Amok-SMS alarmiert Balinger Schule

„Keine Bedrohung“: Balinger Polizei geht von Gerücht aus und ermittelt jetzt nach dessen Urheber

Balingen, 19.03.2010

Schnell machte es in den frühen Morgenstunden die Runde: Das Gerücht, dass heute in der Balinger Realschule „ein Amoklauf“ erfolgen sollte. Es hielt Schüler, Lehrer und Polizei in Atem.

Mittlerweile sei tatsächlich von einem Gerücht auszugehen, erklärt Polizeisprecher Lambert Mauthe gegenüber dem ZOLLERN-ALB-KURIER: Am Donnerstagabend, kurz vor 20 Uhr, teilte eine Schülerin der Realschule Balingen dem Polizeirevier Balingen telefonisch mit, dass sie in einem Chatroom den Eintrag gefunden hätte, ob es stimme, dass morgen an der Schule jemand „Amok laufen“ will! Nach Kontakt mit weiteren Mitschülern erfuhr sie, dass von diesen ebenfalls der Eintrag gelesen und weiterverbreitet worden war. Per Email und als SMS machte die Nachricht die Runde in der Stadt am Donnerstagabend und erst recht am frühen Freitagvormittag.

Sofort eingeleitete polizeiliche Ermittlungen hätten jedoch, so Mauthe, keine konkreten Anhaltspunkte für eine Amokdrohung ergeben. Es müsse, so gestern der Polizeisprecher, vielmehr davon ausgegangen werden, dass eine zurückliegende Mobbing-Angelegenheit zwischen Schülern der Realschule und dem Schüler einer anderen Schule der Auslöser war.

Trotz umfangreicher Überprüfungsmaßnahmen konnte die Polizei wohl den Urheber, der die Gerüchte im Internet verbreitete, nicht ausfindig machen. Parallel wurde Kontakt mit allen Schulleitern am Schulzentrum aufgenommen. In Absprache mit diesen wurde, da keine reale Bedrohung erkennbar war, auf eine Schulschließung am Freitag verzichtet. Vorsorglich sei bereits vor Schulbeginn am Schulzentrum deutliche Polizeipräsenz gezeigt worden.

Zu keinem Zeitpunkt, so Mauthe ebenfalls, sei gestern eine konkrete Bedrohungslage gegeben gewesen. Indes dauern die Ermittlungen der Polizei zur Herkunft des Gerüchts an.

Keine "vorsorglichen Hausdurchsuchungen"?

Man liest gar nichts über vorsorgliche Hausdurchsuchungen bei Schülern, hat man sich diesmal und wenn ja, warum, zurückgehalten? Oder war der Aufwand zu gross und man fürchtete unnötige Kosten? Vielleicht verliert die Polizei auch langsam den Spass an sinnfreien Handlungen oder "tanzt auf zu vielen Hochzeiten" und kommt nicht mehr hinterher.
Auf Einsicht dürfte es jedenfalls nicht zurückzuführen sein, denn Fahrzeuge werden nach wie vor bei sogen. verdachtsunabhängigen Kontrollen an jeder Ecke grundlos durchsucht. Nein, das ist keine BW Eigenheit, das geht nur auf einen ehem. Innenminister mit Profilierungssucht und gleichzeitigem Verfolgungswahn zurück, und nein, wir sind doch kein Polizeistaat.

Roland Späth am 31.03.2010 17:12:24

Gelungene Überschrift

Großartige Leistung: Alle Fachleute rieten dazu, den Ball flach zu halten, um die Situation zu entspannen und keine Nachahmer auf den Plan zu rufen.
Und wie sieht die Deeskalationsstrategie des ZAK aus? Ohne Rücksicht auf Verluste, Betroffene und Fakten wird eine reißerische Titelzeile generiert: Aus einem Gerücht, das unter anderem per E-Mail weiterverbreitet wurde, wird eine "Amok-SMS", die eine Balinger Schule "alarmiert".
Solchen journalistischen Unfug erwartet man sonst nur von der Zeitung mit den großen vier Buchstaben -- der ZAK ist davon offensichtlich nciht weit entfernt.
Ein Leser am 20.03.2010 22:46:14

RE: Gelungene Überschrift

Ich finde, es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit über derartige Zwischenfälle informiert wird. Ich bin selbst Schüler und ich muss sagen, dass es eine große Informationspanne gab.
Wir Schüler wurden überhauptnicht informiert, was überhaupt los ist.
Von dem her finde ich es gut, dass der ZAK über diesen Vorfall berichtet.
Ein Schüler am 22.03.2010 18:45:28

Nicht eskalieren bedeutet nicht: vertuschen

Hallo Schüler, es geht nicht darum, dass der ZAK die Öffentlichkeit nicht informieren soll. Wäre gut gewesen, wenn er informiert hätte.

