Erneut eine große Herausforderung
Dritte Liga: Viele neue Gegner warten in der Saison 2010/11 auf das Balinger Perspektivteam
Balingen, 26.05.2010 von Reinhard Linder
Die weiten Fahrten nach Sachsen gehören mit der Neueinteilung der Liga nach geografischen Gesichtspunkten der Vergangenheit an. Trotzdem dürfte die Reisekasse der Kreisstädter nicht wesentlich entlastet werden. „Alle Gegner aus der Umgebung sind verschwunden“, gibt HBW-Coach Eckard Nothdurft zu bedenken, der seine Jungs am 15. Juni zum ersten Training zusammenruft.
Klar: Die SG H2Ku ist in die zweite Liga aufgestiegen, der TSV Deizisau und der TV Neuhausen/Fil-der haben sich in die Baden-Württemberg-Oberliga verabschiedet. Einigermaßen zügig zu erreichen sind nur die HSG Konstanz, der Ulmer Vorortverein TSG Söflingen, die SG Köndringen-Teningen, Aufsteiger SG Pforzheim-Eutingen und Vizemeister TSB Heilbronn-Horkheim. Für alle anderen Auswärtsspiele müssen die Balinger wenigstens drei Stunden Fahrtzeit einkalkulieren.
Die geballte Macht der neuen dritten Liga Süd sitzt in der Gegend um Mannheim. Hirschberg an der Bergstraße ist gleich doppelt vertreten mit der SG Leutershausen und dem Aufsteiger TV Großsachen, zu einem Lokalderby kommt es in der Umgebung von Neustadt an der Weinstraße zwischen der TSG Haßloch und dem TV Hochdorf, die bislang in der Regionalliga Südwest beheimatet waren. Nur einen Steinwurf von dort entfernt liegt die Spielstätte des VTV Mundenheim. Alle drei Orte gehören politisch zum Land Rheinland-Pfalz, liegen aber nahe der Grenze zu Baden-Württemberg. Das lässt sich hingegen von Vallendar nicht behaupten. Die Spieler aus der 8000-Seelen-Gemeinde nördlich von Koblenz haben es nicht weit bis Hessen und Nordrhein-Westfalen. Dass der Aufsteiger aus der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar der Südstaffel zugeteilt wurde, dürfte seinen Grund darin haben, dass der TV Vallendar praktisch im Handball-Niemandsland liegt. In der Staffel Ost wäre er der westlichste Ausleger gewesen und in der Staffel West der südlichste. Nach rein geographischen Gesichtspunkten hätte der Hessenmeister und Aufsteiger SG Nieder-Roden zu den Südlichtern gehören müssen, zumal der TV Kirchzell im südlichsten Zipfel Hessens auch der Südstaffel zugeteilt wurde.
Die weiteste Anfahrt außer nach Vallendar haben die Balinger zum TuS Fürstenfeldbruck bei München. Der Aufsteiger ist nicht der einzige bayrische Vertreter in der Staffel Süd. Dabei geblieben ist der TSV Friedberg in der Nähe von Augsburg, während sich die Franken vom HSC Bad Neustadt in der Oststaffel wiederfinden.
„Insgesamt bin ich mit der Ligaeinteilung zufrieden“, sagt Nothdurft. Überrascht habe ihn eigentlich nur, dass die Staffel nur 15 statt der erwarteten 16 Mannschaften umfasse. Und von diesen kenne er ungefähr die Hälfte überhaupt nicht. Deshalb hoffe er auf einen geschickten Spielplan, dass also die Mannschaften befreundeter Trainer erst gegen die Neulinge antreten müssen und ihm Videomaterial zur Verfügung stellen können.
Wie schon in der vergangenen Saison gibt es wieder sechs Absteiger, weil im kommenden Jahr durch die Einführung der eingleisigen zweiten Bundesliga Platz geschaffen werden muss. Ziel des Perspektivkaders ist der Klassen-erhalt, dass es aber nicht einfach werden dürfte mindestens Platz neun zu erreichen, ist dem HBW-Coach klar: „Das ist eine große Herausforderung für uns.
Vallendar rüstet klug nach
Der TV Vallendar hat es geschafft: Die Truppe von Trainer Wolfgang Reckenthäler holte überraschend in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar den Titel. „Ich habe zwar am Anfang der Saison immer nur von einem einstelligen Platz gesprochen, aber ich war optimistisch, unter die ersten drei Teams zu kommen. Als wir zur Saisonhalbzeit Platz zwei hatten und die Mannschaft sich gefestigt hatte, war mir klar, dass wir sehr gute Aufstiegschancen haben“, bilanzierte Reckentäler. Als Primus SG Saulheim patzte, schlug Vallendar zu. „Die Mannschaft ist in der Rückrunde immer stabiler und flexibler geworden“, blickt der Meistermacher zurück, „aber ohne die Neuzugänge Schröder und Böhme wäre der erste Platz nicht möglich gewesen.
