedoch weniger erfreulich“ – darin sind sich Narr und Hömann einig. Beide sind sich sicher: der Lkw-Verkehr durchs Wohngebiet wird nun zunehmen.
