Star für Oslo
18.03.2010 von Helen Weible
Wer bisher Augen und Ohren vor dem Medienspektakel „Unser Star für Oslo“ verschlossen gehalten hatte, dem ist es möglicherweise am Dienstagabend nicht mehr gelungen. Einmalig, zu was sich das öffentliche Fernsehen da verleiten ließ. Kurz vor der Tagesschau wurde das brandneue Musikvideo von „Unser-Star-für-Oslo“-Gewinnerin Lena Meyer-Landrut eingespielt. In voller Länge und topaktuell. Die 18 Jahre junge Gewinnerin musste für diese Produktion noch die ganze Nacht nach der Entscheidung vor die Kamera stehen. Hier frage ich mich, warum es alle so eilig haben? Das eigentliche Event, der Eurovision Song Contest, wo Lena ihren Ohrwurm „Satellite“ präsentieren wird, findet doch erst Ende Mai statt. Anscheinend soll der süßen Lena, die mit ihrer leicht verrückten Art allgemeine Begeisterung auslöst, möglichst rasch beigebracht werden, dass das Dasein als Star kein Zuckerschlecken ist. Auch wenn sie von sich zwar behauptet, sie bleibe stets sie selbst, so ganz ohne Weiteres wird der Trubel nicht an ihr vorbeigehen. Kann sie sich wirklich noch aufs Abiturschreiben konzentrieren?
Eher wird sie als frischgebackener Star die nächsten Tagen von Pressetermin zu Pressetermin zu hetzen. Lena als neu gefundenes Opfer der erbarmungslosen Medienmaschinerie? Für sie hätte ich mir ein ganz anderes Oslo-Star-Konzept gewünscht. Vor der Öffentlichkeit vorher völlig geheim gehalten, taucht sie als absolute Überraschung beim Finale in Oslo auf, singt genial, gewinnt und wird danach wieder unverbraucht in den Alltag entlassen. Aber das geht ja nicht – dann hätte ja nur der Star etwas davon.
