Mangel an rentablen Dächern

Stadt und Kreis kümmern sich um weitere eigene Photovoltaikanlagen in Balingen

Balingen, 25.03.2010 von Klaus Irion

Werden in Balingen weitere Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Dächern gebaut? Stadt wie auch Landkreis prüfen und berechnen derzeit deren Rentabilität in Zeiten gekürzter Einspeisevergütungen.

Die Nachricht ist erst wenige Tage alt. Balingen rangiert in der Solarbundesliga der deutschen Städte zwischen 20 000 und 100 000 Einwohnern mit Rang 9 bundesweit erstmals unter den Top Ten. Etliche Solar- und Photovoltaikanlagen wurden in den vergangenen Jahren auf privaten, aber auch auf öffentlichen Dächern in Betrieb genommen. Geht es nach Balinger Stadträten und dem Kreistag, soll sich die Kreisstadt aber nicht auf ihren Solar-Lorbeeren ausruhen.

In der vergangenen Woche ermächtigten die Kreisräte die Landratsamts-Verwaltung die Vergabe für drei weitere Photovoltaikanlagen auf kreiseigenen Dächern vorzunehmen. Mit dem Dach der hiesigen Sprachheilschule und dem Dach des im Umbau befindlichen Krankenhauses liegen zwei der drei Anlagen in Balingen. Ob beide Anlagen aber auch wirklich in die Tat umgesetzt werden, ist derzeit aus unterschiedlichen Gründen noch offen.

Ganz gut sieht es für die Anlage auf der Sprachheilschule aus. Gestern wurden laut Kreiskämmerer Adelbert Schmidberger die Angebots-Anschreiben für die Module verschickt. „Wir hoffen, dass wir noch rechtzeitig zum Zug kommen, die Nachfrage ist derzeit immens.“ Grund: Wer nach dem 1. Juli eine neue Photovoltaikanlage baut, muss nach dem Willen des Gesetzgebers wohl mit einer um 16 Prozent gekürzten Einspeisevergütung für die Anlage rechnen. Firmen, wie das Balinger Solar-Unternehmen „Relatio“ laufen dagegen seit Wochen Sturm.

Womit wir beim Grund für die eventuelle Nicht-Realisierung auf dem Balinger Krankenhausdach wären. Jene Anlage kann auf keinen Fall vor dem 1. Juli gebaut werden. „Das lässt die Baustelle einfach nicht zu“, so Schmidberger. Dann aber stellt sich für die Kreisverwaltung die Frage, ob sich die Anlage mit der geringeren Einspeisevergütung überhaupt noch rentiert.

Während man beim Landkreis also rechnet, hat die Balinger Stadtverwaltung auf Anfrage von Dr. Dietmar Foth in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend die Ergebnisse einer Überprüfung der städtischen Dächer auf Photovoltaik-Tauglichkeit und -Rentabilität vorgelegt. Demnach kommen von 142 städtischen Liegenschaften derzeit lediglich 20 für eine genauere Untersuchung in Frage. Darunter etliche Schul- und Kindergartendächer. Haupthinderungsgründe für die vielen ungeeigneten Dächer sind die mangelnde Sonneneinstrahlung, die Dachform und die Dachneigung.

Na was jetzt?

Der Artikel enthält zwei interessante Kernaussagen:
Erstens geht man im Landratsamt und auf dem Rathaus davon aus, dass sich Photovoltaikanlagen, die nach dem 1. Juli ans Netz gehen, nicht mehr rechnen. Zweitens hat die Stadt Balingen herausgefunden, dass von 142 städtischen Liegenschaften überhaupt nur 20 Dächer für eine nähere Untersuchung in Frage kommen. Im Idealfall würden sich also 20 von 142 Dächern für Photovoltaik eignen.

In der Diskussion der letzten Monate hören wir von den Regierungsvertretern genau das Gegenteil: Die Landes-umweltministerin spricht sich gegen Freiflächenanlagen aus, „solange noch Dachflächen im Überfluss zur Verfügung stehen“. Unser Bundestagsabgeordneter Thomas Bareiß behauptet, dass Photovoltaikanlagen „überfördert“ sind und ist sich angeblich sicher, dass sie sich auch noch rechnen, wenn innerhalb weniger Monate die Einspeisevergütung um 25 Prozent (9 % zum Jahresanfang und 16 % jetzt zusätzlich) gekürzt wird.



Bernd Bodmer am 25.03.2010 22:56:23

Überfördert? Sicher doch!

ABer nicht, wie man meinen könnte von Bund oder Land, sondern von allen Stromkunden, die "zweifelhafte Geldquellen" mit deutlich steigenden Energiekosten finanzieren. Denn längst sind Finanzjongleure auf den Zug gesprungen, vorwiegend Jene, die bislang "Ökostrom" oder überhaupt "Umweltschonung" belächelt oder verspottet haben, kassieren satt ab, allen voran die Energieversorger selbst.
Roland Späth am 06.07.2010 11:58:54
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