Renaissance der Hirtenhörner
Fast vergessene Holzblasinstrumente im „Haus der Volkskunst“ zum Leben erweckt
Balingen, 15.05.2010 von Klaus Irion
Wer kennt sie nicht, die Schweizer Alphörner. Aushängeschild der Eidgenossen in Sachen Tourismus. Dabei war das Alphorn vor Urzeiten nicht mehr, aber auch nicht weniger als eine Unterart der so genannten Hirtenhörner. „Diese gab es früher auf der ganzen Welt“, sagt Eckhard Böhringer, Musikwissenschaftler, Musiker und – nicht zuletzt – Hirtenhornbauer. Der gebürtige Schwabe, der heute im bayrischen Straubing lebt, hat in Manfred Stingel, dem Vorsitzenden des Schwäbischen Albvereins Frommern und Leiter des Dürrwanger „Hauses der Volkskunst“, einen Bruder im Geiste gefunden. Beide sind gleichermaßen begeistert von der Vielfalt an Hirtenhörnern aus aller Herren Länder – egal ob in kurzer Ausführung aus Tierhörnern oder in hölzerner Langversion.
„Man sieht, es braucht gar kein eidgenössischen Folklorismus in unserer Gegend, wird hatten und haben nun wieder die eigenen regionalen Hirtenhörner“, erklärt Stingel. Denn nachdem das Hirtenhorn Ende der 1960er-Jahre in Deutschland als Arbeitsgerät auf den Wiesen und Weiden verschwunden ist, erlebt es derzeit als Musikinstrument eine Renaissance. Und dies nicht zuletzt dank Böhringer, der in der jüngeren Vergangenheit bereits mehrere Kurse in Sachen Bau eines Hirtenhorns in Dürrwangen veranstaltet hat. Gebaut wurden Langversionen aus Fichten- beziehungsweise Wachholderholz.
Interessierten bietet sich derzeit im „Haus der Volkskunst“ eine gute Vergleichsmöglichkeit. Sind doch Hirtenhörner aus verschiedenen Regionen Bayerns und Frankens ausgestellt. Unter ihnen auch welche aus Glas, denen lediglich ein einziger Ton entlockt werden kann. Ein Ton, den man auch in Balingen während der Fußball-Weltmeisterschaft häufiger hören wird – in Form der südafrikanischen „Vuzuela“. Manfred Stingel hat sich eigens um des Tonvergleichs wegen, eine rote Kunststoff-Vuzuela zugelegt.
Zu Beginn der WM allerdings werden die historischen und wertvollen „Vuzuela-Verwandten“ von Dürrwangen nach Bad Urach gebracht. Dort findet das Landesfest des Schwäbischen Albvereins und in dessen Rahmenprogramm vom 28. Mai bis zum 18. Juni die Ausstellung „Hirtenhörner in Schwaben“ statt. Zurück in Dürrwangen werden dann einige der Leihgaben dauerhaft im „Haus der Volkskunst“ zu sehen sein. Und das sind neben den eigentlichen Instrumenten auch Bilder und Fotografien – exemplarisch für die Bedeutung des Hirtenhorns in der christlichen Mythologie und der Bildenden Kunst. Finanziell gestemmt wird das Projekt aus Mitteln des Schwäbischen Albvereins. „Unser Dank gilt aber auch Landrat Günther-Martin Pauli und den Oberschwäbischen Elektrizitätswerken, die uns einen Zuschuss gewährten“, so Stingel.
