Mit Kaninchen gegen die Demenz
Ramona Blind aus Zillhausen hilft mit tiergestützter Therapie kranken und behinderten Menschen
Balingen-Zillhausen, 26.05.2010 von Zora Bombach
Kaninchen streicheln gegen die Demenz? Heilerzieherin Ramona Blind zeigt auf dem Nepomuk-Hof in Zillhausen wie das funktioniert.Für Ramona Blind (29) war schon als Kind klar, dass sie mal einen eigenen Bauernhof haben wird. Jetzt hat sie sich ihr Traum erfüllt: an Zillhausens Ortsende in Richtung Streichen hat sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Raphael Munaretto (30) und der gemeinsamen Tochter Anjuna einen kleinen Hof mit Wohnhaus gemietet.
Auf die Erfüllung dieses Traumes hat die 29-Jährige schon seit Jahren hingearbeitet. 2002 zog sie für fünf Jahre von Dürrwangen an den Bodensee, um dort die Ausbildung zur Heilerzieherin zu machen. Nach einem Praktikum am „Institut für soziales Lernen mit Tieren“ in Hannover legte sie den Schwerpunkt der Ausbildung auf die so genannte tiergestützte Therapie. „Da habe ich gesehen, dass die Tiere, die mir gut tun, anderen Menschen helfen können“, erzählt sie. „Damals hatte ich bereits zwei Schafe und zwei Schweine“, erinnert sich die 29-Jährige.
Mittlerweile kümmern sie und Raphael Munaretto sich außerdem um drei Kaninchen, fünf Meerschweinchen, drei Hunde und zwei Esel. Kaum eines der Tiere ist vom Züchter, viele stammen aus Tierheimen. „Was noch fehlt, sind ein paar Hühner“, sagt Ramona Blind. Warum ausgerechnet Hühner? „Vor allem die ältere Generation verbindet mit Hühnern, aber auch anderen Nutztieren, ganz bestimmte Erinnerungen“, erläutert die Tierliebhaberin. „Der Kontakt mit den Tieren reizt bei den Menschen tief liegende Gefühlsebenen im Gehirn, die von der Demenz nicht betroffen sind“, erklärt sie. „Plötzlich wachen die Menschen auf, erzählen aus ihrer Kindheit oder lachen seit Jahren das erste Mal“.
Mit ihren Tieren geht die Heilerzieherin in Pflegeheime, Krankenhäuser, Kindergärten oder Einrichtungen für behinderte Menschen. „Bei manchen übertherapierten Menschen wirken die Tiere Wunder“, weiß Ramona Blind. Oft hat die 29-Jährige erlebt, wie die Tiere eine neue Vertrauensebene zwischen Patient und Pfleger entwickeln und eine Brücke zwischen den Menschen bauen. „Jeder redet von Therapien mit Delfinen oder Pferden. Dass auch Nutz- und Haustiere für die Therapie eingesetzt werden könne, wissen die wenigsten Menschen“, sagt die Heilerzieherin.
Ziel ist es, den Hof auf Vereinsebene zu betreiben. „Momentan sind wir noch dabei, das Projekt aufzubauen“, erklärt die Tierliebhaberin. Ihr Hof „Nepomuk“, benannt nach dem Schutzpatron der Brücken, hat es sogar ins Fernsehen geschafft. Ein Team des SWR hat sie und ihr Schwein „Dr. Fridolin“ bei einem Besuch in einem Balinger Pflegeheim begleitet. Ausgestrahlt wird die Sendung am 1. Juni in der Landesschau.
