Gerhard Frank und der Handel mit der Zeit
Nach 106 Jahren schließt das Balinger Uhren- und Schmuckgeschäft Ende Juni
Balingen, 27.05.2010 von Frank D. Engelhardt
Ein Leben ohne Uhren – für Gerhard Frank undenkbar. Im zarten Alter von neun Jahren reparierte er seinen ersten Zeitmesser, der Einstieg ins elterliche Geschäft erfolgte früh. Allerdings nicht ganz freiwillig, wie Frank meint und dabei schmunzelt. „Jeden Tag um 14.30 Uhr musste ich meine Hausaufgaben fertig haben, um meinen Vater zu helfen“, erinnert er sich.
Karl und Rosa Frank hatten 1932 das Balinger Traditionsgeschäft von Rosas Tante Marie Beißwenger übernommen. Sie hatte mit ihrem Mann Georg den Laden in der Friedrichstraße eröffnet, im Februar 1904. Da ihre Ehe kinderlos blieb, führte dann das Ehepaar Frank die Geschäfte weiter. 1971 heiratete Gerhard Frank seine Frau Helga, um zwei Jahre später das Fachgeschäft von seinen Eltern zu übernehmen. Das Uhrmacherhandwerk hat er im Familienbetrieb erlernt, den Augenoptikermeister dagegen machte er in Freudenstadt.
In den 70er bis 90er Jahren war das Optikergeschäft ein wichtiges Standbein für Gerhard Frank. Unter anderem durch Gesundheitsreformen und die allgemeine Entwicklung im Optikergeschäft habe er sich dann aber wieder auf seine Kernkompetenz konzentriert, erklärt der mittlerweile 69-jährige Balinger.
„Wenn man sich sechs Jahrzehnte mit Uhren beschäftigt, bekommt man natürlich ein ganz besonderes Verhältnis zu den Chronografen“, weiß Frank. Er habe die ganze Entwicklung von den Mechanischen über die elektronischen Uhren bis hin zur Quarztechnik mitgemacht. Am liebsten habe er aber natürlich die mechanischen Zeitgeber. „Wenn ich einer kaputten Uhr wieder zum Leben erwecken kann, ist das schon etwas ganz besonderes“, betont der rührige Uhrenmacher. „Manchmal arbeitet man bis zu drei Tagen an einem Exemplar“. Seit vier Jahren ist Gerhard Frank in Rente und hat sein Ladengeschäft noch nebenher weitergeführt. Jetzt sei es aber an der Zeit sich um andere Dinge zu kümmern – am 30. Juni geht die 106-jährige Geschichte des Familienbetriebs zu Ende.
