System wird hinterfragt

Dr. Alexandra Palzer spricht in Frommern – Große Resonanz

Balingen-Frommern, 26.03.2010 von Michael Üblacker

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Mit der UN-Konvention für Rechte von Menschen mit Behinderungen steht das Sonderschulwesen auf dem Prüfstand. Welche Veränderungen sich ergeben, erläuterte Dr. Alexandra Palzer auf Einladung der SPD.

„Auch bei uns im Zollernalbkreis muss darüber diskutiert werden, wie es nach der Abschaffung der Sonderschulpflicht weiter gehen soll, forderte die SPD-Ortsvereinsvorsitzende Helga Zimmermann-Fütterer. Die von der SPD-Kreistagsfraktion angeregte Diskussion um die Sanierung und Erweiterung der Rossentalschule in Albstadt sei ein erster Schritt. Ein Thema, das den Frommerner Gemeindesaal füllte.

Dr. Alexandra Palzer, Mutter von vier Kindern, schilderte zunächst den Werdegang ihrer Tochter Caroline, die mit Downsyndrom geboren wurde, und ihre vielen Negativerlebnisse. Für die Familie war die Vorstellung, dass Caroline vor Ort den Kindergarten und die Schule besucht, ganz normal. Dies aber durchzusetzen war alles andere als einfach: „Es war ein steiniger Weg und wir mussten einige Jahre die Eingliederungshilfe selbst bezahlen“. Trotzdem würden wir es heute genauso wieder machen, betonte sie.

Als Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft „Gemeinsames Leben – Gemeinsames Lernen“ kämpft sie schon seit Jahren gegen die Ausgrenzung und setzt sich für die Veränderung des Bildungssystems ein. Denn es seien nicht nur die Behinderten, die ausgeschlossen würden, sondern weit mehr Kinder, „die Probleme mit unserem einzigartigen System der Aussonderung haben“.

Mit der UN-Behindertenrechtskonvention wurde ein Paradigmenwechsel eingeläutet, sagte die Kinderärztin: „Menschen mit Behinderung haben erstmals das Recht auf selbstbestimmte und gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe“. Die Konvention fordert ein inklusives Bildungssystem, in dem behinderte Menschen gemeinsam mit nichtbehinderten Kindern unterrichtet werden. Ein wesentlicher Unterschied zum bestehenden System der Integration, hob Palzer hervor. Die Inklusion verlangt nicht mehr vom Kind, sich anzupassen, sondern fordert die Anpassungsleistung vom System. „Eine Schule ist erst dann inklusiv, wenn sie die Individualität ihrer Schüler respektiert und sie als Bereicherung anerkennt, anstatt das vermeintliche „Anderssein“ zum Grund der Ausgrenzung und Aussonderung zu nehmen“, so Palzer.

Die Erfahrungen Dr. Palzers wurden in der anschließenden Diskussion bestätigt. Insbesondere wurde rege nach einer Antwort auf die Frage gesucht, wie die Umsetzung vonstattengehen könnte. Die Kreis-SPD und ihr Fraktionsvorsitzender Hans Martin Haller sehen sich mit der von ihnen angeregten Diskussion, die Inklusion voranzutreiben, auf dem richtigen Weg: „Mehr Miteinander ist für die Gesellschaft notwendig und positiv“.

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