Es kommen immer mehr Jugendliche, die Hilfe suchen

Team der Info- und Beratungsstelle „Feuervogel“ machen dünne Personaldecke und beengte Unterbringung zu schaffen

Zollernalbkreis, 19.05.2010 von Rosalinde Conzelmann

Es sind nackte Zahlen, hinter denen oftmals traurige Schicksale stehen: Auch 2009 war „Feuervogel“, Informations- und Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt im Zollernalbkreis, Anlaufstelle für viele Rat- und Hilfesuchenden. „Keiner wurde abgewiesen“, sagt Leiterin Ulrike Schneck.

Die Diplom-Psychologin, die seit fast zehn Jahren beim Verein „Feuervogel“ zu 55 Prozent beschäftigt ist, stellte gestern gemeinsam mit der neuen Vereinsvorsitzenden Anja Lotzmann den Jahresbericht 2009 in einem Pressegespräch vor.

Schneck ist die einzige hauptamtliche Kraft der Informations- und Beratungsstelle, die kreisweit arbeitet und der die Stadt Balingen in ihrem Generationenhaus in der Filserstraße mietfrei zwei Räume zur Verfügung stellt. Schneck steht mit der Heilpädagogin Theresa Ehrenfried eine weitere Honorarkraft zur Verfügung. Beide Frauen werden von einem ehrenamtlichen Team von Frauen, vorneweg Anja Lotzmann, unterstützt. Sie wurde 2009 als Nachfolgerin von Petra Bender an die Vereinsspitze gewählt.

Seit 2002 hat sich die Anzahl der geführten Beratungsgespräche verdoppelt und trotzdem hat es Schneck geschafft, „dass keiner abgewiesen wurde.“ Alle Anfragen werden beantwortet und alle Ratsuchenden zeitnah angehört, betont Schneck.

2009 war für „Feuervogel“ aus mehreren Gründen kein normales Jahr: Das Präventionsprojekt „Starke Stationen“ ist an den Schulen des Kreisen mit großem Erfolg gestartet – wir berichteten – und vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen um sexuellen Missbrauch an Schulen und kirchlichen Einrichtungen ist ein Anstieg der Neuanfragen zu verzeichnen. „Das ist gut so“, meint Schneck. Weil das Thema in den Medien derzeit ständig präsent sei, entstehe bei den Betroffenen ein großer Leidensdruck – „und sie suchen Hilfe.“ Sehr oft sei die Scham sehr groß, „dass man an die falsche Person gerät.“ Eine Angst, die die Diplom-Psychologin den Ratsuchenden nehmen kann: „Hier bliebt alles in diesen vier Wänden.“

Auffallend ist auch, dass mehr Jugendliche, vor allem Mädchen, den Weg in die Beratungsstelle finden. Das bedeutet für Schneck mehr Arbeit: „Wir müssen flexibler reagieren und mehr Krisenberatungen durchführen.“ Deshalb ist es ein großer Wunsch des Vereines, dass eine zweite Halbtagesstelle geschaffen wird. Ebenso würde ein weiterer Beratungsraum die Arbeit erleichtern.

Bislang scheiterte die Verwirklichung beider Wünsche an der Finanzierbarkeit. „Feuervogel“ „lebt“ zum Großteil von Spenden, Bußgeldern und Mitgliedsbeiträgen. Den Löwenanteil macht der jährliche Zuschuss des Landkreises Zollernalb aus.

Schneck würde sich wünschen, „dass der vielfach geforderten Präventionsarbeit auch Taten folgen.“ Denn es gebe genügend gute Ideen und Konzepte – die „starken Stationen“ zählen eindeutig dazu.

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