„Vom Hausmeister bis zum Manager“
Dieter Mock, Rektor der Grundschule Binsdorf-Erlaheim, hat am 28. Juli seinen letzten Schultag
Geislingen-Binsdorf, 15.05.2010 von Rosalinde Conzelmann
Mocks Büro ist mit hellen Holzregalen eingerichtet, an den Wänden hängen viele Bilder. Es wirkt gemütlich und solide. „Alles selbst gebaut, quasi Handarbeit“, sagt Mock. Denn der 63-Jährige hat Spaß am praktischen Arbeiten und hat diese Leidenschaft auch an seine Schüler weitergegeben. Projektarbeiten nehmen einen großen Stellenwert im Schulalltag ein.
Dieter Mock arbeitet seit fast 40 Jahren als Pädagoge auf dem Kleinen Heuberg. Nach seiner Ausbildung als Grund- und Hauptschullehrer, die er 1969 abgeschlossen hat, unterrichtete er von 1971 bis 1986 an der Grundschule in Leidringen. 1987 war ein wichtiges Jahr im Leben der Mocks: Gemeinsam mit seiner Ehefrau Dagmar und den drei Kinder, die heute erwachsen sind, siedelte Dieter Mock nach El Salvador um, um dort an einer deutschen Schule zu unterrichten. Die Arbeit dort machte dem Pädagogen großen Freude: „Die Schule, an der neben deutschen Kindern auch viele einheimische Kinder unterrichtet wurden, war top ausgestattet“, erzählt er. Die Mocks kehrten nach sechs Jahren wieder in ihren Wohnort Rotenzimmern zurück, die Erinnerungen an die Jahre in El Salvador haben sie aber auf ihrem weiteren Lebensweg begleitet. „Diese Zeit war richtungsweisend für die ganze Familie“, sagt Mock.
Der Familienvater, der bereits fünffacher Opa ist, fasste nach dem Auslandsaufenthalt nicht gleich wieder fest Fuß im Schulleben. Er hatte mehrere kurzzeitige Stellen, bis er 1996 an die Binsdorfer Schule wechselte. Die kleine Schule hat zwei Standorte: Binsdorf und Erlaheim. Dort werden jeweils zwei Klassen von einem derzeit siebenköpfigen Lehrerteam betreut. Derzeit werden 64 Buben und Mädchen aus den beiden Gemeinden unterrichtet. „Vor vier Jahren waren es noch 126 Schüler“, sagt Mock. Auch seine Schule bekommt die sinkenden Geburtenzahlen zu spüren.
In Binsdorfer Schulhaus kennt man sich, auch das Lehrerteam ist eingespielt und „steht sehr gut zusammen“, sagt Mock und spricht seinen Kollegen ein Lob aus. Auch mit der Stadt lasse sich gut auskommen, betont der 63-Jährige. Wenn es um Fragen der Ausstattung gehe, „gab es nie Probleme.“
Trotzdem hat sich auch in der Landschule der Geist verändert. „Der Egoismus nimmt zu, wir müssen heute einen Teil der Unterrichtszeit in Erziehung investieren und haben zwischenzeitlich auch Kinder mit Verhaltensstörungen“, bedauert Mock diese Entwicklung, die im übrigen landauf, landab zu beobachten sei: „Es liegt am Zeitgeist und es gibt immer mehr Familien, die nicht so kindorientiert sind.“
Noch aber ist in seiner Schule die Welt ein bisschen heiler als in den anonymen Schulen der großen Städte. Denn es bleibt noch Zeit für Gespräche, Begegnungen und außerschulische Aktivitäten. Auch die Eltern sind interessiert an der Arbeit der Pädagogen und helfen mit, wenn sie gebraucht werden. Mock und seine Kollegen legen großen Wert auf eine gute musikalische Ausbildung ihrer Zöglinge. Das ist eine Arbeit, die Mock selbst persönlich viel Freude macht. Die Musicalaufführungen zählt er zu seinen schönsten Erlebnissen in seiner Schulzeit. Und auch seine „Steinzeitprojekte“ haben ihm und den Schülern immer riesig Spaß gemacht. Die Schüler und Lehrer der Schule haben nicht nur einen wunderschönen Blick auf die Andachtsstätte Loreto. Sie sind auch regelmäßig dort. Denn Mock ist ein Naturliebhaber und baut diese besondere Erlebnisse immer wieder in den Schulalltag ein.
Natürlich muss sich ein Rektor auch um Administratives und Organisatorisches kümmern. Eine Arbeit, die laut Mock ständig zunimmt, „weil ständig neue Konzepte kommen“. Hier stellt er der Landesregierung kein gutes Zeugnis aus: „Wir nennen uns Kinderland Baden-Württemberg, sind aber weit davon entfernt.“ Er fordert mehr Ehrlichkeit in der Politik: „Wir sollten dazu stehen, wenn wir es uns nicht leisten können und uns von dem Ideal verabschieden.“
Wenn Dieter Mock am 28. Juli das Schulhaus verlässt, beginnt ein neuer Lebensabschnitt, auf den er sich freut: „Ich will viel reisen.“ Sein erstes Ziel ist die Panamericana, die Route, die Alaska mit Feuerland verbindet. Er geht ruhigen Gewissens, denn die Nachfolgerfrage ist geklärt.