Eine Desinformation ist allerdings die reißerische Überschriften, die genau das erreicht, was vermieden werden sollte: Betroffene und Unbeteiligte noch mehr zu verunsichern, um Gesprächsstoff und/oder Online-Klicks zu generieren.

Das ist -- gerade in dieser Situation -- verantwortungslos: Nachdem sich diese Schlagzeile als heiße Luft entpuppt hat, wird der Ernst einer tatsächlichen Bedrohungssituation nicht mehr wahrgenommen. Könnte ja sein, dass der ZAK wieder eine Sensationsmeldung herbeischreiben will...

Von einem seriösen Lokalblatt sollte man erwarten können, dass mit Rücksicht auf die Betroffenen und die Fakten berichtet wird. Aber offensichtlich werden da andere Prioritäten gesetzt.
Ein Leser am 22.03.2010 20:41:43

...

Die Lehrer selber wussten nichts davon nur die Schulleiter und außerdem wollten sie keine Panik auslösen!
Jemand am 19.03.2010 19:00:15

Stimmt nicht ganz

Die Lehrer fanden alles aber ziemlich schnell heraus, da viele Lehrer auch sogar schon bald nicht mehr anwesend waren. Wir Schüler mussten allerdings im Schulgebäude bleiben. Den Sinn habe ich noch immer nicht verstanden, da circa die Hälfte der Schüler sowieso schon in der ersten großen Pause nach Hause gegangen waren oder gar nicht erst gekommen waren.

Meine Persönliche Erfahrung:
Ich war natürlich auch erst erstaunt, was die Polizei machte, da ich es auch nur für ein Gerücht gehalten hatte und nicht ernst nehmen wollte, doch da die Polizei alles unter Kontrolle hatte, fühlte man sich schnell wieder sicher.
Ein Schüler der Klasse 9 am 19.03.2010 20:06:51

Stress pur

Hallo,ich bin eine der Mütter die sich tierisch aufregen,warum hat uns keiner von der Längenfeldschule gewarnt,mir scheint es so ,das man das wieder unter den Teppich schieben will,mein Telefon ging den ganzen Morgen und die Mütter waren alle sehr sauer darüber ,warum klärt man uns Eltern nicht darüber auf?
Wir haben das auch nur erfahren da eine Mitschülerin von meiner Tochter heute morgen anrief. Das ist aber eine Sache der Schulen,und dann kann jeder für sich überlegen,ob man das kind in die Schule schickt oder nicht.
Durst C am 19.03.2010 16:13:10

Ja, richtig, das mit dem unter den Teppich kehren




Ich bin ganz Ihrer Meinung und ebenfalls stinkesauer. Meine Tochter kam vollkommen
verstört kurz nach halb neun wieder heim. Ich frage mich nur, was wäre gewesen,
wenn ich zufällig nicht zuhause gewesen wäre.- Wie kann eine Schulleitung nur so
ignorant sein gegenüber den Eltern (u.a.) und einfach nur Stillschweigen bewahren.
Ich finde das unmöglich und bin froh, wenn meine Tochter irgendwann nicht mehr
in die Längenfeldschule geht.
Birgit Mahl am 20.03.2010 12:09:31

Panik pur

Ich bin Schüler in der Mittelstufe auf dem Gymnasium. Unsere Klasse war heute Morgen sehr aufgeregt, wir wussten ja alle, dass es ein Amok- Gerücht gab.

Wir haben uns dann-auf Wunsch von uns- im Klassenzimmer verbarrikadiert. Einige Schülerinnen sind bei jedem kleinen Geräusch total hysterisch geworden und haben sich auf den Boden geschmissen-und das auf dem Gymnasium!-

Ich denke, mit solchen Amok-Drohungen ist nicht zu Spaßen, man sieht ja, was das für Folgen hat. Es war Aufregung pur, obwohl der Amoklauf ja für die Realschule angekündigt war...
Ein Schüler am 19.03.2010 15:32:21
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