Wenn der Urlaub zum Job wird
Markus Bross (65) gibt Ende des Jahres oberen Kiosk auf – Weiterhin Bootsverleih
Schömberg, 19.03.2010 von Daniel Seeburger
Markus Bross verleiht dem sommerlichen Stausee das mediterrane Hafenflair. Mit seinem gepflegten Vollbart sieht er aus wie ein echter Seemann. Bross' Flotte umfasst 25 Tret-, Ruder- und Elektroboote. Außerdem ist er Herr zweier Kioske, an denen man sich bei schönem Wetter an Eis, Pommes oder einem kühlen Bier laben kann. Das obere Kiosk bei der DLRG-Station gibt er Ende dieses Jahres auf – nachdem er 25 Jahre lang für das Wohl seiner Gäste sorgte. Die Stadt sucht einen Nachpächter. Gefunden hat sie bisher noch keinen.
Auch den Kiosk am Waldschenke-Weg und den Bootsverleih möchte der 65-Jährige in jüngere Hände geben und ist auf der Suche nach Interessierten. Sollte es in diesem Jahr mit der Nachfolge nicht klappen, will Markus Bross auch im kommenden Jahr weitermachen. Am oberen Kiosk allerdings ist nach dieser Saison definitiv Schluss.
Seit 44 Jahren ist Bross Kapitän seiner Stauseeflotte. Er übernahm den Bootsverleih von seinem Stiefvater Albrecht Koch. „Da bin ich reingewachsen“, erzählt der 65-Jährige, der zuvor in der Waldschenke gearbeitet hatte. 1982 baute er einen kleinen Kiosk direkt beim Bootsverleih, drei Jahre später übernahm er zusammen mit seiner Frau Ilse zusätzlich den oberen Kiosk bei der DLRG-Bereitschaft. „Beide Kioske zu betreuen ist uns jetzt einfach zu viel“, erklärt er seine Entscheidung.
Markus Bross ist nicht nur am Stausee eine Institution. Auch das Städtle selbst hat er mitgeprägt wie kaum ein anderer. 33 Jahre lang engagierte sich der 65-Jährige als Narrenrat bei der Narrenzunft, im Schwäbischen Bart- und Schnauzerclub war der fünffache Bartweltmeister an exponierter Stelle tätig und machte Schömberg weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Er war mehrere Jahre stellvertretender Vorsitzender der TG Schömberg und stellvertretender Vorsitzender der Turnabteilung. Als überzeugter Turner arbeitete der gelernte Metzger 20 Jahre lang als Bundeskampfrichter. Zwölf Jahre lang war er als Gemeinderat kommunalpolitisch tätig.
Wenn an Ostern die Sommersaison startet, wird Markus Bross bei schönem Wetter wieder täglich am Stausee sein. In den Sommerferien ist er bereits ab sechs Uhr im Einsatz. Mit seinem Anhänger transportiert er dann den Müll von der Liegewiese. Er ist dafür verantwortlich, dass der Stauseestrand in den Sommermonaten picobello aussieht. „Ich verbringe meinen Urlaub am Stausee“, sagt Bross und schmunzelt, „der Urlaub ist mein Job“.
Markus Bross hat schon konkrete Pläne für sein Leben nach dem Stausee. „Ich will einfach mal nichts tun“, schwärmt er, „oder in den Urlaub fahren“. Und im Urlaub könnte er durchaus auch einige Wochen Stausee buchen. Hier trifft sich im Sommer um 15 Uhr sein Stammtisch am Kiosk. „Meine ganze Clique ist mit dabei“, schwärmt der 65-Jährige. Und da will er nicht fehlen.
