Messe kreist um die Sonne

Rund 3000 Besucher bei zweitägiger „Neckar-Alb regenerativ“

Balingen, 22.03.2010 von Klaus Irion

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Ein schleppend verlaufener Samstag, Ansturm am Sonntag: Kontrast-, letzten Endes aber doch erfolgreich ging gestern Abend die Umwelt- und Energiemesse „Neckar-Alb regenerativ“ zu Ende.

Quasi lautlos und dennoch enorm schnell gleitet der Fahrradfahrer über den Verkehrsübungsplatz neben der Balinger Volksbankmesse. Ähnlich geräuscharm verhält sich nur wenige Meter davon entfernt ein weißer „Smart“. Eines haben die beiden gemein. Fahrrad wie Smart werden mit Elektromotoren betrieben. „Der Elektrosmart ist ein Sonderanfertigung eines kleinen Unternehmens, mit Daimler hat das ganze nichts zu tun“, erzählt Stefan Rimmele, der gemeinsam mit Martin Kießling für die Organisation der diesjährigen Ausgabe der Messe „Neckar-Alb regenerativ“ verantwortlich zeichnet.

Die große Leichtigkeit, die Rimmele noch vor drei Wochen bei der ebenfalls von ihm und Kießling verantworteten Gesundheitsmesse „Mein Leben! Auf der Neckar-Alb“ auszeichnete, war ihm am Samstag, am 1. Messetag, abhanden gekommen. Hielt sich doch die Resonanz auf die Umwelt- und Energie-Messe noch sehr in Grenzen. Auch Norbert Schicht vom ehrenamtlichen Mitveranstalter „Aktionsgemeinschaft Neckar-Alb regenerativ“ war’s noch nicht zufrieden. „Wir haben das Pech, dass das Wetter zu gut ist, die Leute sich um ihre Gärten kümmern.“ Ausgerechnet die Sonne also, die in diesem Jahr als Energieversorger und Wärmequelle an vielen Ständen in der Volksbankmesse und drum herum im Zentrum stand, entpuppte sich zunächst als Messehemmnis.

Gestern dagegen strahlten Rimmele, Kießling und Co. mit der Sonne, als sie nachmittags zaghaft aus den Wolken hervorstach, um die Wette. Volle Halle, viele Fach- und Beratungsgespräche, sehr gut frequentierte Fachvorträge. „Ich schätze es sind heute um die 3000 Messebesucher gewesen“, so Rimmele.

Mittendrin im Geschehen befand sich auch der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Jürgen Greß. Er teilte die Missmut der Messeverantwortlichen ob des schleppend verlaufenen ersten Messetags keineswegs. „Am Samstag waren die da, die sich ausführlich und speziell informieren wollten.“ Manch ein Betrieb habe gerade so viele Abschlüsse getätigt wie an einem Tag an dem die Massen in die Hallen strömen, der Anbieter aber viel weniger Zeit für den einzelnen Interessenten habe. Für Greß ist die „Neckar-Alb regenerativ“ ein voller Erfolg, der zur dauerhaften Einrichtung in der Volksbankmesse werden soll. „Was mich vor allem freut, ist, dass die Zahl der Messestände regionaler Unternehmen gestiegen ist.“

Ob die Messe, so sie den 2011 eine Neuauflage erfährt, dann immer noch in hohem Maße auf die Themen Solarenergie und Photovoltaik fokussiert sein wird, ist derzeit aber auch in Greß' Augen mit Blick auf den Konflikt um die verringerten Fördergelder für Solaranlagen noch völlig offen. Just am vergangenen Freitag, als die Messe mit einem Impulsreferat und einer Podiumsdiskussion eröffnet worden war (der ZAK berichtete), sorgte die Schlagzeile, dass die wohl immer noch hohe Einspeisevergütung für Solarstrom dazu führe, dass die Energie-Riesen spätestens 2011 die Stromkosten um bis zu zehn Prozent anheben werden, bundesweit für Aufsehen. „Die Branche war in den vergangenen Jahren tatsächlich überhitzt“, so Greß. Er erwartet in den kommenden Jahren eine Marktregulierung , aber: „Die Solarbranche als solche wird nicht sterben.“

Genausowenig wie der Markt für alternative Heizmethoden. Sei es durch Erdwärme – ein entsprechendes Bohr-Ungetüm wurde auf dem Messeplatz geradeso vorgeführt wie ein riesiger Häcksler, der sekundenschnell aus dicken Baustämmen zu verheizendes Kleinholz produzierte.

Sollte all die umweltschonenden Verfahren und Ideen, die an den beiden Messetagen gezeigt wurden, in den kommenden 20 Jahren von der alltäglichen Ausnahme zur Regel werden, wäre das Ziel, das Martin Hoppe-Kilpper vom Kompetenznetzwerk dezentrale Energietechnologien in seinem Impulsvortrag ausgegeben hat, tatsächlich nicht mehr weit entfernt: „Wege in eine erneuerbare Zukunft – 100 Prozent Versorgung mit erneuerbaren Energien.“

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