Zum Jubiläum eine „neue“ Orgel

Schöne Fügung: Die evangelischen Christen in Straßberg sind in Feierlaune

Straßberg, 29.05.2010 von Volker Schweizer

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Was für eine schöne Fügung: Mehr als 20 Jahre haben die evangelischen Christen für eine neue Orgel gespart, seit Mitte der Woche ist sie da. Also noch rechtzeitig zum Jubiläum im nächsten Monat.

Am Sonntag, 13. Juni, wird in großem Rahmen auf die 100-jährige Geschichte des Gotteshauses zurückgeblickt. Dabei erklingt dann auch erstmals die neue Errungenschaft, eine zweimanualige Orgel, die einige Jahre schon treue Dienste in der Stadtkirche von Ravensburg geleistet hat.

Der Anblick ist noch etwas gewöhnungsbedürftig. Denn gegenüber dem Vorgängermodell, das noch aus der Nachkriegszeit stammt, füllt das große Instrument die rechte Seite des Chorraumes richtig aus. Peter Weimer, der bei der Orgelbaufirma Mühleisen in Leonberg beschäftigt ist, hat mit einem Kollegen mit den Arbeiten am Gehäuse begonnen. „Wenn die Pfeifen eingebaut und im Prospekt zu sehen sind, gibt das ein wunderbares Bild“, ist sich Weimer sicher. Bis er jedoch das erste Mal die acht Register bedienen kann, verstreichen noch einige Tage. Denn die Orgel muss in Lautstärke und Tonhöhe dem Raum angepasst werden.

Tatkräftige Unterstützung bekam Peter Weimer am Donnerstag von Pfarrer Hans-Georg Erdmannsdörfer und dem ehemaligen Kirchengemeinderat Peter Jürgen Welz. Sie polierten mit einer speziellen Flüssigkeit die 27 Orgelpfeifen auf Hochglanz. Die alte Straßberger Orgel ist übrigens weiter zu hören, und zwar in der Friedhofskirche in Altdorf im Kreis Böblingen.

Schon lange beschäftigte sich die Kirchengemeinde mit ihrer bisherigen „Industrieorgel“. Sie entsprach nicht mehr den heutigen Anforderungen. Da es aber immer an Geld gemangelt hatte, wurde bereits vor zwei Jahrzehnten ein Spendentopf aufgestellt. Dieser ist nun zu zwei Dritteln gefüllt. Beim Fest im Juni will man ihn voll bekommen.

Es beginnt um 9.30 Uhr mit einem Gottesdienst. Danach gibt es vor der Kirche einen kleinen Stehempfang. Fortgesetzt wird das Programm in der Schlossgartenhalle. Zunächst singt eine Abordnung des Männergesangvereins. Nach dem Mittagessen referiert Dr. Volker Trugenberger, Leiter des Staatsarchivs Sigmaringen, über die Geschichte der Kirche. Es folgen Grußworte von Landrat Günther-Martin Pauli, Bürgermeister Manfred Bopp, Rektorin Edeltraud Schäfer-Maier, Prälat Professor Dr. Christian Rose aus Reutlingen, Pfarrer Klaus Kucht aus Ebingen und Professor Dr. Thiele aus Sigmaringen. Dazwischen gibt es Beiträge der Schüler, um 15.30 Uhr hebt sich Vorhang für ein Theaterstück. Die kleinen Besucher können sich schminken lassen.

 

Die Anfänge liegen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Die Anfänge der evangelischen Kirchengemeinde Straßberg liegen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Die zunehmende Industrialisierung löste eine Völkerwanderung aus. Nachdem die Fürsten von Hohenzollern abgedankt hatten und das Fürstentum Sigmaringen als auch Straßberg an Preußen übergegangen waren, kamen die ersten evangelischen Christen nach Straßberg, um dort in den Fabriken oder beim Eisenbahnbau zu arbeiten.

1884 wurde die erste eigene Predigtstelle der Diasporagemeinschaft in der Gemeinde eingerichtet. Die Zahl der Protestanten war stetig angestiegen, so dass die im Jahr 1861 gegründete Muttergemeinde Sigmaringen die Betreuung der Gemeindemitglieder in den „Hohenzollerischen Landen“ übernahm. Die Gottesdienste im Amtshaus besuchten nicht nur Gläubige aus Straßberg, sondern auch aus Kaiseringen, Storzingen und den Schmeienhöfen. Sie bildeten die so genannte Diasporagemeinschaft Straßberg.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wandte sich der Gemeindevorstand an das Mutterhaus und wies auf die schlechten Räumlichkeiten hin. Darauf wurde mit Unterstützung von Bürgermeister Horn im Gewann „Gretsbrunnen“ der Bauplatz des Müllers Bantle gekauft. Am 15. Juni 1910 legte man den Grundstein für das Schul- und Bethaus. Die

Einweihung erfolgte am ersten Adventssonntag. Von nun an fand zwei Mal im Monat ein Gottesdienst statt. Im Obergeschoss des Gebäudes befand sich die Lehrerunterkunft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Straßberg mehr als 200 evangelische Gemeindemitglieder. 1948 erhielt die Kirchengemeinde vom Oberkirchenrat den Auftrag, die Protestanten als Filiale zu betreuen. Grund war der Anschluss an die Württembergische Landeskirche. Bis 1955 oblag diese Aufgabe den Vikaren aus Ebingen.

Bis Ende Juni 2007 wurden die evangelischen Christen in Straßberg vom Pfarramt der Ebinger Thomaskirchengemeinde betreut. Seit Juli 2007 gehören sie zur evangelischen Kirchengemeinde Winterlingen.

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