Geschichte lebendig halten
Überlebende KZ-Häftlinge und Angehörige aus Polen und Norwegen zu Gast im Kreis
Balingen-Dürrwangen, 11.05.2010 von Zora Bombach
Der gestrige Empfang im Haus der Volkskunst war nur eine Station in dieser Woche. Einige der Gäste sind außerdem in Schulen in angrenzenden Landkreisen, insbesondere in Rottweil, zu Gast und berichten dort von ihren Erfahrungen während der Haft in Konzentrationslagern.
Gerhard Lempp, Vorsitzender der Initiative Eckerwald, pflegt diese Art von Geschichtsunterricht seit Jahren und weiß um die Bedeutung der Besuche: „Einige der Überlebenden, aber auch Angehörige von Opfern erzählen mir immer wieder, dass sie es noch vor 20 Jahren für unmöglich gehalten hätten, an den Ort der Verbrechen zurückzukehren“, sagt Lempp. Zuviel Hass habe es damals gegeben.
Aus diesem Hass wuchsen dank der Initiative Eckerwald viele tiefe Freundschaften, berichtet Lempp. Jacek Zieliniewicz beispielsweise ist zum wiederholten Male in Deutschland. Er konnte gestern seinen 84. Geburtstag feiern und war sichtlich gerührt, als ihm die polnischen und deutschen Freunde gleich zwei Geburtstagsständchen sangen. Zieliniewicz kam mit 17 Jahren ins KZ bei Dautmergen und überlebte die Haft. Manche der Gäste hingegen haben ihre Eltern und Geschwister in den Lagern verloren. Ihnen sei sehr viel daran gelegen, der jungen Generation diesen Teil der Geschichte begreifbar zu machen, betont Dolmetscherin Barbara Pfanner aus Oberndorf. Sie begleitet die Gruppe und übersetzt, wo es nötig ist – viele der Überlebenden sprechen Deutsch.
Für Landrat Günther-Martin Pauli, MdL, war es gestern das zweite Mal seit seinem Amtsantritt als Landrat, dass er eine Delegation aus Polen begrüßen konnte. „In Zeiten moderner Kommunikation bleibt doch die persönliche Begegnung die wichtigste“, stellte er fest und bedankte sich bei der Initiative wie auch bei den Gästen für deren wertvolles Engagement für eine „lebendige Geschichte“.
