Stressfrei Party feiern

Streetworker unterstützt Grillplatzinitiative junger Endinger

Balingen-Endingen, 27.03.2010 von Klaus Irion

Kann ein runderneuerter Heuberg-Grillplatz mehr Ruhe rund um den Endinger Jugendtreff bringen? Balingens Streetworker glaubt daran und unterstützt eine Gruppe junger „Grillplatz-Sanierer“.

Ein leichter Rauch steigt auf. Zum Anzünden verwendete Papierreste liegen neben einigen Glasscherben. Sitzbänke rund um die Feuerstelle sind nur noch in Bruchstücken vorhanden. Der idyllisch auf dem Heuberg hoch über Endingen gelegene Grillplatz bietet dieser Tage alles andere als einen schönen Anblick. Das könnte sich jedoch bald ändern.

Ortswechsel: Dienstagabend, 21 Uhr, Sporthalle Endingen. Warmspielen zum zweistündigen Hallenfußball. Es ist keine Turniermannschaft die sich hier allwöchentlich zur selben Zeit trifft. Es ist eine Gruppe Jugendlicher und junger Männer – „zu alt für den Endinger Jugendtreff“ wie sie selbst sagen. Und mittendrin „Iggy“, wie sie ihn hier alle nennen. „Iggy“ heißt eigentlich Hans-Ignaz Dieter, war Stadtjugendpfleger in Burladingen und ist seit vergangenen August Streetworker in Balingen. Angestellt bei den Mariaberger Heimen, entlohnt durch die Stadt Balingen. Einige Stunden vor seinem Erscheinen in der Endinger Sporthalle saß er noch mit dem Leiter des Balinger Kinder- und Jugendbüros, Erich Laub, in der Sitzung des Balinger Gemeinderats, um selbst mitzuerleben wie seine 75-Prozent-Stelle um ein weiteres Jahr verlängert wurde. „Das Ganze verlief erfreulich problemlos“, sagt Dieter. Nun hofft er darauf, dass er im kommenden Jahr vielleicht langfristige Planungssicherheit bekommt – für sich selbst, aber auch für die Arbeit im gesamten Balinger Stadtgebiet, so wie beispielsweise an diesem Abend in Endingen.

So reibungslos wie seine Vertragsverlängerung gelaufen sei, sei auch die spätabendliche Hallenbenutzung möglich gemacht worden. „In Burladingen haben wir auf so eine Chance fünf, sechs Jahre warten müssen.“ Eine Chance für die Anwesenden, sich zwei Stunden lang sportlich zu verausgaben, ohne Ärger mit Anwohnern, ohne Stress mit der Polizei, wie sie betonen. Viel preisgeben von sich wollen sie nicht, ein Wunsch aber – außerhalb der Sporthalle – eint sie. „Wir wollen einfach von Zeit zu Zeit Party machen – ungestört, und friedlich“, sagt der 18-jährige Lukas. Zumindest das mit dem Ungestörtsein ist bei den bisherigen Zusammenkünften rund um den Endinger Jugendtreff nicht gegeben. Selbstverständlich auch nicht für manch leidgeplagten Anwohner.

Womit wir wieder beim eingangs erwähnten Grillplatz auf dem Heuberg wären. Ihn hat sich die Gruppe als neuen Treff ausgeguckt. Für Streetworker Dieter ein gangbarer Weg, zumal die Gruppe den verwahrlosten Platz in Eigenarbeit wieder auf Vordermann bringen möchte. Dieses Anliegen beschäftigte in der Vergangenheit auch schon den Endinger Ortschaftsrat. Stand der Dinge: „Wenn alles glatt läuft, kann die Gruppe in den kommenden Wochen mit der Grillplatz-Sanierung loslegen“, sagt Ortsvorsteher Walter Ladenberger. Die notwendigen Baumstämme bekämen sie gestellt. Angedacht seien Tische und Bänke, aber vielleicht auch das eine oder andere Spielgerät.

Ladenberger hofft auf den Effekt, dass Selbstgeschaffenes häufig wesentlich pfleglicher behandelt wird, als bereits vorhandene Dinge. „Mir ist aber auch klar, dass ich gerade in der ersten Zeit häufiger nachsehen muss, wie es um den Grillplatz bestellt ist“. Notfalls müsse eben doch wieder mit Ordnungsmaßnahmen reagiert werden. Doch soweit soll es nach dem festen Willen der „Dienstagskicker“ nicht kommen.

Und was sagt der Streetworker zu so viel Engagement? „Die Grillplatz-Initiative heißt nicht, dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen komplett aus dem Endinger Straßenbild verschwinden werden.“ Dass sei aber auch nicht Sinn und Zweck des Projekts. Er weiß um seine Vermittlerrolle zwischen Anwohnern und Endinger Jugendgruppen, betont aber: „Jugend braucht auch Freiräume.“

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