Niederlage bleibt ohne Folgen

Handball-Bundesliga: Balingen-Weilstetten unterliegt N-Lübbecke – Klassenerhalt perfekt

Balingen, 25.05.2010 von Marcus Arndt

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Das Zittern ist vorbei. Trotz der bitteren 29:36-Heimniederlage gegen TuS Nettelstedt-Lübbecke bleibt der Balinger Handball-Bundesligist erstklassig, nachdem Dormagen gestern einen Punkt liegen ließ.

„Wir waren heute absolut chancenlos“, betonte HBW-Coach Dr. Rolf Brack nach der höchsten Heimspielniederlage in dieser Saison. Gegen den früheren Europapokalsieger lief beim Tabellen-15. nicht viel zusammen. „14 technische Fehler“, hat der Sportwissenschaftler notiert – und auch die Abwehr konnte diesmal nicht helfen: „Wir haben keine Mittel gegen einen starken Gegner gefunden.“

Dabei erwischten die Schwaben im Duell mit dem Aufsteiger aus dem Wiehengebirge einen Auftakt nach Maß – und führten nach 80 Sekunden mit 2:1. Auch in der Folgezeit brannten beide Mannschaften ein Offensivfeuerwerk ab: mit Vorteilen für die Ostwestfalen. Konsequent nutzte der TuS seine Möglichkeiten, während der HBW im stehenden Angriff gegen die kompakte 6:0-Abwehr bereits in den Anfangsminuten große Probleme hatte, schwach abschloss und unpräzise passte. Philipp Müller aus zehn Metern und Benjamin Herth per Siebenmeter hielten die Balinger in Schlagdistanz (5:6/8.). Zunächst! Nach dem gefühlten zehnten Ballverlust der Brack-Truppe baute der frühere Europapokalsieger den Vorsprung auf vier Tore aus. Vom Kreis netzte der überragende Frank Loke zum 12:8 ein (17.). Der Balinger Kommandogeber reagierte, wechselte Torhüter und die Abwehrformation. Ohne Erfolg: In doppelter Überzahl konservierte die Truppe des Schweden Patrik Liljestrand die komfortable Führung (11:14/22.). Vehement forderte der Sportwissenschaftler von den Fildern mehr Tempo – und in der Tat: Gegen die schnelle Mitte hatte N-Lübbecke doch einige Probleme in der Rückwärtsbewegung. „Das haben wir nicht gut gelöst“, meinte der TuS-Trainer, nachdem die Schwaben zur Pause wieder auf zwei Tore herankamen. Vladimir Temelkov schnürte binnen 24 Sekunden einen Doppelpack zum 15:17 – und hielt den HBW zumindest im Spiel.

Nach dem Seitenwechsel verkürzte Balingen-Weilstetten weiter. In Überzahl – Jurecki hatte sich wegen Meckerns eine Zeitstrafe eingehandelt – erzielte Daniel Sauer den Anschlusstreffer. Hendrik Hansen hatte den Balinger Abwehrchef hart bedrängt und wanderte ebenfalls für zwei Minuten von der Platte. Die Riesenchance für die Schwaben zum Ausgleich, mehr als der Anschlusstreffer durch Frank Ettwein war jedoch nicht drin. Markant: das schwache Überzahlspiel der Gastgeber, welche sukzessive zurückfielen: über das 18:19 (33.) auf 20:24 (40.). Binnen vier Minuten sorgte der TuS für die Vorentscheidung – und lag 16 Minuten vor dem Ende mit sechs Treffern vorne (21:27).

Auch in der Folgezeit zeigte der HBW keine Gegenwehr in der Defensive. „Ein Abwehrdebakel“, räumte Brack unumwunden ein und fügte hinzu: „Wir haben keine Mittel gefunden.“ Weder gegen den Ex-Hamburger Arne Niemeyer, noch gegen Jurecki – und schon gar nicht gegen Loke. Der Norweger war aus der Nahdistanz nicht zu stoppen, bewegte sich hervorragend und traf gegen die Balinger achtmal bei zehn Versuchen! Auf der Gegenseite fiel Herth & Co. nicht viel ein. „Trotz 29 Toren“, so Brack weiter, „haben wir immer die falsche Entscheidung getroffen.“ Die totale Konfusion hielt weiter an: bis fünf Minuten vor dem Ende. Da führten die Ostwestfalen bereits mit 35:25 – und längst hatten nicht nur die ersten Fußball-Fans die SparkassenArena verlassen. Sie verpassten die beste Phase der Balinger. Mit einem 4:0-Lauf betrieb der HBW Ergebniskosmetik – mehr allerdings nichts.

„36 Gegentore können wir nicht kompensieren“, analysierte Brack, „wir brauchen die Sicherheit aus der Abwehr.“ Doch egal, was der 56-Jährige auch spielen ließ – Liljestrand hatte die bessere Antwort in petto. „Es macht immer wieder Spaß gegen Rolf Brack zu spielen“, sagte der Schwede süffisant, „doch diese Niederlage tut auch sicherlich nicht mehr weh – wir sehen uns in der neuen Saison wieder. . .“ Er sollte Recht behalten!


HBW Balingen-Weilstetten – TuS N-Lübbecke: Teams & Tore

HBW Balingen-Weilstetten: Marinovic (1. – 17., 12 Gegentore/3 Paraden), Zoubkoff (ab 17., 23/14); Herth (7/4), P. Müller (6), Temelkov (3), Lobedank (2), Sauer (2), Feliho (2), Ettwein (2), Wilke (2), Ilitsch (2), Bürkle (1), W. Strobel, Wagesreiter, Mitkov (n. e.).

TuS Nettelstedt-Lübbecke: Blazicko (ab 30., 14 Gegentore/6 Paraden), Putera (1. – 30., 15/5); Loke (8), M. Jurecki (7), Niemeyer (6), Felixon (5), Tluczynski (3/3), Remer (2), Olafsson (2), Bartsch (2/2), Hansen (1), O. Tesch, Wiese, Rui, A. Tesch (n. e.).

Schiedsrichter: Fleisch/ Rieber (Ostfildern/Nürtin-gen).

Zuschauer: 2250.

Spielfilm: 2:2 (1.), 3:5, 5:7, 7:8 (14.), 9:12, 11:14, 12:16 (26.), 15:17 – 18:19 (33.), 19:23, 20:25, 21:28 (44.), 22:30, 25:32, 25:35 (55.), 29:35.

Zeitstrafen: 10:8 Minuten (Sauer/2, P. Müller/2, W. Strobel – Remer/2, M. Jurecki, Hansen).

Siebenmeter: 4/4:7/5 (Tluczynski scheitert an Marinovic und Zoubkoff/11. und 37.)

Nächstes Spiel: THW Kiel – HBW Balingen-Weilstetten (2. Juni, 20.30 Uhr, Sparkassen-Arena Kiel).

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