Rektoren im Zwiespalt
Wunsch-Werkrealschule nicht immer möglich
Balingen, 30.03.2010 von Klaus Irion
Nach monatelangen schulinternen und kommunalpolitischen Diskussionen um die neue Werkrealschule. Nach dem schlussendlichen Einverständnis des Kultusministeriums zu den beiden Werkrealschulen Süd und Nord mit jeweils einer Außenstelle. Nach Informationsabenden über die neue Schulstruktur, war es vergangene Woche soweit. Die Eltern, deren Kinder von ihrer jeweiligen Grundschule eine Werkrealschul-Empfehlung erhalten hatten, waren aufgefordert, ihre Kinder an einem der Werkrealschul-Standorte anzumelden. In Balingen oder aber an einer Schule in einer Nachbargemeinde.
Die genaue Anmeldezahlen für die Balinger Werkrealschulen lagen gestern noch nicht vor, erste Tendenzen aber zeichnen sich an der Werkrealschule Nord (Sichelschule mit Außenstelle Längenfeldschule) ab. „Nach derzeitigem Stand der Dinge werden wir in allen drei Jahrgangsstufen, die nach dem neuen Modell unterrichtet werden, zweizügig sein“, erklärte Sichelschul-Rektorin Margaretha Pehlke. Das sind die Klassen fünf, sechs und sieben. Gemäß dem Gemeinderatsentscheid heißt das, dass an beiden Schulen jeweils eine fünfte, eine sechste und eine siebte Klasse unterrichtet werden.
Schwieriger zu beantworten ist derzeit aber noch, ob alle Kinder, die an Balinger Schulen angemeldet wurden, auch tatsächlich an der Wunschschule unterrichtet werden können. „Bis jetzt scheint es noch nicht so zu sein, dass in allen Klassenstufen den Elternwünschen zu 100 Prozent entsprochen werden kann“, sagt Pehlke. Das Problem der Rektorin besteht aber nicht nur in einem in Einzelfällen längeren Schulweg, sondern auch darin, dass sie künftig zwei Schulen mit unterschiedlichem Profil zu leiten hat. Eine, bei der Werkrealschüler verpflichtend den ganzen Tag unterrichtet werden (Sichelschule) und eine, bei der die Kinder außerhalb der Unterrichtszeiten freiwillig Nachmittagsangebote besuchen können (Längenfeldschule).
Zunächst einmal muss Pehlke nun schauen, dass die Klassen an beiden Standorten ungefähr gleich groß sind. Eine genaue Vorgabe, wie viel Kinder in der jeweiligen Jahrgangsstufe maximal an der einen Schule mehr sein dürfen, als an der anderen Schule hat sie dabei nicht. „Wenn das alles dann aufgeht, ist es bestens, wenn nicht, suche ich das Gespräch mit Eltern.“ Damit will die Schulleiterin jedoch warten, bis auch wirklich alle Anmeldungen bei ihr eingetroffen sind.
Die Verantwortlichen der Werkrealschule Süd haben es da etwas einfacher. Da beide künftigen Werkrealschul-Standorte – Zentrale in Frommern und Außenstelle Weilstetten – analog zur Längenfeldschule eine auf Freiwilligkeit basierende offene Ganztagesschule sind, droht hier keine „schulideologische“ Diskussion wie in der Kernstadt. Die Frage, ob alle Kinder die gewünschte Schule besuchen können, ist aber hier auch an der Werkrealschule Süd noch offen (wir berichteten). Wie an der Werkrealschule Nord liegt auch in Frommern die endgültige Anmeldezahl noch nicht vor.
