Teatime mit „Aldi“
16.03.2010 von Karl-Otto Müller
Es soll Zeitgenossen geben, die am Samstagnachmittag sehnlichst den bunten Stapel lockender Angebote aller möglicher Discounter, Drogerien und Supermärkte erwarten. Bei Tee und frischem Kuchen studieren Haushaltsvorstand samt Familie gemeinsam die Offerten für die kommende Woche. Zumindest stellen sich dies die Autoren der farbenprächtigen Lektüre so vor. Einkaufslisten würden erstellt, Versorgungsgänge geplant – weil sich wohl erst nach Prospektstudium so richtig Geld sparen ließe.
Im direkten Vergleich, wie er ansonsten nur mit viel Fußweg möglich wäre, können wir preissensiblen Konsumenten bequem in der warmen Stube „kiloweise Tiefstpreise und Rabatte“ vergleichen. Dann erst wissen wir, wo die Butter am günstigsten ist, wo in der kommenden Woche das Wasser im Angebot ist. Natürlich wissen wir längst: Ausgenommen Tiernahrung!
Doch mag das Faltblatt-Studium am Samstagnachmittag noch so intensiv gewesen sein, am Montag passiert's: Im einen Falle reicht noch nicht einmal das Sputen zur Ladenöffnung, um noch eines jener günstigen Batterieladegerät abzustauben – 9.05 Uhr: Ausverkauft! So ein Laden! Und im anderen Falle ist es kaum besser: Die Spitzen-Bohrmaschine, ein Schnäppchen. Aber – wo war die nochmal zu kriegen. Baumarkt 1: Fehlanzeige! Baumarkt 2: „Hatten wir noch nie!“ – Oder hatten wir das Angebot beim Lebensmitteldiscounter gelesen, die heute in Heimwerker, morgen mit Doktor-Uniformen und übermorgen mit Angelruten werben? Oder gar in einem der Drogeriemärkte?
