Nostalgie mit umwerfender Komik
„Bidla Buh“ zeigte sich kess im Werkforum von Holcim – Spende für Kirchliche Sozialstation
Dotternhausen, 28.04.2010
„Bidla Buh“ (was das auch immer auf Hochdeutsch heißen mag) ist wie ein Synonym für tierisch gute Musik-Comedy, nostalgisch angehauchtes Kabarett mit umwerfendem Ulk und treffendem Sprachwitz, eingebettet in einen Wettstreit um den besten Liebhaber der Welt.
Die drei swingenden, singenden, musizierenden, pfeifenden und scherzenden Boys waren nur in ihrem Outfit einander ähnlich: Frack, Fliege, Rose im Knopfloch. Als Entertainer und Allround-Könner präsentierte sich Hans Torge Bollert und als Charmeur und „echter Kläffer“ warf Olaf Klindworth seine exzellenten Gitarren-Künste in den Ring. Jan-Frederick Behrend, der sich fürs Grobmotorische hergibt, scheint zwar stoisch und stupid auf sein Schlagwerk zu starren, verblüfft aber mit einem wirbelnd rasendem Glockenspiel begleitet von rhythmischem Hufgeklapper. Fast wie ein Urschrei tönte Frontmann Hans Torge Bollert dann in das überquellende Werkforum: „Are you ready for Rock´n Roll?“
Damit stand das Trio von Anfang an mitten im Publikum – und das machte mit und ließ sich freudig zum Klatschen, Schunkeln, Singen, Stampfen und Rezitieren animieren. Mit feinem Gespür nutzte die virtuose Boygroup die angefachte Begeisterung im Saal geschickt aus, um durch eine präzise Choreografie das hohe Unterhaltungsniveau zu halten. In diesem Rahmen bekamen Oldies und Klassiker wie „Kein Schwein ruft mich an“ oder „Aber bitte mit Sahne“ einen besonderen „Bidla Buh-Glanz“.
Ein Kracher war das hinter einem Bettlacken improvisierte, therapeutische Puppentheater über Heinz Erhardts „Ballade von der Made“, bei dem Herrensocken die umwerfend komischen Rollen spielten. Immer wieder hallte das Werkforum von Beifallstürmen des Publikums wider, wobei offensichtlich die holde Weiblichkeit den Dreien sprichwörtlich zu Füßen lag.
Und sie säuselten, scherzten, pfiffen, sangen, musizierten mit allem, was so auf der Bühne herumstand, und vor allem machten die nicht mehr ganz taufrischen, aber knusprigen Boys allem Schönen noch schönere Augen - ganz so, wie sich „frau“ eben die besten Liebhaber der Welt vorstellen mag. Und so nebenbei setzten sich die Drei noch als Vertreter der sächsischen Straßenkehrer-Innung mit Stepptanz in Szene, boten eine Geräusch-Sinfonie in vier Sätzen einschließlich „hauseigener“ Solisten und verlustierten sich musikalisch am „Kleinen grünen Kaktus“ und am Hans-Albers- Schlager „Auf der Reeperbahn“, die auch in Dotternhausen einen riesigen Fan-Club zu haben scheint. Die Pfeifkünste von Hans Torge Bollert sind ebenso unübertrefflich wie sein Können auf der Trompete. Er bezeichnete sich selbst als Alpha-Tier, Schwiegermamas Liebling und unwiderstehliche „Rampensau“. Olaf Klindworth ist das leibhafte Bild eines machoverdächtigen Schwerenöters, der seiner griechischen „Kamasutri-Gitarre“ schmelzende Klänge entlockt und dabei eingesteht: „Ich bin ein Schwein, ich sag nie nein!“. „Bidla Buh“ ließ es im Werkforum zwei Stunden lang krachen, dass kein „Auge trocken blieb.“
Kräftig und deftig ging es beim Abendessen von Bidla Buh zu. Schließlich hatten sie kurz zuvor ihren Starkoch Johann Lafer entlassen, weil dieser angeblich zu viel sprach. Siegfried Seeburger
