Eine neue Heimat gefunden
Rund 1800 junge Menschen besuchen das 16. Balinger Rockfestival in der Balinger Volksbankmesse
Balingen, 12.04.2010 von Romina Salvaggio
Junge Menschen feiern an diesem Abend die christliche Botschaft mit lautem Punk-Sound, wilder Rock-Musik und Party erprobtem Ska. „Unsere Erwartungen wurden mehr als übertroffen“, erklärt Wilfried Rauscher zufrieden und erleichtert zugleich. „Die neuen Möglichkeiten der Volksbankmesse, in der wir in diesem Jahr erstmals zu Gast sind, kommen bei Publikum und Bands sehr gut an“, erzählt er im Backstagebereich, der endlich genügend Raum für lockere Gespräche und gemütliche Momente bietet. „Wir haben ein gutes Dutzend Veranstalter aus dem ganzen Land hierher eingeladen“, sagt Rauscher. „Hier haben wir den Platz um uns auszutauschen, und das wollen wir auch.“
Von der anfänglichen Skepsis, die voriges Jahr nach der Bekanntgabe des anvisierten Umzugs von Erzingen nach Balingen aufkam, ist nichts mehr zu spüren. Das Balinger Rockfestival ist in Balingen angekommen - endgültig.
Die beengten Verhältnisse in und um die Erzinger Geischberghalle herum sind passé, in der Messehalle darf auf einer ausgewachsenen Festivalbühne gerockt werden.
Neben der Hauptbühne haben aber auch viele kleine Stände ihren Platz gefunden, an denen die Bands ihre Fanartikel anbieten können. Und auch das eine oder andere persönliche Wort wird zwischen Musiker und Besucher gewechselt.
Außerdem findet sich hinter der großen Zuschauertribühne eine kleinere Bühne: In der so genannten Acoustic Lounge können sich die Musiker kurz unplugged präsentieren. Zudem finden hier die Musiker auch den passenden Rahmen, um ihre christliche Botschaft in eigene Worte zu fassen.
Für den reibungslosen Ablauf der rundum harmonischen Veranstaltung sind an diesem Abend insgesamt 120 ehrenamtliche Helfer im Einsatz.
Dass das Balinger Rockfestival nicht nur bei den heimischen Musikfans bekannt und beliebt ist, zeigt sich bei einem kurzen Blick vor die Tür. Auf dem weitläufigen Parkplatz stehen unzählige Autos und sogar Busse mit fremden Kennzeichen. Das Balinger Rockfestival hat sich längst einen festen Platz im Kalender der christlichen Gemeinde erspielt, und das weit über die Kreisgrenzen hinaus.
„Die Stimmung ist super - und das auch dank der tollen Bands,“ sagt der 23-jährige Timo, der sich im Takt der wilden Beats bewegt. Die holländische Gruppe „Make up your mind“ steht gerade auf der Bühne und zelebriert ihre ganzen eigene Interpretation von Ska-Punk. Hier dürfen auch mal weichere Klängen angestimmt werden – und dann geht die Post wieder richtig ab.
Unter den Musikern finden sich aber auch angesagte deutsche Bands: „Good Weather Forecast“, „Groundstaff“, „Freequency“ und „Sacrity“. Gerade die Letztgenannten zeigten einmal mehr ihre Klasse: Die fünf Jungs aus aus Oberndorf schlugen mit ihrem Mix aus Nu-Metal und Cross-over etwas härtere Töne an, überzeugten auf ganzer Linie und sorgten für dichtes Gedränge vor der Bühne.
„Kids in the way“ bereiteten mit ihrem energiegeladenen Alternative Rock den Weg für ihre amerikanischen Kollegen „Pillar“, die diesmal die Topgruppe des Balinger Rockfestivals markierten. Und das nicht von ungefähr: Gegen 23 Uhr leuchten die Scheinwerfer auf, die Menge kreischt und die Arme gehen nach oben. „It is a pleasure to be here again, Germany“, sagt Frontmann Rob Beckley und drückt seine Freude über ihren Auftritt im Schwabenländle aus. Ab sofort bedient er gekonnt das Mikrofon und die Menge singt inbrünstig mit. Die Stimmung in der restlos ausverkauften Halle brodelt und man wird vom Vibe der US-Amerikaner mitgerissen. Trotz der knackigen Hardrock-Klänge kommen die Emotionen nicht zu kurz. Auf eine unwiderstehliche Art und Weise geben die Jungs ihrem Glauben und ihrer Überzeugung Ausdruck.
Mit einem kurzen Auftritt von Freequency geht die 16. Auflage des Balinger Rockfestivals zu Ende. Ein Festival, das in der Volksbankmesse eine neue Heimat gefunden hat und einmal mehr beweist, dass harter Punkrock, Ska, Indie-Rock und Metalcore sich hervorragend mit der christlichen Botschaft vereinen lassen.
