„Basics müssen eben gepflegt werden“
INTERVIEW MIT ANDRÉ POHL
Balingen, 31.05.2010
Seit drei Jahren fungiert André Pohl beim Balinger Handball-Bundesligisten als Athletiktrainer. Der Sportwissenschaftler hat seine sportlichen Wurzeln in der Leichtathletik. Als Hochspringer und Mehrkämpfer der TSG Balingen errang er in der Jugend unter anderem zwei deutsche Meistertitel. Auch gehörte Pohl zum deutschen Juniorennationalteam, mit dem er 1984 an der EM teilnahm. Mit dem 39-jährigen Balinger sprach unser Redaktionsmitglied Marcel Schlegel.
Wie kamen Sie 2007 zum HBW?
ANDRÉ POHL: Der Kontakt kam über meinen Freund Stefan Haigis aus Weilstetten, der einst Bundesliga-Spieler beim TSV Scharnhausen unter Dr. Rolf Brack und selbst Zehnkämpfer war, zustande.
Dann ist man als Leichtathlet der ideale Athletiktrainer?
POHL: Ich habe in der C- und D-Jugend selbst in Balingen Handball gespielt, quasi reingeschnuppert, und habe den Sport nie aus den Augen verloren. An der Universität war Handball mein Schwerpunkt in den Teamsportarten. Letztlich ist es so, dass ich als Zehnkämpfer eben auch die Grundelemente des Handballs beherrschen musste: Laufen, Springen und Werfen. Dennoch: Man muss einen Bezug zur Sportart herstellen können, in der diese Grundfertigkeiten in einer viel größeren Variationsbreite auftreten, als in der Leichtathletik. Trotzdem bringt man als Leichtathlet gute Voraussetzungen mit. Das, was man neuerdings bei Fußball-Teams sieht, zum Beispiel Einheiten mit Bändern oder „Gewichtsschlittenziehen“, das machen die Leichtathleten schon seit Jahren.
Wie sieht ein Athletiktraining aus?
POHL: Wir arbeiten zumeist an den individuellen Grundqualitäten eines Spielers. Für gewöhnlich liegt der Fokus beim Athletiktraining auf dem Einzelspieler. Es geht darum, die Grundbewegungsabläufe, immer wieder zu wiederholen. Das ist oft ein trockenes Brot, aber nur so können schlechte Stereotypen in den Bewegungsabläufen verhindert werden. Die Basics müssen eben gepflegt werden. Neben Koordinations-, Sprung- und Lauftraining machen wir auch Hanteltraining. Auch fließen regenerative Übungen in das Programm mit ein. Meine Aufgabe ist es zudem, rekonvaleszenten Spielern durch ein angepasstes Programm wieder auf die Sprünge zu helfen.
Sprechen Sie Ihr Trainingsprogramm mit Trainer Rolf Brack ab?
POHL: Beim „reinen“ Athletiktraining habe ich weitestgehend freie Hand und genieße ein hohes Maß an Vertrauen. Intensität und Umfang sprechen wir ab. Wenn es darum geht, die Schnittstelle zwischen Athletiktraining und handballerischen Elementen zu finden, unsere beiden Bereiche in Verbindung zu bringen, Athletiktraining auf eine handballspezifische Spielsituation oder Taktik zu transferieren, sprechen wir uns genauer ab. Da habe ich viel von Rolf und allen sportlich Beteiligten gelernt. Vereinfacht gesagt kann und soll Athletiktraining dazu führen, dass man – wie in der Formel 1 – einen schnelleren, besser abgestimmten Boliden fahren kann, und daher schnellere Rundenzeiten erzielt: es ermöglicht einem einfach mehr.
Der Ligaverbleib ist fix, warum?
POHL: Weil bei jedem Spieler, im Verein und im Umfeld ein hohes Bewusstsein dafür besteht, dass man in der Bundesliga nur bestehen kann, wenn man bereit ist, sein maximales Potenzial auszuschöpfen. Dann überrascht einen auch der Abstiegskampf nicht. Die Spieler, die schon lang im Klub sind, haben sich die Marschroute, immer das Maximale geben zu müssen, quasi schon als Grundmodus einverleibt. Zudem bestand innerhalb des Teams ein starkes Kollektiv und Spieler, die letzte Saison noch aus der zweiten Reihe agierten, haben es geschafft, Verantwortung zu übernehmen.
