Balinger Doppelspitze

Zwei hiesige Lehrer managen „Jugend forscht“ fürs ganze Land

Balingen, 03.04.2010 von Klaus Irion

Vom bundesweiten Wettbewerb „Jugend forscht“ haben schon viele gehört. Dass aber gleich zwei Balinger an der Spitze des baden-württembergischen Ablegers stehen, ist bislang weit weniger bekannt.

Handball-Bundesliga, hochkarätige Kunstausstellungen in der Stadthalle: Zwei Dinge, mit denen Balingen bundesweit für Schlagzeilen sorgt. Dr. Marianne Rädle und Manfred Brenner wollen Balingens Bekanntheitsgrad noch weiter steigern. Allerdings nicht auf sportlichem oder kulturellem Gebiet, vielmehr auf pädagogisch-wissenschaftlichem Terrain.

Im Hauptberuf ist die in Heselwangen wohnhafte Rädle Biologie- und Mathelehrerin am Gymnasium Balingen. Ihr in der Balinger Kernstadt wohnender Kollege Brenner unterrichtet am Technischen Gymnasium Tübingen Chemie. Schnittpunkt der Beiden ist der Schüler-Wettbewerb „Jugend forscht“. Im Jahr 1991 wurde Rädle „mit diesem Virus infiziert“. Mehrere Jahre agierte sie als Jurorin beim Regionalwettbewerb Mittlerer Neckar im Fachbereich Biologie, ehe sie 1995 zur Gesamtleiterin eben desselben Regionalwettbewerbs aufstieg. Weitere zehn Jahre später übernahm Rädle die Leitung des Landeswettbewerbs von „Schüler experimentieren“, dem Juniorwettbewerb von „Jugend forscht“ für Schüler bis 14 Jahre. 2008 folgte der Wechsel an die Spitze des Landeswettbewerbs von „Jugend forscht“, den sie seither von Balingen aus verantwortet.

Fast könnte man von einer Balinger „Jugend-forscht-Connection“ sprechen, denn Manfred Brenner zeichnet auf Landesebene inzwischen hauptverantwortlich für den Sponsorenpool, der auf Anträge von Schulen hin überprüft, ob Wettbewerbsarbeiten finanziell förderungswürdig sind. „Eigentlich aber ist Herr Brenner meine linke und rechte Hand in Sachen Jugend forscht“, erklärt Rädle. Wie sie ist auch ihr Stellvertreter einst als Wettbewerbsjuror aktiv gewesen – auf Landes- und auf Bundesebene. „Die Frage, warum denn gerade Balingen gleich beide Posten innehat, wird schon häufiger gestellt“, sagt Brenner. Als Problem habe das aber noch nie jemand gesehen. Im Gegenteil: Der Anteil von Balingen an „Jugend forscht“ wird Ende dieses Monats noch weiter gesteigert. Erstmals steht die Stadt dem Wissenschaftswettbewerb als Pate zur Verfügung. In der Volksbankmesse wird der Landeswettbewerb von „Schüler experimentieren“ veranstaltet.

Balingen beerbt den Würth-Konzern aus Künzelsau, der sich aus eigenen Überlegungen heraus von der Ausrichtung des Nachwuchs-Landeswettbewerbs verabschiedet hatte. „Die Verträge, die wir mit unseren Paten abschließen, sind jährlich kündbar“, erläutert die Landeswettbewerbsleiterin. Die Suche nach einem Nachfolge-Paten mündete bei Brenner in einer Vision. „Ich habe vor der Balinger Stadthalle die Flaggen von Jugend forscht wehen gesehen.“ Von der Vereinszentrale aus Hamburg bekamen Brenner und Rädle das O.K. mit den Stadtverantwortlichen in Kontakt zu treten. Wirtschaftsförderer Mathias Demmer und Oberbürgermeister Helmut Reitemann seien von der Idee sofort begeistert gewesen.

Die beiden „Jugend forscht“-Funktionäre hoffen darauf, dass das „Heimspiel“ eine langfristige, jährlich wiederkehrende Angelegenheit wird. „Irgendwann“, so Rädle, „sollte es landauf, landab bei allen neun Regionalwettbewerben heißen: Wir wollen nach Balingen.“

Nicht nach Balingen kommen, sondern in Balingen bleiben, wollten Marvin Kaiser und Hendrik Müller, die beim Regionalwettbewerb von „Schüler experimentieren“ ihren Windschutz für Campingkocher vorstellten und sich damit tatsächlich für den Landeswettbewerb qualifizierten (wir berichteten). „Eine wirklich ganz tolle Arbeit“, lobt Rädle, die hofft, „dass künftig wieder mehr Wettbewerbsteilnehmer aus dem Zollernalbkreis kommen“. Ob dem so sein wird, stehe und falle einerseits mit einzelnen Lehrern, die bereit seien, die Schüler auf „Jugend forscht“ vorzubereiten. Andererseits aber müsse auch die räumliche Gelegenheit gegeben sein, Forschung zu betreiben. Rädle und Brenner sind sich einig: „Jede Schule braucht einen Forscherraum.“

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