Kein Hochwasserschutz

Gemeinderat will das Thema nicht weiter forcieren

Obernheim, 20.05.2010 von Volker Schweizer

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Bald jährt sich das Unwetter, das in Teilen von Obernheim große Schäden angerichtet hat.. Gegen eine weitere Katastrophe wappnet sich die Gemeinde vorerst nicht.

Obwohl Bürgermeister Georg Maier mit Engelszungen auf die Gemeinderäte eingeredet hatte, wenigstens erste Weichen für ein Regenwasserentlastungssystem zu stellen, wurden am Dienstagabend die Planungen jäh gestoppt. Dr. Johannes Huber hatte den Antrag gestellt, die Maßnahme nicht weiter zu forcieren. Sechs Kollegen waren ebenfalls dieser Meinung, fünf stimmten dagegen.

Der 3. Juli 2009 bleibt wohl vielen Obernheimern mit Schrecken in Erinnerung. In wahren Sturzbächen schoss das Wasser aufs Dorf und überflutete Keller und Häuser. An einem Gebäude wurde sogar eine Wand eingedrückt. Daraufhin beschäftigte sich der Gemeinderat mehrfach und ausgiebig mit Maßnahmen, um die Gefahr einzudämmen. Die Hochwasserschutzkonzeption sah vor, das Wasser mittels Entwässerungsgräben um die Gebäude herumzuleiten. Im Haushalt 2010 waren dafür als erste Rate 40 000 Euro vorgesehen.

Nach einer weiteren Vor-Ort-Besichtigung des Gemeinderates unterbreitete in der jüngsten Sitzung Diplom-Ingenieur Jürgen Sommer vom Planungsbüro Breinlinger aus Tuttlingen für das Baugebiet Gruben-Ramsäcker den Vorschlag, entlang des Waldbiotops einen Graben auf einer Länge von rund 700 Metern zu ziehen. Damit würde die geplante Trasse weiter nach oben rücken. Die Kosten dafür schätzte er auf rund 50 000 Euro.

In der Diskussion wurde die Funktionssicherheit des Grabens und die Stabilität des entstehenden Walls mehrfach in Frage gestellt. Eine ständige Kontrolle sei unabdingbar, betonte Dr. Johannes Huber. Andreas Oswald, der lieber Eigeninitiativen der betroffenen Grundstückseigentümer finanziell unterstützt hätte, sah ein großes Gefahrpotenzial durch umstürzende Bäume, Karl Helble hinterfragte, wer dafür haftet, wenn der Graben ausbrechen sollte. Die Befürchtung, dass durch Erodierung das aufgeschüttete Material nicht stabil sein könnte, teilte Bürgermeister Georg Maier nicht: „Wenn die Grasnarbe fest ist, funktioniert es auch.“

„Mit 50 000 Euro kommen wir aber nicht hin“, war sich Reinhold Moser sicher. Darauf machte Jürgen Moser den Vorschlag, Bodenproben zu nehmen, die Maßnahme in zwei Bauabschnitte aufzuteilen und die genauen Kosten zu ermitteln. Der Bürgermeister stellte sich hinter diese Empfehlung: „Wir dürfen uns nicht den Vorwurf machen lassen, außer viel Schwätzen nichts getan zu haben.“

Dr. Johannes Huber warnte allerdings eindringlich vor Schnellschüssen. Manche Sachen bräuchten eben Zeit. Jeder kleine Fehler könne zu einer großen Katastrophe führen. Rückendeckung bekam er von Wolfgang Moser: „Wir dürfen nichts übers Knie brechen“.

Endgültig vom Tisch ist die Sache aber noch nicht. Jürgen Sommer wurde beauftragt, sich in Bärenthal und Irndorf kundig zu machen. Beide Gemeinden in unmittelbarer Nachbarschaft wurden bereits von Hochwasser heimgesucht und haben darauf reagiert.

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