Junge Forscher entdecken die Welt
Kindergarten im Wieslesweg erhält Auszeichnung – Natürlicher Wissensdrang von Kindern wird gefördert
Albstadt-Tailfingen, 14.04.2010 von Dagmar Stuhrmann
Als erste Albstädter Kindertageseinrichtung wird der Kindergarten Wieslesweg, den derzeit 98 Kinder besuchen, im Juni mit dem Zertifikat „Haus der kleinen Forscher“ ausgezeichnet. Die Erzieherinnen Jasmin Braun und Nicole Koch haben von der IHK organisierte Workshops besucht, bei denen sie das machen durften, was Kinder von ganz allein tun, wenn man ihnen den Raum dazu lässt: Sie durften experimentieren. Das Ergebnis ist im Kindergartenalltag greifbar: Im so genannten „Tüftler-Zimmer“ im Kindergarten Wieslesweg stapeln sich jetzt die „Experimentier-Kisten“, mit Hilfe derer die Kinder ihren natürlichen Forscherdrang nach Herzenslust ausleben können. „Geheimnisvolles Schwarz“ steht auf einer der Kisten. Darin findet man Kaffeefilter, schwarze Farbe und eine Anleitung. Alles, was die Kinder dann noch brauchen, ist Wasser. Und schon kann es losgehen. Bereits beim ersten Tropfen, der auf die Farbe trifft, finden die jungen Forscher heraus, dass Schwarz nicht einfach nur Schwarz ist, sondern sich aus vielen verschiedenen Farben zusammensetzt...
Das „offene Konzept“ ist Grundlage der Arbeit im Kindergarten Wieslesweg. Leiterin Gudrun Müller erklärt, wie das funktioniert: „Selbstständigkeit hat bei uns Priorität, genauso wie Bewegung.“ Was Kinder aus eigenem Antrieb „begreifen“, das bleibt im Langzeitgedächtnis. Wo sie selbsttätig nach Antworten auf ihre Fragen und nach Lösungsmöglichkeiten suchen, da wird nichts vergessen. Im Kindergarten Wieslesweg gibt es deshalb neben dem Tüftler-Zimmer eine Holzwerkstatt, einen Zahlen- und Buchstabenraum, ein Bewegungszimmer u.v.m. – die Kinder können sich, frei und nach momentanem Interesse, jeweils mit dem beschäftigen, wozu sie Lust haben. Fragen ist nicht nur erlaubt, sondern wird vom Erzieherinnen-Team gezielt und bewusst gefördert: „Die Frage 'Was wäre, wenn...' steht am Anfang alles Forschens und Entdeckens,“ sagt Gudrun Müller. „Kinder müssen die Chance haben, auszuprobieren, müssen ihren Fragen selbst auf den Grund gehen können.“ Dass dabei nicht immer alles klappt, ist selbstverständlich. Und das ist gut, denn so lernen Kinder auch, mit Fehlern umzugehen. Wer ausprobiert, neue Wege sucht, ist später selbst in der Lage, sich Wissen anzueignen. „Man darf Kindern das Forschen nicht abtrainieren,“ sagt Gudrun Müller. Natürlich muss man sie begleiten, einen Rahmen abstecken – aber ihre Erfahrungen müssen die Kinder selbst machen.
Zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr entdecken Kinder die Welt. Da gilt es, den Forscherdrang nicht einzuengen, sondern ihn, im Gegenteil, nach Kräften zu fördern. „Dazu braucht man keine teuren Experimentierkästen,“ sagt Nadine Nobile, Ansprechpartnerin für das „Haus der kleinen Forscher“ bei der IHK Reutlingen. Die Angebote seien „niederschwellig“ gehalten. „Der Alltag liefert die besten Experimente und das Material dafür.“
„Der Zollernalbkreis ist besonders aktiv,“ sagt Nadine Nobile. 50 Prozent der Kindergärten im Kreis machen bei der Initiative mit, wollen ihr naturwissenschaftlich-technisches Profil schärfen und nutzen das Workshop-Angebot. Ihr Repertoire an Experimenten aus dem Workshop zum Thema „Luft“ hat Jasmin Braun bereits mehrfach mit den Kindergartenkindern umgesetzt – und dabei Erstaunliches gelernt: „Bei mir hat die Sache mit dem 'Luftkissenboot' aus einer Margarineschachtel und einer Papprolle nicht auf Anhieb geklappt,“ sagt sie schmunzelnd, „die Kinder hatten den Dreh viel schneller raus...“
„Haus der kleinen Forscher“ – das Zertifikat wurde bisher 13mal vergeben
Den Forscherdrang nutzen: Die IHK Reutlingen koordiniert seit 2008 das Netzwerk „Haus der kleinen Forscher“ in der Region Neckar-Alb und bietet in diesem Zusammenhang Workshops für Erzieherinnen an. Das Interesse ist groß: Die IHK zählte mehr als 1000 Teilnehmerinnen in den ersten eineinhalb Jahren. Für die Projekte im Kindergarten- und Grundschulbereich stellt die IHK 180 000 Euro zur Verfügung. 280 Kindergärten beteiligen sich. 13 haben bereits die Auszeichnung als „Haus der kleinen Forscher“ erhalten.
Ziel der Workshops ist es, Kompetenzen im naturwissenschaftlich-technischen Bereich zu fördern und den Teilnehmerinnen die Grundlagen für Experimente an die Hand zu geben, die sie mit einfachen Mitteln mit den Kindern in den jeweiligen Kindertageseinrichtungen wiederholen können.
