Neue Sportarten kennen lernen

Paralympische Sportdisziplinen im Schulprojekt am Stettener Schulzentrum erprobt

Stetten a.k.M., 26.03.2010 von Susanne Grimm

Das Stettener Schulzentrum hat im Rahmen des Schulprojekts „Neue Sporterfahrung“ ihren Schülern die Gelegenheit gegeben, sich in die Lebenssituation behinderter Menschen hineinzuversetzen.

Profisportler der paralympischen Disziplinen Rollstuhlbasketball und Goalball unterrichteten die Schüler einen Vormittag lang in Theorie und Praxis.

Skeptisch und neugierig zugleich reagierten die Schüler auf den Sportunterricht am Montagmorgen, denn es standen Rollstuhlbasketball und Goalball auf dem Programm. Letzteres ist ein Mannschaftsballspiel für Sehbehinderte, dessen Ziel es ist, rein über Gehör und Tastsinn einen Ball mit integrierter Klingelkugel in das gegnerische Tor zu spielen, beziehungsweise abzuwehren. Auch die Sportlehrer waren andere als die gewohnten.

Marco Hepp und Boris Breitenstein, beides aktive Rollstuhlbasketballprofis der Zweitbundesligisten Heidelberg und Ravensburg, wiesen die Achtklässler in die Sportart ein und machten sie mit dem Rollstuhlfahren und dessen Besonderheiten vertraut. Zeigten die Jugendlichen zuerst eher verhaltenes Interesse, so änderte sich das rasch, weil beide Profisportler durch ihre sympathische und zugleich handfeste Art jede Scheu vor der Behinderung und dem Rollstuhl hinwegfegten. Im Laufe der Sportstunde stieg sowohl die Begeisterung der Jugendlichen als auch der Respekt vor den Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Denn sie hatten nicht nur am eigenen Leib erfahren, wie technisch anspruchsvoll eine Sportart wie Rollstuhlbasketball ist, auch hatten sie eine Ahnung davon bekommen, wie schwierig es ist, ohne Beine zurecht zu kommen.

Projektleiter Thomas Stephany hatte die Aufgabe übernommen, im Anschluss an die Stunde mit den Schülern über das Erlebte zu reflektieren. Dabei wurde deutlich, dass sie in der Lage waren, sich in die Alltagssituation eines Rollstuhlfahrers hineinzuversetzen. „Wenn Gehwege zugeparkt, die Bordsteinkanten so hoch oder vielleicht Türen zu schmal sind, kann ich mir das Fortkommen in der Stadt als sehr schwer vorstellen“, meinte eine Schülerin, die erkannt hatte, dass behinderte Menschen durch solche Dinge zusätzlich behindert werden. Einerseits habe diese Sportstunde viel Spaß gemacht, andererseits könne man jetzt aber viel besser verstehen, was ein behinderter Mensch an Beschwernissen auszuhalten hat.

Auch die Schüler der Goalball-Gruppe, die in der Halle nebenan mit entsprechender Brille sehbehindert in diese paralympische Disziplin eingeführt wurden, erfuhren buchstäblich neue „Einsichten“. Ohne Augenlicht machte die Klasse die Erfahrung, wie schwer Orientierung und sportliche Aktivität ohne Sehkraft zu koordinieren sind und wie sehr man auf die Verlässlichkeit seiner Mitspieler und seines eigenen Gehörs angewiesen ist.

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