Ein Ort zum Reden, Schweigen oder Zuhören

Die katholische Seelsorgeeinheit „Am Kleinen Heuberg“ richtet ein Trauercafé ein – Der Schmerz wird erträglicher

Zollernalbkreis, 12.03.2010 von Rosalinde Conzelmann

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Menschen, die trauern, wollen über den geliebten Menschen, den sie verloren haben, reden. Am Anfang finden sie noch Zuhörer. Sehr schnell aber, wird es ihren Mitmenschen zu viel. Das Trauercafé ist ein Ort, in dem die Trauer leben darf – in jedweder Form.

Ein Ort zum Reden mit anderen Betroffenen, ein Ort zum Schweigen oder Zuhören. Alles ist möglich und alles ist erlaubt. „Kürzlich kam ein Mann herein. Er sagte Grüß Gott, trank eine Tasse Kaffee und sagte 30 Minuten lang kein Wort mehr“, schildert Eduard Maass, der das Trauercafé der Ökumenischen Hospizgruppe Balingen betreut, diese Begegnung im Senator-Kraut-Haus. Dort findet das Trauercafé seit sieben Monaten jeden ersten Freitag im Monat von 15 bis 17 Uhr statt. Die Trauergruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat von 19 bis 20.30 Uhr.

Mit Unterstützung der Balinger Hospizgruppe will Reiner Dehner, Religionslehrer und Diakon in Ausbildung bei der katholischen Kirchengemeinde Geislingen, ein Trauercafé für die Seelsorgeeinheit „Am Kleinen Heuberg“ einrichten. Pfarrer Rudolf Junginger, sein Mentor in der Diakonausbildung, befürwortet Dehners Engagement, der das Trauercafé als Thema für eine Projektarbeit ausgewählt hat.

Dehner hat in seiner kirchlichen Arbeit die Erfahrung gemacht, „dass den Trauernden noch bis nach der Beerdigung beigestanden wird, dann ist es vorbei.“ Weil er „die Leute nicht allein lassen will mit ihrem Schmerz“ kam ihm die Idee mit dem Trauercafé. Er kannte Eduard Maass vom Filmvortrag „Vom Gehen und Bleiben“ und trug ihm sein Anliegen vor. Er rannte offene Türen mit seiner Idee ein. „Denn auch für uns ist der Aufbau eines Netzwerkes in der Trauerarbeit ein großes Anliegen“, betont Maass. Er weiß, „dass jeder Mensch anders trauert“ und oftmals das „darüber reden“ den Schmerz einwenig lindern kann. Auch er stößt manchmal an seine Grenzen. Besonders berührt hat ihn das Schicksal einer Mutter, die ihr Kind mit neun Jahren verloren hat. „Wenn ich nicht mehr weiter weiß, wende ich mich an Pfarrer Seisser“, sagt er.

Der Heselwanger Pfarrer arbeitet seit 15 Jahren in der Hospizgruppe, seit vier Jahren auch aktiv in der Trauerarbeit. „Wenn die Seele wehtut, traut sich keiner Hilfe zu holen“, beschreibt er die Hilflosigkeit der Trauernden. Nach dem Tod gäbe es viel zu tun, die Trauernden würden mit Formalitäten zugedeckt. „Das Loch kommt danach, wenn die Stille zu Hause unerträglich wird“, weiß Seisser aus Erfahrung.

Es ist vorgesehen, dass das Trauercafé auch in die Dörfer geht. Neben dem Gemeindehaus Geislingen sind das Binsdorfer Markusheim, das Gemeindehaus Erlaheim und das Pflegewohnhaus Rosenfeld Treffpunkte für trauernde Menschen. Dehner wird bei seiner neuen Aufgabe von Veronika Killmayer aus Geislingen und dem Rosenfelder Adelbert Braun unterstützt. „Eingeladen sind alle Menschen, die trauern, unabhängig von ihrem Wohnort oder ihrer Konfession“, legt Dehner großen Wert auf diese Feststellung. „Der Balinger kann nach Binsdorf gehen und umgekehrt.“

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Weitere Infos

Das Trauercafé findet jeden vierten Montag im Monat von 15 bis 17 Uhr statt. Start ist am 22. März im katholischen Gemeindehaus Geislingen. Weitere Auskünfte erteilen Reiner Dehner, Tel. 22496 und das Pfarrbüro St. Ulrich, Tel. 21236 (vormittags).

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