Hauptschulen als „Reformopfer“

Dr. Hartmut Markert referiert zur Veränderung der Bildungslandschaft

Albstadt-Ebingen, 31.03.2010 von Bianka Roith

Das Thema „Werkrealschule“ ist in aller Munde. Doch die gesamte Schullandschaft ist in Bewegung. „Aufbruch statt Abriss“ lautete dazu der Vortrag von Dr. Hartmut Markert zur Schulentwicklung.

Eingeladen hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Montag Abend nach Ebingen. Der Leiter der Grundschule in Hechingen und Leiter des Vorstandsbereichs Allgemeine Bildung bei der GEW Baden-Württemberg stellte ein brisantes Gutachten vor, das die GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) in Auftrag gab. Das dramatische Ergebnis: Hauptschulen sind in Gefahr. Denn mittlerweile wechseln nach der Grundschule weit mehr Kinder auf Gymnasium oder Realschule, wesentlich weniger besuchen die Hauptschule, was zu einem Überangebot an Hauptschulen und einem Defizit bei Realschulen und Gymnasien führt.

„Im Prinzip blieb das Gehäuse, die Drei- oder Viergliedrigkeit der vergangenen 30, 40 Jahre bestehen“, so Dr. Markert. Nun stehe man in der Entwicklung, die teilweise zum erbitterten Kampf um die neue Werkrealschule werde. Doch für den Experten ist auch die neue Form der Werkrealschule eine „Sackgasse“. „Vielleicht spricht sich das noch rechtzeitig herum“, hofft er. Denn an der Hauptschule werde seit jeher die Krise am dreigliedrigen System ausgetragen und diese neue Schulform belaste die Hauptschule dann noch mehr. Dr. Markert: „Das ist eine Zumutung, die fast nicht mehr hinnehmbar ist.“ Für ihn ist die Hauptschule das „Reformopfer“, die Werkrealschule der „Rettungsversuch“. Es werde in der Fläche sehr schwierig werden, alle Schulstandorte zu halten.

Ändert sich nichts, heißt das auch für den Zollernalbkreis nichts Gutes: Im Jahr 2008 gab es noch 26 Hauptschulen, nach der Prognose schrumpft diese Zahl bis 2015 auf zehn Hauptschulen. Mit dem derzeitigen dreigliedrigen Modell komme es zum dramatischen Rückgang bei den Hauptschulen. Dem gegenüber stellte Dr. Markert das Modell der Verbundschule, bei dem Haupt- und Realschule zusammengeführt werden. Bei 40 Schülern in einem Jahrgang verbleiben dann 22 Schulorte, bei 60 Schülern nur noch 15.

Dann stellte der Referent noch ein drittes Modell vor, das in Schleswig-Holstein bereits getestet wird: die integrierte Sekundarschule. Bei dieser gehen alle Schüler in dieselbe Schule, können gemeinsam lernen (auch voneinander) und mit unterschiedlichen Abschlüssen die Schule beenden. Dr. Markert betonte, dass es hierbei nicht um eine Zusammenführung von drei Schulformen gehe, sondern um einen völlig neuen Schultypus einer wohnortnahen Ganztagesschule bis Klasse zehn. Dies würde für den Kreis bedeuten, dass bei 40 Schülern pro Jahrgang 36 Schulorte verbleiben, bei 60 Schülern noch 24. Sein Fazit: Je integrierter ein Schulwesen ist, desto wohnortnaher und dezentraler kann es organisiert werden. „Eine Sekundarschule mit einem strategischen Mix aus zwei- und dreizügigen Schulen ermöglicht deutlich mehr Gemeinden, Schulstandort zu bleiben oder zu werden.“

In der anschließenden Diskussion kam auch das Thema Grundschule auf. Doch obwohl Gemeinderat Martin Frohme ihn direkt darauf ansprach, wie mit der Grundschullandschaft in Albstadt verfahren werden solle, gab sich Dr. Markert bedeckt. Derzeit gibt es sieben Grundschulen und vier Schulen, bei denen sich die Hauptschule im selben Gebäude befindet. Das Damoklesschwert hänge über jeder Grundschule, so Dr. Markert. Außerdem gebe es das Problem der Fachlichkeit, wenn ein Lehrer alle Fächer können muss, von Sport bis Religion. Man könne Schulverbünde machen, doch er gebe dazu keine Empfehlung ab.

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